Kategorie
Autor:innen
Jahr

Im Container um den See

Die Internationale Bodenseekonferenz IBK feiert 2022 ihr 50jähriges Bestehen - unter anderem mit einer Containertour rund um den See. Ab heute macht die Ausstellung in St.Gallen Halt, nächste Woche in Wasserauen.
Von  Peter Surber , 

Für die eine ist der Bodensee «einfach Heimat», für den anderen «wie Ferien». «Ich lebe da, wo andere Urlaub machen», sagt jemand. Für die meisten ist der See Teil ihrer Identität, so selbstverständlich wie die gemeinsame Sprache, die man mit den Nachbarn rund um den See teilt. Schattenseiten: kaum.

Einer der Befragten, der in Herisau lebende Musiker und Autor Steff Signer, schwärmt als «Henderländer» von der Weite und dem Gefühl der Freiheit, das ihn seit jeher beim Anblick des Sees packe.

 

 

Steff Signer, eines der Video-Statements zur Bodenseeregion im IBK-Container.

Es sind zufällig angetroffene Passant:innen, die sich in einem Video in der Ausstellung zum 50-Jahr-Jubiläum der IBK so äussern. Das Video ist im Schiffscontainer zu hören und zu sehen, der für die IBK auf Sommertour geht. Umgebaut hat ihn der Altstätter Architekt Roger Graf. Die Umfrage und die Texte zur Ausstellung stammen von Isabelle Chappuis, Gestalter Johannes Stieger hat stilisierte Wellen, eine aufschlussreiche Übersichtskarte und Informationen zur Tätigkeit der IBK darin plaziert

Die Quagga-Odyssee

Was beim Auftakt Mitte Mai in Konstanz im Container noch fehlte: eine Kette mit Quaggamuscheln. Die invasive Muschel (Dreissena rostriformis bugensis) könnte Sinnbild für eine heutige grenzüberschreitende Bedrohung des Sees sein und damit zur IBK-Geschichte passen, fand Ausstellungsmacherin Isabelle Chappuis.

Nach vergeblichen Anrufen bei Werften und fachkundigen «Zuchtversuchen» fand man schliesslich eine befallene Bojenkette. Nächster Schritt: die Präparation, Abtöten durch Schockkälte, Wiedererwärmen, Versiegeln im Lackbad, Trocknen. Fehlten nur noch die Zollpapiere, nötig für die mehrfache Überquerung der Ländergrenzen auf der Containertour. Voraussetzung dafür war das OK der Veterinärämter aller drei Länder, die wiederum erschöpfende Auskunft über das Objekt verlangten.

Der dornenreiche Weg durch die Institutionen bis zum Erwerb des Zollpapiers brauchte Zeit – so kam die Quaggakette erst an der zweiten Tourstation, in Kreuzlingen, zu ihrem grossen Auftritt. Muscheln kennen halt doch Grenzen. Mehr zum Thema hier.

Zehn IBK-Partner, elf Stationen

Unter dem Jubiläumsmotto «Auf Kurs» reist der Container bis Ende Juli durch alle Mitgliedsländer und -kantone der IBK. Am 16. Mai ist er in Konstanz gestartet, die weiteren Stationen sind Kreuzlingen, Winterthur, St.Gallen, Wasserauen, Vaduz, Schaffhausen, Bregenz, Heiden, Lindau und Friedrichshafen. Vernetzung über die Grenzen hinweg, das Leitmotiv der 50-jährigen Geschichte der Bodensee-Konferenz, sei das hauptsächliche Ziel der Container-Reise, sagte IBK-Vize-Geschäftsführerin Katja Heller bei der Eröffnung Mitte Mai im Hof vor den Büros der Geschäftsstelle im Konstanzer Bücklepark.

In Konstanz ging es zum Auftakt unter anderem um den Kleinprojektefonds der IBK, ein Förderinstrument, mit dem Vernetzungsprojekte aus diversen gesellschaftlichen Bereichen unterstützt werden. An jedem Standort gibt es ein anderes Schwerpunktthema – E-Mobilität war letzte Woche in Winterthur der Themenschwerpunkt, beim Halt in St.Gallen ab 7. Juni geht es unter anderem um den Metropolitanraum Bodensee, weitere Themen sind Tourismus, Kultur oder Ökologie.

Das Europa der LKWs

An den meisten Standorten mit dabei ist auch die vorarlbergisch-ausserrhodische Theatergruppe Café fuerte mit dem Stück Truck Stop – einem Zweipersonenstück von Tobias Fend um offene und geschlossene Grenzen, real und im Kopf. In St.Gallen ist das Stück am 11. Juni um 21 Uhr zu sehen.

Szenen aus Truck Stop.

Der Inhalt: Trucker Sandro sitzt seit Wochen fest. Er hat sich schon häuslich eingerichtet. An Hans, dem eifrigen Alleinherrscher über einen kleinen, unbedeutenden Grenzübergang, kommt keiner einfach so vorbei. Aber als Sandro eines Tages beim Wäsche aufhängen versehentlich den Grenzverlauf verlegt, kommt Grenzer Hans völlig aus seinem Konzept. Wenn man eine Grenze einfach verschieben kann, was ist sie dann noch wert? Was gilt dann überhaupt noch? Die Grenzen zwischen den beiden Männern verschieben sich.

Nächste Stationen:

7. bis 12. Juni, St.Gallen, Stadthaus/Geschäftsstelle IHK
Eröffnung: 7. Juni 17 Uhr
Konzert Elyn: 10. Juni 17.30 Uhr
Theaterstück Truck Stop: 11. Juni 20 Uhr

15. bis 19. Juni Wasserauen
21. bis 25. Juni Vaduz

Alle Infos hier: ibk50.org/eintauchen/

IBK-Geschäftsführer Klaus-Dieter Schnell erinnerte beim Start in Konstanz an die diversen sonstigen Engagements seiner Organisation, darunter den Bodensee-Radweg, die Restaurierung des Raddampfers «Hohentwiel», die Internationale Bodensee-Hochschule IBH oder das Bodensee-Ticket.

«Wenn Europa gelingen soll, dann hier»

Dass noch mehr zu tun sei, betonte der Ausserrhoder Regierungsrat Alfred Stricker, im Jubiläumsjahr Vorsitzender der Organisation: Die Region arbeite zwar gut zusammen, finde aber in den Hauptstädten zu wenig Gehör. Der Grossraum Oberrhein habe bereits erreicht, was der Bodenseeraum erst noch aufbauen müsse: stärkere Kanäle in die Zentren und damit mehr Einfluss in nationalen Belangen.

Just am 14. Januar 2022, dem 50. Jahrestag der Gründung, hatten sich die Regierungschefs aller IBK-Partner auf dem Säntis getroffen und eine Gipfelerklärung verabschiedet. Unter Punkt 9 heisst es dort unter dem Titel «Selbstbewusstsein ist angezeigt»: «Wer gehört werden will, muss mit einer Stimme sprechen. Die Bodensee-Region braucht koordinierte Anstrengungen und institutionalisierte Zugänge, um ihre Anliegen auf nationalstaatlicher Ebene und bei den Zentralregierungen zur Geltung zu bringen – in Berlin, Wien, in Bern und Vaduz. Und in Brüssel. Die Bodensee-Region hat die Kraft, Europa zu bewegen. Wenn Europa gelingen soll, dann hier.»

Stärkere Beachtung kann auch der IBK selber nicht schaden. «Nie gehört», «keine Ahnung», «sagt mir nichts»: So antworteten die meisten Passant:innen auf die Frage, was die IBK sei. Das allerdings dürfte sich im Verlauf der Containertour ändern.

Der hier aktualisierte Beitrag erschien im Juniheft von Saiten.

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
DSC09196

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,