Heute schon geübt? Tonleitern, Griffe, Rhythmen, Koloraturen? Musikmachen ist grossartig. Und anstrengend. Wer es, zumal in der Klassik, aber auch auf der E-Gitarre, auf einen einigermassen grünen Zweig bringen will, der muss üben üben üben. Auf Knopfdruck geht da nichts. Zum Glück. Denn Musikmachen ist vor allem dies: Ich und mein Instrument. Hier und jetzt. Analog. Und miteinander.
Die Bildstrecke in unserem Titelthema erzählt von dieser Faszination. Sie erzählt ohne Worte von der Präsenz und Intensität des gemeinsamen Musizierens. Ladina Bischof konnte bei der Generalprobe des Jugendorchesters Thurgau in Arbon fotografieren, einige Stunden vor dem Konzert mit einem anspruchsvollen Beethoven-Programm.
Berthold Seliger, der deutsche Publizist und Rockspezialist, erzählt in seinem dieser Tage erscheinenden Buch Klassikkampf andere Geschichten. Er rechnet mit aufklärerischem Furor ab mit einem Klassikbetrieb, der auf mehrheitstaugliche Events, auf den Konsum repräsentativer Werke, auf die Zementierung eines gesellschaftlichen Eliteverständnisses ausgerichtet ist. Und damit weder die Vielfalt der Gesellschaft abbildet noch dem anspruchsvollen Gehalt der Werke gerecht wird. Auf die «Systemkrise» der Klassik unter den Bedingungen des neoliberalen Markts antwortet Seliger mit einem erneuerten, widerständigen Klassikbegriff. Er plädiert dabei gegen den Zeitgeist für eine harte Unterscheidung von E- und U-Kultur. Und für die Förderung der musischen Bildung auf allen Ebenen und für alle Schichten.
Wir nehmen das Erscheinen des Buchs und eine begleitende Veranstaltungsreihe im St.Galler Musiklokal Palace zum Anlass, nach der Lage der Klassik hierzulande zu fragen – insbesondere danach, ob und wie Kinder und Jugendliche den Weg zur klassischen Musik finden und wie es um die zeitgenössische Klassik steht. Neben den Lokalterminen und Porträts zwischen Thurgau, St.Gallen und Appenzell schlägt der frühere Opernimpresario Michael Schindhelm im Interview die grossen Bögen zwischen E und U, Europa und China, Musik und Politik.
Am Ende ist dies vermutlich das eigentlich «Revolutionäre» an der als bürgerlich verschrieenen Klassik: dass sie das Hören schärft, die Sinne öffnet statt verstopft und damit den Menschen ein bisschen freier macht. Grosse Worte… Heute schon geübt?
Ausserdem im Heft: Bücherherbst, das Interview mit Koni Bitterli nach dem Wechsel von St.Gallen ans Kunstmuseum Winterthur, linke Diskurse und Männerpalaver. Und eine Schlange.
Peter Surber
Reaktionen/Positionen
ReaktionenRedeplatz mit Gilberto ZappatiniStimmrecht von Gülistan AslanHerr Sutter sorgt sich… von Bernhard ThönyEvil Dad von Marcel MüllerBlickwinkel von huber.huber
«Klassikkampf»Die Sache der ernsten Musik ist es wert, für sie zu kämpfen.von Berthold Seliger
Ein Buch schlägt AlarmBerthold Seligers Idealbild der musischen Bildung hat es in sich.von Peter Surber
Zauberformel J+MWie bringt man die Jungen zur Klassik? Und nützt der neue Verfassungartikel Jugend und Musik etwas?von Peter Surber
Vom Klassik-Virus gepacktDer Hornist und die Geigerin: Zwei junge Ostschweizer spielen (fast) ganz oben mit.von Bettina Kugler
Abwehrschlacht von der FelsenburgMichael Schindhelm über bedrohte paradiesische Verhältnisse im Klassikbetrieb.von Claudio Bucher
«Man kann dem Panda nicht vorwerfen, dass er am Aussterben ist»Zeitgenössische Klassik – ein Fall für Eingeweihte? Vier Antworten.
Für das Titelthema fotografierte Ladina Bischof an der Generalprobe des Jugendorchesters Thurgau.
Flaschenpost aus Taiwanvon Benjamin Ryser
Eine neue Ökologie: Aktivist und Philosoph Thomas Seibert im Gespräch. von Michael Felix Grieder
Kultur geht baden: Die Luzerner Finanzpolitik bedroht die freie Szene.von Hans Stutz
Der neue Direktor des Kunstmuseums Winterthur Koni Bitterli im Gespräch.von Giulia Bernardi
Wils Jugend will ein Jugendhaus.von Bettina Scheiflinger
Wundersam: Christine Fischers neues Buch Der Zweifel, der Jubel, das Staunen.von Peter Surber
Andrea Gersters Roman Alex und Nelli: eine Liebesgeschichte?von Gallus Frei-Tomic
Vom hohen Himmel und von fremden Zimmern: neue Gedichtbände von Jürg Beeler und Jochen Kelter.von Rainer Stöckli
Der St.Galler Wassily (Dachs) veröffentlicht sein Debutalbum Liebesding.von Adrian Hoenicke
Wie ich die Novelle Der Schimmelreiter kennenlernte.von Florian Vetsch
Kulturparcours – quer durch die Ostschweiz
Mixologievon Niklaus Reichle und Philipp Grob
Am Schalter im Oktober: Die Halle
Kehl buchstabiert die OstschweizKellers GeschichtenKreuzweisewortePfahlbauerBoulevard
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
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Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
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