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Im Oktober: Saiten ist auch ein Literaturhaus

Was ein Literaturhaus leisten kann und soll. Und: Wie kommt das Buch zu den Leuten, wie kommen die Leute zum Buch, wie steht es um das Lesen und Schreiben überhaupt in der digitalen Gegenwart? Ausserdem: der Wahlherbst, Milo Raus «Neues Evangelium» und die Kohlestadt.
Von  Redaktion Saiten
Eliott Déchamboux aus Genf und Marcel Mrejen aus Amsterdam haben die «Knastliteratur» aus dem ehemaligen Koepelgevaengenis im holländischen Haarlem gesammelt und daraus ein Buch gemacht: L’Europe c’est Deutshland quand tu rate laba tu est foutue mon frère, le reste c’est du fouma-fouma!

Basel hat eins – ein wirbliges, Szenen vernetzendes. Lenzburg hat eins, mit internationaler Ausstrahlung. Gottlieben hat auch eins: ein konzentriertes, arbeitsförderliches Refugium. Sieben Städte und Orte in der Schweiz haben eins. St.Gallen hat (noch) keins.

Aber das soll sich ändern, wenn es nach dem Willen einer Gruppe von Initiantinnen geht. Sie haben sich im Umfeld der Frauenbibliothek Wyborada zusammengefunden und setzen sich für ein Literaturhaus in der Stadt St.Gallen ein. Das sei nötig, um der Buchstadt St.Gallen mehr Profil und Ausstrahlung zu geben. Kritische Stimmen halten dagegen, es sei in Sachen Literatur jetzt schon viel los mit engagierten Akteurinnen und Akteuren. Und Kultur brauche nicht noch mehr Häuser, sondern mehr Bewegung.

Das Literaturhaus-Projekt startet dieser Tage – wenn auch noch ohne ein neues Haus, dafür umso bewegter. Ebenfalls auf der Zielgeraden ist der Architekturwettbewerb für die künftige Hauptstadt-Bibliothek. Gründe genug, die St.Galler Buchstadt-Geschichte um eine paar Seiten weiter zu schreiben. Wir reden über die Bibliothek und darüber, was ein Literaturhaus leisten kann und soll. Wir stellen das neue Förderprogramm Buch und Literatur Ost+ vor. Und fragen: Wie kommt das Buch zu den Leuten, wie kommen die Leute zum Buch, wie steht es um das Lesen und Schreiben überhaupt in der digitalen Gegenwart?

Spektakuläre neue Bibliotheken in anderen Städten beweisen, dass man sich offensichtlich kaum irgendwo sonst so kommunikativ und kreativ treffen, begegnen, austauschen kann wie rund ums Buch. Bibliotheken oder Literaturhäuser sind jener «dritte Ort» in Gesellschaften, die ihre öffentlichen Räume neu definieren müssen. Bis das in St.Gallen soweit ist, geht dieses Heft schon mal voraus, bringt weitere Literaturakteure ins Frage- und Antwortspiel, stellt Neuerscheinungen vor, lästert über den Regionalkrimi-Hype, lässt sich von Lino belehren, dass es Wichtigeres als Lesen gibt, kurzum: Saiten im Oktober ist auch ein Literaturhaus. Die Illustrationen, Wandtexte aus einem Gefängnis, zeigen ihrerseits: Literatur ist mehr als das, was zwischen zwei Buchdeckeln klemmt.

Ausserdem im Perspektiven-Schwerpunkt zu den Wahlen: das Interview mit Ständerat Paul Rechsteiner, ein Blick auf seinen Kontrahenten Roland Rino Büchel und der Appell, am 20. Oktober queer zu wählen. Und nicht zu vergessen: Knöppel. Lesen Sie die Packungsbeilage.

Peter Surber

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser
Glücksfall und Unfall
Redeplatz mit Jennifer Abderhalden
Stimmrecht von Farida Ferecli
Testfall Münsterlingen von Harry Rosenbaum

Titel

Mehrsprachig, dialogisch, mobil: Patricia Holder und Karin K. Bühler über das Literaturhaus-Programm.
Von Peter Surber

Warum ein Literaturhaus, warum die Villa? Fragen an Sandra Meier.

Wie funktioniert ein Buch? Annette Hugs trobadora.montage und das Programm Literatur Ost+.
Von Eva Bachmann

Frauen schreiben. Und wo bleiben die Männer? Fragen an das Autorenpaar Julia Sutter und Simon Deckert.

Die inklusive Bibliothek: Katrin Meier über das Konzept der «Public library».
Von Peter Surber

Mord in der Appenzellerbahn – eine Abrechnung mit den Regionalkrimis.
Von Ralph Weibel

Neue Bücher aus dem Osten.

Vier Buchfragen, vier Antworten: Von Leonie Schwendimann, Florian Vetsch, Gallus Frei-Tomic und Rainer Stöckli

Lieber in den Wald.
Von Lino

Perspektiven

Wahlen I: Paul Rechsteiner im grossen Interview.
Von Roman Hertler und Corinne Riedener

Wahlen II: Roland Rino Büchel – Showman an der rechten Seitenlinie.
Von Roman Hertler

Wahlen III: Warum hat es so wenig queere Menschen im Schweizer Parlament?
Von Anna Rosenwasser

Die Kohlestadt: Flaschenpost aus Frostburg.
Von Miriam Rizvi

Kultur

Milo Raus neues Evangelium verknüpft die Bibel mit der Flüchtlingskrise.
Von Peter Surber und Rolf Bossart

Der Spielfilm Grâce à Dieu erzählt die Geschichte der Opfer eines pädophilen Priesters in Lyon.
Von Corinne Riedener

Wichtige Hinweise zur Veröffentlichung des neuen Knöppel-Albums Faszination Glied®.
Von Roman Hertler und Corinne Riedener

Ein Hauch von Buddenbrooks: Der Fünfeckpalast von Trogen im Buch.
Von Hanspeter Spörri

Zwei Bücher übers Alter für die Babyboomer.
Von Gabriele Barbey

All Ship Shape zeigen, wie der Geruch von Regen auf Asphalt tönt.
Von Jonas Bartholdi

Abgesang
Boulevard
Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Comic von Julia Kubik

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah