Kategorie
Autor:innen
Jahr

«Ich möchte gute Ideen hervorkitzeln»

Nathalie Bösch, die neue Leiterin der Halle im Zwischennutzungsprojekt Lattich im St.Galler Güterbahnhof, über die Pläne zur Saison 2018, kulturelle Nischen und fehlende Stühle.
Von  Peter Surber , 
Nathalie Bösch, fotografiert von Andri Bösch.

Saiten: Du hast viel Organisationserfahrung vom Openair St.Gallen her – ist das gefragt, jetzt, in der dritten Lattich-Saison?

Nathalie Bösch: Es geht zum einen darum, eigene Anlässe durchzuführen und andrerseits Leute zu animieren, in der Halle ihre Projekte umzusetzen. Meine Aufgabe wird es unter anderem sein, sie dabei zu unterstützen. Wir haben eine minimale Infrastruktur, und es gibt gewisse Mietkonditionen: 500 Quadratmeter in der Halle, ausgelegt für maximal 240 Personen, dazu eine einfache Licht- und Tonanlage. Es wird Anlässe geben, die praktisch durchorganisiert sind und solche, die mehr Unterstützung brauchen.

Was interessiert dich an der Halle?

Mir ist es wichtig, eine grosse Bandbreite von Veranstaltungen in der Halle zu haben, von grösseren Anlässen bis zu ganz kleinen Ereignissen. Wenn Leute eine gute Idee haben, möchte ich das gerne hervorkitzeln und möglich machen. Das Spektrum der Besucher soll ebenfalls möglichst vielfältig sein, von alt bis jung, aus allen möglichen Richtungen.

Generationenübergreifende Kultur: Ist das eine Lücke in St.Gallen? Oder allgemeiner gefragt: Welche Lücke füllt die Lattichhalle?

Der Lattich ist ein Ort, den es in dieser Breite sonst kaum gibt, der gleichzeitig Markt, Theater, Workshops, Tanz und Gastronomie bietet. Ich werde versuchen, diese Durchmischung hinzukriegen und zu vermeiden, dass es heisst: «Da gehen nur die oder die hin.» Neu gibt es vor der Halle einen 12 Meter langen Container, den Artcore Container, den man auch mieten kann, als Shop, Sitzungszimmer, Ausstellungsraum etc. Durch sein Schaufenster wird das Innenleben des Containers sichtbar. Er ist eine ideale Ergänzung zur Halle.

Lattich will sich eher nicht als «Kulturort» im engeren Sinn verstehen, sondern als Begegnungsplattform?

Ich sehe die Halle nicht nur für die Kultur. Vieles soll sich ja auch im Aussenbereich abspielen. Der Lattich soll als Quartiertreffpunkt zum Leben kommen, die HEKS-Gärten, die Container und der Spiele-Weg schaffen Begegnungsmöglichkeiten. St.Gallen soll zusammenkommen und sich auch mal von dem überraschen lassen, was sich hier tut.

Nathalie Bösch hat Soziale Arbeit, Sozialpolitik und Kommunikations- und Medienwissenschaften studiert und war nach Engagements in der Arbeit mit Jugendlichen fast zehn Jahre beim Open Air St.Gallen tätig.
halle@lattich.ch

In der Stadt ist kulturell viel los. Zuviel, nach Deiner Meinung?

Ja, es ist viel los und die Halle bringt ein neues Element. Sie ist gross, aber rudimentär, roh, nur mit Mini-Infrastruktur und zeitlichen Beschränkungen. Als Partyraum ist sie nicht geeignet. Um 22 Uhr ist Nachtruhe, um 23 Uhr bzw. am Wochenende um 24 Uhr wird geschlossen. Vieles wird sich tagsüber abspielen, die Halle zieht andere Aktivitäten und Projekte an als andere Kulturlokale. Bei uns kann man dafür um 7 Uhr morgens starten.

Die rudimentäre Infrastruktur gab zu reden letztes Jahr. Deine Vorgänger haben auf eigene Faust eine Bühne erworben und aufgebaut. Wie geht es jetzt weiter?

Uns fehlen noch Stühle. Dafür läuft gerade ein Aufruf über Facebook. Die Publikumstribüne wird es nicht mehr geben.

Ist das kein Problem für Theater- und Tanzproduktionen?

Die, die bisher angefragt haben, wissen darum und haben sich nicht davon abhalten lassen, ihr Projekt zu realisieren. Aber es ist schon ein Thema – wenn wir von irgendwo eine Bühne erhalten, würden wir natürlich nicht Nein sagen. Aber unsere Mittel sind beschränkt.

Bräuchte der Lattich mehr Subventionen?

Für ihre Projekte müssen sich die Veranstalter selber um Unterstützungsgelder bemühen. Ein Teil der Finanzierung der Halle für die Saison 2018 ist gesichert durch ein Sponsoring der SBB, die Einnahmen aus den Vermietungen von Halle und Container, Mitgliederbeiträge des Vereins sowie den Restbetrag der Jubiläums-Unterstützung durch die St.Galler Kantonalbank. Aber ja, es fehlt noch ein «Batzen». Aktuell haben wir ein Crowdfunding über Wemakeit gestartet. Ziel sind 14’000 Franken, um den laufenden Betrieb, etwa Miete, Baueingabe und Gebühren, Container-Transporte, Versicherung und diverse Infrastrukturausgaben, sichern zu können.

Was passiert dieses Jahr im Lattich?

Es gibt die Eigenveranstaltungen, darunter vier Lattich-Sonntage mit Brunch und einem kleinen Rahmenprogramm, einen Flohmarkt und ähnliches. Dazu haben wir Buchungen und Anfragen für Theater, Tanz, Ausstellungen, Food Festivals, Hauptversammlungen, Apéros, Fotoshootings, Märkte und auch private Anlässe. Vieles ist im Gespräch. Ich bin zuversichtlich, dass ein spannendes Programm entsteht bis zum Herbst. Ein Winterbetrieb ist bis jetzt kein Thema.

Wie beurteilst du St.Gallen als Kulturstadt?

Das Angebot ist dicht, das gefällt mir, aber natürlich gehe ich auch mal raus aus St.Gallen. Was mir fehlt: Die Sonntage sind tot. Es müssen nicht gerade Events sein, die dann stattfinden, aber man soll an einem gemütlichen Ort einen Kaffee trinken und sich treffen können. Drum auch die Lattich-Sonntage. Unser Ziel ist es, dass man auch «einfach so» ins Güterbahnhofareal kommt, dem Ambiente, dem Feeling zu liebe. Freitag und Samstag ist die Gastro immer offen von Mittag bis 22 Uhr. Wir hoffen, dass der Lattich noch stärker auf dem Radar der Leute auftaucht, auch ohne speziellen Anlass.

Dein Appell an die Stadtbevölkerung vor der Lattich-Eröffnung?

Liebe Leute, wir brauchen Stühle und eure Unterstützung auf Wemakeit. Meldet euch, wenn ihr Ideen habt. Seid nicht schüüch. Und: Kommt an die Saisoneröffnung am 4. Mai und besucht unsere Agenda und den Blog auf lattich.ch.

Dieser Beitrag erschien im Aprilheft von Saiten.

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
DSC09196

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max