, 27. September 2019
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Im Oktober: Saiten ist auch ein Literaturhaus

Was ein Literaturhaus leisten kann und soll. Und: Wie kommt das Buch zu den Leuten, wie kommen die Leute zum Buch, wie steht es um das Lesen und Schreiben überhaupt in der digitalen Gegenwart? Ausserdem: der Wahlherbst, Milo Raus «Neues Evangelium» und die Kohlestadt.

Eliott Déchamboux aus Genf und Marcel Mrejen aus Amsterdam haben die «Knastliteratur» aus dem ehemaligen Koepelgevaengenis im holländischen Haarlem gesammelt und daraus ein Buch gemacht: L’Europe c’est Deutshland quand tu rate laba tu est foutue mon frère, le reste c’est du fouma-fouma!

Basel hat eins – ein wirbliges, Szenen vernetzendes. Lenzburg hat eins, mit internationaler Ausstrahlung. Gottlieben hat auch eins: ein konzentriertes, arbeitsförderliches Refugium. Sieben Städte und Orte in der Schweiz haben eins. St.Gallen hat (noch) keins.

Aber das soll sich ändern, wenn es nach dem Willen einer Gruppe von Initiantinnen geht. Sie haben sich im Umfeld der Frauenbibliothek Wyborada zusammengefunden und setzen sich für ein Literaturhaus in der Stadt St.Gallen ein. Das sei nötig, um der Buchstadt St.Gallen mehr Profil und Ausstrahlung zu geben. Kritische Stimmen halten dagegen, es sei in Sachen Literatur jetzt schon viel los mit engagierten Akteurinnen und Akteuren. Und Kultur brauche nicht noch mehr Häuser, sondern mehr Bewegung.

Das Literaturhaus-Projekt startet dieser Tage – wenn auch noch ohne ein neues Haus, dafür umso bewegter. Ebenfalls auf der Zielgeraden ist der Architekturwettbewerb für die künftige Hauptstadt-Bibliothek. Gründe genug, die St.Galler Buchstadt-Geschichte um eine paar Seiten weiter zu schreiben. Wir reden über die Bibliothek und darüber, was ein Literaturhaus leisten kann und soll. Wir stellen das neue Förderprogramm Buch und Literatur Ost+ vor. Und fragen: Wie kommt das Buch zu den Leuten, wie kommen die Leute zum Buch, wie steht es um das Lesen und Schreiben überhaupt in der digitalen Gegenwart?

Spektakuläre neue Bibliotheken in anderen Städten beweisen, dass man sich offensichtlich kaum irgendwo sonst so kommunikativ und kreativ treffen, begegnen, austauschen kann wie rund ums Buch. Bibliotheken oder Literaturhäuser sind jener «dritte Ort» in Gesellschaften, die ihre öffentlichen Räume neu definieren müssen. Bis das in St.Gallen soweit ist, geht dieses Heft schon mal voraus, bringt weitere Literaturakteure ins Frage- und Antwortspiel, stellt Neuerscheinungen vor, lästert über den Regionalkrimi-Hype, lässt sich von Lino belehren, dass es Wichtigeres als Lesen gibt, kurzum: Saiten im Oktober ist auch ein Literaturhaus. Die Illustrationen, Wandtexte aus einem Gefängnis, zeigen ihrerseits: Literatur ist mehr als das, was zwischen zwei Buchdeckeln klemmt.

Ausserdem im Perspektiven-Schwerpunkt zu den Wahlen: das Interview mit Ständerat Paul Rechsteiner, ein Blick auf seinen Kontrahenten Roland Rino Büchel und der Appell, am 20. Oktober queer zu wählen. Und nicht zu vergessen: Knöppel. Lesen Sie die Packungsbeilage.

Peter Surber

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser
Glücksfall und Unfall
Redeplatz mit Jennifer Abderhalden
Stimmrecht von Farida Ferecli
Testfall Münsterlingen von Harry Rosenbaum

Titel

Mehrsprachig, dialogisch, mobil: Patricia Holder und Karin K. Bühler über das Literaturhaus-Programm.
Von Peter Surber

Warum ein Literaturhaus, warum die Villa? Fragen an Sandra Meier.

Wie funktioniert ein Buch? Annette Hugs trobadora.montage und das Programm Literatur Ost+.
Von Eva Bachmann

Frauen schreiben. Und wo bleiben die Männer? Fragen an das Autorenpaar Julia Sutter und Simon Deckert.

Die inklusive Bibliothek: Katrin Meier über das Konzept der «Public library».
Von Peter Surber

Mord in der Appenzellerbahn – eine Abrechnung mit den Regionalkrimis.
Von Ralph Weibel

Neue Bücher aus dem Osten.

Vier Buchfragen, vier Antworten: Von Leonie Schwendimann, Florian Vetsch, Gallus Frei-Tomic und Rainer Stöckli

Lieber in den Wald.
Von Lino

Perspektiven

Wahlen I: Paul Rechsteiner im grossen Interview.
Von Roman Hertler und Corinne Riedener

Wahlen II: Roland Rino Büchel – Showman an der rechten Seitenlinie.
Von Roman Hertler

Wahlen III: Warum hat es so wenig queere Menschen im Schweizer Parlament?
Von Anna Rosenwasser

Die Kohlestadt: Flaschenpost aus Frostburg.
Von Miriam Rizvi

Kultur

Milo Raus neues Evangelium verknüpft die Bibel mit der Flüchtlingskrise.
Von Peter Surber und Rolf Bossart

Der Spielfilm Grâce à Dieu erzählt die Geschichte der Opfer eines pädophilen Priesters in Lyon.
Von Corinne Riedener

Wichtige Hinweise zur Veröffentlichung des neuen Knöppel-Albums Faszination Glied®.
Von Roman Hertler und Corinne Riedener

Ein Hauch von Buddenbrooks: Der Fünfeckpalast von Trogen im Buch.
Von Hanspeter Spörri

Zwei Bücher übers Alter für die Babyboomer.
Von Gabriele Barbey

All Ship Shape zeigen, wie der Geruch von Regen auf Asphalt tönt.
Von Jonas Bartholdi

Abgesang
Boulevard
Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Comic von Julia Kubik

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