, 27. Dezember 2014
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Im Januar: Saiten korrigiert

Ein Heft mit lauter Verbesserungen und guten Vorsätzen. Ausserdem: Der Report von der Gasse, Kunst und Zwang in der Psychiatrie, Sounds aus Zone 167.

Januar, neues Jahr, neues Team, gute Vorsätze – das Titelthema dieser Ausgabe hat einen freudigen, optimistischen Grund und Hintergrund. Man nimmt sich vor, ein paar Dinge besser zu machen, dieses anzupacken und jenes endlich bleiben zu lassen. Wir tun das bei Saiten auch («und zwar permanent, nicht bloss zu Beginn des neuen Jahrs», wirft meine Kollegin gerade korrigierend ein, natürlich hat sie recht) – zum Beispiel also lautet einer unserer Vorsätze, im Saiten-Heftabschluss künftig um Mitternacht fertig zu sein und nicht bis in den halben Morgen hinein noch Korrekturen anzubringen, obwohl sich natürlich immer noch etwas verbessern lässt. Oder, anderes, wichtigeres Beispiel: Wir nehmen uns vor, künftig noch fundierter zur Verbesserung der kulturellen und politischen Entwicklung unserer Region beizutragen. («Und den Mächtigen auf die Finger zu schauen und auch mal auf die Finger zu hauen», ergänzt mich der Kollege, natürlich zurecht).

Kurzum, wo man hinschaut: Korrigierbedarf, Verbesserungsmöglichkeiten, Wandlungslust, Vorwärtsdrang. Drum widmet sich dieses Heft dem Korrigieren. Zum einen unserem Handwerkszeug, der Sprache selber: Corinne Riedener denkt über Gender Correctness nach, die junge Ostschweizer Schriftstellerin Laura Vogt reflektiert ihre Korrigier-Arbeit am Text und am Leben. Und auch das mathematische Korrigieren hat seinen Platz (und seine Tücken). Zum andern gesellschaftlich und geschichtlich: Richard Butz schlägt notwendige Korrekturen an der hiesigen Geschichtsschreibung vor, Rolf Bossart sinniert grundsätzlich über das «Mängelwesen » Mensch und den Zwang zur Selbstoptimierung im durchökonomisierten 21. Jahrhundert.

An solchen Stellen…(«unpräziser Ausdruck», kritisiert die Grafikerin – also noch einmal:) Bei solchen Stichworten wird man gewahr («schönes altes Wort», grummelt der Korrektor), dass die löbliche Arbeit an sich selber und das meist harmlose Spiel mit guten Vorsätzen schnell einmal ins Bedrohliche kippen kann. Wer nicht mittrainiert, kommt irgendwann nicht mehr mit – der Report erzählt davon, und im Kulturteil geht es unter anderem um die Psychiatrie und ihre Versuche, den Menschen künstlerisch und medikamentös zu «bessern».

Am Ende wird sich eine Gesellschaft, die den imperfekten Menschen nicht mehr akzeptiert, genetisch einen neuen, perfekten schaffen. Das ist vorderhand noch, zum Glück, bloss eine Horrorvision – bildnerisch haben die Saiten-Grafiker aber schonmal ins Volle gegriffen. Die Bildstrecke zeigt Maria, 32, im Original und nach dem Facelifting per Photoshop – urteilen Sie selber, wie das vorläufig nur digitale Korrektur-Abenteuer ausgeht.

In diesem Sinn: Auf ein gutes Jahr 2015! Und wenn es besser wird: umso besser.

Peter Surber

 

DER INHALT:

 

Reaktionen

Positionen
Blickwinkel von Katalin Déer
Redeplatz mit Niklaus Reichle
Einspruch von Myshelle Baeriswyl
Stadtpunkt von Dani Fels
Medienrevolution I und II

 

Korrigieren

Wortzement.
Gendersprachliche Correctness ist so nötig wie sperrig. Was tun?
von Corinne Riedener

Wahr oder falsch.
Bericht von einem, der ein Lehrerleben lang Matheklausuren korrigiert hat.
von Heinz Surber

Arbeit am Text.
Das schwierig schöne Schreiben – ein Werkstattbericht.
von Laura Vogt

Wissen wir genug?
Die Geschichtsschreibung über Rassenwahn in der Ostschweiz braucht Korrekturen.
von Richard Butz

Wir Selbstoptimierer.
Es gibt das Recht, schlauer zu werden, aber auch den Zwang zur Selbstkorrektur.
Ein Gespräch mit Rolf Bossart. von Peter Surber

Grafik zum Titelthema:
Maria Guță, Ladina Bischof, Tudor Guță, KasperFlorio

 

Perspektiven
RapperswilJona
Schaffhausen
Vorarlberg
Thurgau
Stimmrecht von Leyla Kanyare

Flaschenpost
Mit Roman Signer in China.
von Corinne Schatz

Report
«Hey, ich bin gsund, huere siech»
Eine Foto-Reportage über Menschen auf der Gasse.
von Oliver Baer

 

Kultur

Ausstellung: Im Kopf auch nicht immer ganz Rein.
Neu entdeckte Kunstwerke aus der psychiatrischen Klinik Münsterlingen.
von Wolfgang Steiger

Kunst: Marlies Pekareks Buch Time Shifts, Pattern Stay the Same.
von Christina Genova

Tanz: Gisa Franks Wildwechsel mit Tanz und Musik.
von Bettina Kugler

Theater: Das Theater St.Gallen inszeniert den Schweizer Bestseller zur Finanzkrise.
von Peter Surber

Film: Satirisch, dadaistisch, chaotisch: Lara Stoll lanciert ihre Sendung «Bild mit Ton» neu.
von Luca Ghiselli

Musik: Das Doppelalbum Lyrical Psycho II vereint wütenden Rap und düsteren Dub.
von Corinne Riedener

Literatur: Adrian Riklins Erzählung über den glühenden Jahrhundertsommer in Rom.
von Peter Surber

Weiss auf schwarz

 

Abgesang
Kellers Geschichten
Bureau Elmiger
Charles Pfahlbauer jr. feiert Comeback
Boulevard

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