, 30. Juni 2016
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Im Sommer: Saiten schluckt alles

Ein Bierheft. Obergärig, gestopft und doppelt gehopft. Ausserdem: Kultursommer, AKW-Gegner, Kinderpsychiatrie. Und sterbende Schwäne.

Die Bilder zum Titelthema hat Ladina Bischof gemacht.

Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie es zu Zeiten des Bierkartells gewesen sein muss, als die Schweiz noch in zehn Distrikte eingeteilt war und man nur das trinken konnte, was in der jeweiligen Region erhältlich war. Mittlerweile herrscht Vielfalt, auch wenn der Konsum rückläufig ist. Der Biermarkt ist jedenfalls ziemlich beschwingt: Im letzten Jahrzehnt sind in der Schweiz mehrere Hundert Klein- und Mikrobrauereien regelrecht aus dem Boden geschossen, und statt immer nur Lager trinkt man heute auch Pale Ale und Stout.

Nicht alle natürlich. Ich zum Beispiel mag das Bier weder zu süss noch zu
 bitter und am liebsten den ganzen Abend dasselbe, mit wenigen Ausnahmen. Jetzt sowieso, wo der Sommer endlich da ist, wo alle verreisen und die Festivalitis wieder grassiert, dieser Trost der Daheimgebliebenen. Bald werden die Nächte wieder ein einziges Getaumel, von Fest zu Fest und von Chlösti zu Quölli, weil man sich wahlweise entweder die Gesellschaft, das Wetter oder die Sommerfigur schönsaufen muss.

Zum Glück hab ich ein Sixpack.
 Das lässt man gerade noch durchgehen bei der Openair-Eingangskontrolle, denn im Sittertobel gilt bekanntlich die 3-Liter-Regel. Wer mehr braucht, muss zum Beizenpreis tanken. Und Schüga trinken, was den Juso nicht passt. Wieso die Einheimischen nehmen, wo es doch so viele Auswärtige gibt, könnte man sagen … und davon gibts massig: sympathische und andere, exotische und vertrautere, dunklere und hellere, oder mit anderen Worten: Biertechnisch wird hierzulande echte Vielfalt gelebt, wird Neues probiert und vieles gewagt – anders, als wenn es um Menschen geht.

Allein in der Ostschweiz gibt es derzeit über 50 Brauereien, wie unser Bierindex zeigt. Diese Zahl allein wäre schon Anlass genug für ein bierseliges Heft, und wenn man die drittschönste Nebensache der Welt auch noch mit der Arbeit verbinden kann, dann sowieso, schliesslich heisst es überall, dass Synergien zu nutzen sind – Frédéric Zwicker zeigt das exemplarisch in seinem berauschten Beitrag.

Dank unserer Degustation mit drei einheimischen Brauern durfte auch ich mich in Drunken Working üben, die Bilder dazu hat Ladina Bischof gemacht, und Gabi Gschwend sorgt für die beruhigende Erkenntnis, dass das Brauen eben doch nicht nur Männersache ist, nachzulesen auf Seite 23. Urs-Peter Zwingli versucht es topfnüchtern und Regine Rust von der Suchtfachstelle St.Gallen gibt Auskunft über den Rausch und die Suchtgefahr. Dazu passt vielleicht dieser Satz der belgischen Autorin Amélie Nothomb aus ihrem neuen Buch Die Kunst, Champagner zu trinken: «Einen Rausch sollte man nicht improvisieren. Sich zu betrinken ist eine Kunst, die Talent und Sorgfalt erfordert … »

Ausserdem im Heft: der Saiten-Sommerführer, illustriert von Luca van Grinsven und voll mit Tipps für allerlei kulturelle Pläusche in der Region, das grosse Interview zum 50-Jahr-Jubiläum
der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St.Gallen und die Hintergründe zur Ostschweizer Anti-Atomkraft-Bewegung.

Volle Gönnung also. Aber das muss auch reichen bis Anfang September, denn in den kommenden Wochen trifft man Saiten, wenn überhaupt, nur biertrinkend in der Hängematte. Oder online natürlich. Hebed eu Sorg und auf bald!

Corinne Riedener

 

 

Der Inhalt:

 

Reaktionen/Positionen

Blickwinkel von Tamara Janes
Stadtpunkt von Dani Fels
Erbsenzählen
Redeplatz
 mit Martin Schmidt
Nachruf auf Hans Eberhard

 

Unser Bier

Delirium Tremens
Sechs Männer, zehn Biere, ein Plättli: Degustieren mit Profis.
von Corinne Riedener

Ein Prost auf Jaromir
Gabi Gschwend und ihre Störbrauerei.
von Frédéric Zwicker

Pfütze mit Granatapfelgeschmack
Ein Plädoyer für alkoholfreies Bier.
von Urs-Peter Zwingli

«Kleinbrauereien beleben die Szene»
Schützengarten-CEO Reto Preisig im Interview.
von Corinne Riedener

Professionelles Promille-Pauken
Schreiben im Rausch.
von Frédéric Zwicker

Risikokompetenz ist ihr Bier
Fragen an die St.Galler Suchtfachstelle.
von Peter Surber

Die Bilder zum Titelthema hat Ladina Bischof gemacht.

 

Perspektiven

Flaschenpost
 aus Bergen von Timo Posselt
Appenzell Ausserrhoden
Toggenburg
Rheintal
Stimmrecht von Yonas Gebrehiwet

 

Ressourcen statt Reparatur

Das Gespräch zum 50-Jahr-Jubiläum der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St.Gallen.
von Peter Surber

 

A-tomkraft gleich B-Drohung

Die Ostschweizer Anti-AKW-Bewegung.
von Esther Meier

 

#Saitenfährtein: Rapperswil-Jona

Teil sechs unserer Besuche in der Agglo rund um Gross-St.Gallen.
von Peter Surber und Corinne Riedener

 

Kultursommer 2016

Ausgewähltes aus Musik, Literatur, Kino, Kunst & Co.

Den Sommerführer hat Luca van Grinsven illustriert.

 

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Charles Pfahlbauer jr.
Boulevard

Impressum

Herausgeber:

 

Verein Saiten
Frongartenstrasse 9
Postfach 556
9004 St. Gallen

 

Telefon: +41 71 222 30 66

 

Redaktion

Corinne Riedener, Peter Surber, Julia Kubik

redaktion@saiten.ch

 

Verlag/Anzeigen

Marc Jenny, Philip Stuber

verlag@saiten.ch

 

Anzeigentarife

siehe Mediadaten

 

Sekretariat

Irene Brodbeck

sekretariat@saiten.ch

 

Kalender

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kalender@saiten.ch

 

Gestaltung

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grafik@saiten.ch

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