, 29. September 2017
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Im Oktober: Saiten mag es klassisch.

Ein Heft zum Zustand der Klassik hierzulande. Ausserdem. Bücherherbst, das Interview mit Koni Bitterli
nach dem Wechsel von St.Gallen ans Kunstmuseum Winterthur, linke Diskurse und Männerpalaver. Und eine Schlange.

Die Bilder zum Titelthema sind von Ladina Bischof.

Heute schon geübt? Tonleitern, Griffe, Rhythmen, Koloraturen? Musikmachen ist grossartig. Und anstrengend. Wer es, zumal in der Klassik, aber auch
auf der E-Gitarre, auf einen einigermassen grünen Zweig bringen will, der muss üben üben üben. Auf Knopfdruck geht da nichts. Zum Glück. Denn Musikmachen ist vor allem dies: Ich und mein Instrument. Hier und jetzt. Analog. Und miteinander.

Die Bildstrecke in unserem Titelthema erzählt von dieser Faszination. Sie erzählt ohne Worte von der Präsenz und Intensität des gemeinsamen Musizierens. Ladina Bischof konnte bei der Generalprobe des Jugendorchesters Thurgau in Arbon fotografieren, einige Stunden vor dem Konzert mit einem anspruchsvollen Beethoven-Programm.

Berthold Seliger, der deutsche Publizist und Rockspezialist, erzählt in seinem dieser Tage erscheinenden Buch Klassikkampf andere Geschichten.
 Er rechnet mit aufklärerischem Furor ab mit einem Klassikbetrieb, der auf mehrheitstaugliche Events, auf den Konsum repräsentativer Werke, auf die Zementierung eines gesellschaftlichen Eliteverständnisses ausgerichtet ist. Und damit weder die Vielfalt der Gesellschaft abbildet noch dem anspruchsvollen Gehalt der Werke gerecht wird. Auf die «Systemkrise» der Klassik unter den Bedingungen des neoliberalen Markts antwortet Seliger mit einem erneuerten, widerständigen Klassikbegriff. Er plädiert dabei gegen den Zeitgeist
für eine harte Unterscheidung von E- und U-Kultur. Und für die Förderung der musischen Bildung auf allen Ebenen und für alle Schichten.

Wir nehmen das Erscheinen des Buchs und eine begleitende Veranstaltungsreihe im St.Galler Musiklokal Palace zum Anlass, nach der Lage der Klassik hierzulande zu fragen – insbesondere danach, ob und wie Kinder und Jugendliche den Weg zur klassischen Musik finden und wie es um die zeitgenössische Klassik steht. Neben den Lokalterminen und Porträts zwischen Thurgau, St.Gallen und Appenzell schlägt der frühere Opernimpresario Michael Schindhelm im Interview die grossen Bögen zwischen E und U, Europa und China, Musik und Politik.

Am Ende ist dies vermutlich das eigentlich «Revolutionäre» an der als bürgerlich verschrieenen Klassik: dass sie das Hören schärft, die Sinne
öffnet statt verstopft und damit den Menschen ein bisschen freier macht. Grosse Worte… Heute schon geübt?

Ausserdem im Heft: Bücherherbst, das Interview mit Koni Bitterli
nach dem Wechsel von St.Gallen ans Kunstmuseum Winterthur, linke Diskurse und Männerpalaver. Und eine Schlange.

Peter Surber

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen

Reaktionen
Redeplatz 
mit Gilberto Zappatini
Stimmrecht von Gülistan Aslan
Herr Sutter sorgt sich… von Bernhard Thöny
Evil Dad von Marcel Müller
Blickwinkel von huber.huber

Klassik

«Klassikkampf»
Die Sache der ernsten Musik ist es wert, für sie zu kämpfen.
von Berthold Seliger

Ein Buch schlägt Alarm
Berthold Seligers Idealbild der musischen Bildung hat es in sich.
von Peter Surber

Zauberformel J+M
Wie bringt man die Jungen zur Klassik? Und nützt der neue Verfassungartikel Jugend und Musik etwas?
von Peter Surber

Vom Klassik-Virus gepackt
Der Hornist und die Geigerin: Zwei junge Ostschweizer spielen (fast) ganz oben mit.
von Bettina Kugler

Abwehrschlacht von der Felsenburg
Michael Schindhelm über bedrohte paradiesische Verhältnisse im Klassikbetrieb.
von Claudio Bucher

«Man kann dem Panda nicht vorwerfen, dass er am Aussterben ist»
Zeitgenössische Klassik – ein Fall für Eingeweihte? Vier Antworten.

Für das Titelthema fotografierte Ladina Bischof an der Generalprobe des Jugendorchesters Thurgau.

Perspektiven

Flaschenpost aus Taiwan
von Benjamin Ryser

Eine neue Ökologie:
Aktivist und Philosoph Thomas Seibert im Gespräch.
von Michael Felix Grieder

Kultur geht baden:
Die Luzerner Finanzpolitik bedroht die freie Szene.
von Hans Stutz

Kultur

Der neue Direktor des Kunstmuseums Winterthur Koni Bitterli im Gespräch.
von Giulia Bernardi

Wils Jugend will ein Jugendhaus.
von Bettina Scheiflinger

Wundersam:
 Christine Fischers neues Buch Der Zweifel, der Jubel, das Staunen.
von Peter Surber

Andrea Gersters Roman Alex und Nelli: eine Liebesgeschichte?
von Gallus Frei-Tomic

Vom hohen Himmel und von fremden Zimmern: neue Gedichtbände von Jürg Beeler und Jochen Kelter.
von Rainer Stöckli

Der St.Galler Wassily (Dachs) veröffentlicht sein Debutalbum Liebesding.
von Adrian Hoenicke


Wie ich die Novelle Der Schimmelreiter kennenlernte.
von Florian Vetsch

Kulturparcours – quer durch die Ostschweiz

Mixologie
von Niklaus Reichle und Philipp Grob

Am Schalter im Oktober: Die Halle

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Kreuzweiseworte
Pfahlbauer
Boulevard

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