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Im April: Saiten im Angesicht des…

...Todes. Ein Heft über das Lebensende. Ausserdem: neue Kolumnen, neuer Kulturteil, neue Rubriken.
Von  Redaktion Saiten , 
Jan Andersen, 27 Jahre. Geboren am 21. Februar 1978, gestorben am 14. Juni 2005 im Hamburg Leuchtfeuer Hospiz. (Bild: Walter Schels)

Frühling, alles will ans Licht, und Saiten schreibt vom Tod. Der scheinbare Gegensatz ist gewollt, und je nach Menschenbild hängt eins mit dem andern sowieso unauflösbar zusammen. «Media vita in morte sumus» hat Notker um das Jahr 750 in St.Gallen gedichtet – Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen.

Das stimmte damals allerdings noch in einem wörtlicheren Sinn als heute. Vom Tod wollen in einer Zeit, in der die Lebenserwartung zumindest in der Wohlstandsschweiz bald einmal bei 90 Jahren liegt, viele nichts sehen und hören. Das Sterben soll möglichst unsichtbar und klinisch stattfinden – das ist zumindest die eine Seite der Realität. Die andere gibt es auch, und wir sind bei der Arbeit an diesem Heft vielfach darauf gestossen: Sterbebegleitung, Palliativmedizin, Patientenverfügungen, aber auch Sterbehilfe und andere ethische Fragen um das finale Selbstbestimmungsrecht werden mehr und mehr öffentlich diskutiert. Der Grund dürfte trivial sein: Die alternde Gesellschaft kommt um sie nicht mehr herum.

Und das Niveau der Diskussion ist hoch. Im Angesicht des Todes haben Plattheiten und Ideologien keinen Platz mehr. In diesem Heft kommen Menschen zu Wort, die sich aus persönlicher oder professioneller Betroffenheit mit Sterben und Tod auseinandersetzen: die Sterbebegleiterin, die Ärztin, die Sterbewillige auf ihren letzten Gang schickt, der Altersheimleiter und die 92-jährige Heimbewohnerin, die Betreuerin eines krebskranken Kindes, die Verfechterin des Freitods. Die Bilder stammen vom deutschen Fotografen Walter Schels, der Menschen vor und nach dem Tod porträtiert hat. Er lässt uns, wie hoffentlich die Texte auch, dem Tod ins Auge schauen.

Glücklich, wer dies gelassen tun kann. Die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann konnte es nicht – aus dem kürzlich aus dem Nachlass herausgegebenen Band Male oscuro mit «Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit» nach dem Zusammenbruch 1962 spricht eine quälende Rebellion gegen das «dunkle Übel», das die Autorin bis zum Tod 1973 nie mehr losliess. Es sind Anklagen an die Medizin und Traumnotate aus einem Seelengefängnis, zu dem sie und niemand sonst einen Schlüssel fand. «In diesen Anstalten hier kann man nicht überleben, man soll mich also lieber umbringen auf eine harmlose Weise», heisst es 1973 in einem Briefentwurf an den Verleger Siegfried Unseld. «Denn die Leiden sind furchtbar, unvorstellbar, tierisch, wenn das nicht ein falsches Wort wäre. Man leidet ja wie ein Mensch, das ist das schlimmste. Der grösste Irrtum der Psychiatrie ist, dass sie meint, der Kranke habe eine Zukunft. Die hat er eben nicht. Er hat die Krankheit, damit also die Vergangenheit, nichts als das. Er hat nichts anderes, er ist dort, wie ein Tiefkühlgemüse, festgefroren. Er hat die Endstation erreicht.»

Zeugnisse wie dieses gibt es vermutlich ebenso viele wie umgekehrt Erfahrungsberichte von der eigentümlichen Beglückung im Angesicht des Todes, wie dies etwa die Eltern des kleinen Vincent beschreiben. Bei dieser letzten aller letzten Fragen ist alles offen. Ausser das eine: Es trifft uns alle.

Weiter im Heft: der neu gestaltete, erweiterte Kulturteil, neue Kolumnen, neue Rubriken. Viel frühlingshafter Aufbruch also…

Peter Surber

 

Der Inhalt:

Reaktionen/In eigener Sache
Blickwinkel von Wassili Widmer
Stadtpunkt von Dani Fels
Stimmrecht von Gülistan Aslan
Redeplatz
 mit Pino Stinelli
Gastrecht
 von Rainer von Arx
Herr Sutter sorgt sich… von Bernhard Thöny
Evil Dad von Marcel Müller

Im Angesicht des…

Sterben: Versuch einer Annäherung
Psychoonkologin, Sterbebegleiterin und Ethiker geben Auskunft.
von Urs Fitze

Der Mann mit dem Schnauz
von O.G.

Schlaf, Chindli, schlaf
Wenn ein Kind stirbt: Die Betreuerin erzählt.
von Frédéric Zwicker

Grand Hotel der letzten schönen Tage
Ein Besuch bei Frau Kühn im Hof Riedern.
von Claudio Bucher

«Hätte ich den Eid geschworen, würde ich ihn brechen»
Interview mit Erika Preisig, Sterbehelferin.
von Frédéric Zwicker

Sterben lassen
von Corinne Riedener

Letzter Wille. Die Infos.

Elisabetta fährt nach Hause.
von Julia Sutter

Die Bilder zum Titelthema stammen von Walter Schels.

Perspektiven

Flaschenpost
 von Nina Keel aus London

#saitenfährtein: Frauenfeld

Im Eisenwerk, im Bücherreich.
von Peter Surber

Appenzell Ausserrhoden
Rheintal
Winterthur
Toggenburg

Kultur

Mystik und Wortlaut: Das Interview mit Hildegard Elisabeth Keller.
von Peter Surber

Kultursparen? Kulturmachen! Kultur fördern!
von Peter Surber und Josef Felix Müller

Gut so: Papst und Abstinenzler mit Album Nummer drei.
von Frédéric Zwicker

Zweimal Jugendtheater zum Ersten und Zweiten Weltkrieg.
von Inka Grabowsky

Wolfram Lotz: Rede zum unmöglichen Theater

Miklós Klaus Rózsa, Fotograf des Widerstands. 

von Michael Felix Grieder

Der Kulturparcours – quer durch die Ostschweiz.

Mixologie
 von Niklaus Reichle und Philipp Grob

Am Schalter im April: Daniel Ammann

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Charles Pfahlbauer jr.
Kreuzweiseworte

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
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