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Im zweiten Anlauf: Kantonsrat sagt Ja zu Minasa 

Der Kantonsrat während der Sommersession 2026. (Bild: Benjamin Manser/St.Galler Tagblatt)

Der Kantonsrat während der Sommersession 2026. (Bild: Benjamin Manser/St.Galler Tagblatt)

Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.

Im zwei­ten An­lauf hat es ge­klappt: Der St.Gal­ler Kan­tons­rat hat am Diens­tag dem Lot­te­rie­fonds­bei­trag von 195’000 Fran­ken für die Pe­ri­ode 2026 bis 2028 an das Ka­len­der­pro­jekt Mi­na­sa zu­ge­stimmt. Vor ei­nem hal­ben Jahr, an der Win­ter­ses­si­on im De­zem­ber, hat­te die bür­ger­li­che Mehr­heit ei­nen Strei­chungs­an­trag der SVP-Frak­ti­on an­ge­nom­men. Nun muss­te das Par­la­ment an der Som­mer­ses­si­on er­neut die halb­jähr­li­che Lot­te­rie­fonds­bot­schaft be­ra­ten – und der Bei­trag an Mi­na­sa war wie­der drin. 

Es sei aus­ser­ge­wöhn­lich, dass die Re­gie­rung das glei­che Ge­such in­ner­halb so kur­zer Zeit dem Rat er­neut vor­ge­legt ha­be, sag­te Re­gie­rungs­prä­si­den­tin Lau­ra Bucher ge­gen En­de der De­bat­te. Ih­re Vor­red­ner hät­ten je­doch be­reits auf­ge­zeigt, was sich in der Zwi­schen­zeit ge­tan ha­be. Die Kul­tur­mi­nis­te­rin be­zog sich dar­auf, dass Mi­na­sa nicht mehr an Sai­ten an­ge­glie­dert ist, son­dern ei­nen ei­gen­stän­di­gen Trä­ger­ver­ein hat. 

Den­noch hat­te die SVP-Frak­ti­on er­neut ei­nen Strei­chungs­an­trag ein­ge­reicht. Dies­mal bleib sie je­doch chan­cen­los: Mit 73 Nein- zu 39 Ja-Stim­men bei zwei Ent­hal­tun­gen (Mar­tin Stöck­ling und Jens Jä­ger, bei­de FDP) schick­te der Rat den An­trag bach­ab. Sämt­li­che Ja-Stim­men ka­men aus Rei­hen der SVP-Frak­ti­on, die ihn – bis auf die Gos­sau­er Stadt­rä­tin Clau­dia Mar­tin – ge­schlos­sen an­nahm.  

Falsch­aus­sa­gen wi­der bes­se­res Wis­sen 

Ivan Lou­is be­grün­de­te den er­neu­ten Strei­chungs­an­trag da­mit, dass drei der vier Ar­gu­men­te für die Ab­leh­nung vor ei­nem hal­ben Jahr im­mer noch gül­tig sei­en. Zwar sei die «po­ten­zi­el­le Quer­fi­nan­zie­rung» von Sai­ten durch die Aus­glie­de­rung von Mi­na­sa nicht mehr ge­ge­ben. Das Po­ten­zi­al ei­ner Wett­be­werbs­ver­zer­rung blei­be je­doch, der Bei­trag aus dem Lot­te­rie­fonds an Mi­na­sa wir­ke «in­no­va­ti­ons­hem­mend». Dem­zu­fol­ge blei­be auch die Kon­kur­ren­zie­rung pri­va­ter Markt­teil­neh­mer:in­nen, die es durch­aus ge­be, be­stehen. 

Aus­ser­dem hand­le es sich be­reits um den drit­ten Bei­trag aus dem Lot­te­rie­fonds, kri­ti­sier­te Lou­is. Der Ness­lau­er zi­tier­te aus der Lot­te­rie­fonds­bot­schaft von 2023, wo­nach der Be­trieb von Mi­na­sa durch ei­ne drei­jäh­ri­ge Start-up-Fi­nan­zie­rung er­mög­licht wer­den soll­te – ei­ne Falsch­aus­sa­ge, die er be­reits in der Win­ter­ses­si­on ge­tä­tigt hat­te und nun wi­der bes­se­res Wis­sen wie­der­hol­te. Rich­tig ist, dass es sich bei den Lot­te­rie­fonds­bei­trä­gen an Mi­na­sa nie um ei­ne ein­ma­li­ge An­schub­fi­nan­zie­rung han­del­te, son­dern im­mer da­von die Re­de war, dass der Auf­bau des Pro­jekts über meh­re­re Jah­re dau­ern wür­de. 

Die­se Start-up-Fi­nan­zie­rung ha­be da­zu die­nen sol­len, die pas­sen­den Struk­tu­ren für ei­nen lang­fris­ti­gen Be­trieb zu fes­ti­gen so­wie ge­mein­sam mit den Stake­hol­dern die nach­hal­ti­ge Fi­nan­zie­rung si­cher­zu­stel­len, zi­tier­te Lou­is wei­ter. Zu den Stake­hol­dern ge­hört im We­sent­li­chen auch der Kan­ton St.Gal­len – auch des­halb, weil Mi­na­sa ein Ser­vice pu­blic ist. Die in der Lot­te­rie­fonds­bot­schaft 2023 er­wähn­te an­schlies­sen­de Ein­glie­de­rung in ei­ne re­gu­lä­re Fi­nan­zie­rung sei für die SVP-Fak­ti­on «ei­ne pri­va­te Fi­nan­zie­rung, nicht ei­ne öf­fent­li­che Fi­nan­zie­rung». Des­we­gen be­an­tra­ge die Frak­ti­on die Strei­chung des Bei­trags. 

FDP-Frak­ti­ons­prä­si­dent Ra­phel Frei stell­te eben­falls in­fra­ge, ob Mi­na­sa mit­tel­fris­tig aus dem Kan­tons­haus­halt un­ter­stützt wer­den soll – «dar­über kann man dis­ku­tie­ren». Sei­ne Frak­ti­on, die der SVP vor ei­nem hal­ben Jahr noch mehr­heit­lich die Stan­ge ge­hal­ten und so erst für die nö­ti­ge Mehr­heit ge­sorgt hat­te, schwenk­te dies­mal in der kon­kre­ten Fra­ge der Un­ter­stüt­zung von Mi­na­sa aber um. Der wich­tigs­te Kri­tik­punkt sei in­zwi­schen aus­ge­räumt, sag­te Frei: kei­ne Ver­knüp­fung von Mi­na­sa mit Sai­ten, «son­dern Un­ab­hän­gig­keit, da­mit es kei­ne ver­deck­te Me­di­en­för­de­rung gibt». Dies sei nun ge­währ­leis­tet. Des­halb kön­ne die FDP-Frak­ti­on dem An­trag der SVP-Frak­ti­on nicht mehr fol­gen. 

Auch bei der Mit­te-EVP-Frak­ti­on gab es für die SVP dies­mal kei­ne Ja-Stim­men für den Strei­chungs­an­trag zu ho­len. Phil­ipp Eg­ger (Mit­te) ver­wies eben­falls dar­auf, dass die Trä­ger­schaft in­zwi­schen «mass­geb­lich wei­ter­ent­wi­ckelt wor­den» und der neue Ver­ein un­ab­hän­gig sei. Dar­über hin­aus sei die­ser Ka­len­der nicht nur für Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen re­le­vant, son­dern auch für die Ver­ei­ne, die so ei­ne gros­se Reich­wei­te für ih­re Ak­ti­vi­tä­ten er­lan­gen, et­wa auch re­gio­na­le Wo­chen­märk­te. 

Kri­tik am Vor­ge­hen der SVP-Frak­ti­on 

Da­rio Sul­zer (SP) zeig­te sich vom Vor­ge­hen der SVP-Frak­ti­on ir­ri­tiert. Stö­rend sei nicht, dass sie den Strei­chungs­an­trag zum zwei­ten Mal ge­stellt ha­be, son­dern dass er zum zwei­ten Mal nicht in der Fi­nanz­kom­mis­si­on ge­stellt wor­den sei und dort dis­ku­tiert wer­den konn­te. «Das ist wirk­lich ein Un­ding, wenn wir hier zu je­dem Bei­trag ei­ne De­tail­dis­kus­si­on füh­ren wol­len. Die­se Ar­beit soll­te in der Kom­mis­si­on pas­sie­ren», so der SP-Grü­ne-GLP-Frak­ti­ons­prä­si­dent. 

Auch Sul­zer be­grüss­te, dass für Mi­na­sa ein neu­er, un­ab­hän­gi­ger Trä­ger­ver­ein ge­grün­det wor­den sei. Die nun vor­ge­se­he­ne Fi­nan­zie­rung bis 2028 die­ne da­zu, ei­ne funk­tio­nie­ren­de und ko­or­di­nier­te In­fra­struk­tur für Ver­an­stal­tungs­da­ten in der Ost­schweiz si­cher­zu­stel­len. Die Zah­len sei­en be­ein­dru­ckend: Rund 1500 In­sti­tu­tio­nen, Ver­ei­ne und Ver­an­stal­ten­de wür­den jähr­lich rund 80’000 Ter­mi­ne ein­ge­ben, da­von pro­fi­tier­ten wie­der­um Ge­mein­den, Tou­ris­mus­or­ga­ni­sa­tio­nen, Me­di­en, aber auch re­gio­na­len Kul­tur­för­der­insti­tu­tio­nen. «Wenn es Mi­na­sa nicht mehr gä­be, wür­de die­ses gan­ze Sys­tem aus­ein­an­der­fal­len. Das wol­len wir nicht», so Sul­zer. Viel­mehr sol­le wei­ter ei­ner brei­ten Be­völ­ke­rung der Zu­gang zu ei­nem brei­ten Ver­an­stal­tungs­an­ge­bot er­mög­licht wer­den. 

 «Wenn es Mi­na­sa nicht mehr gä­be, wür­de die­ses gan­ze Sys­tem aus­ein­an­der­fal­len.»

Dario Sulzer, Kantonsrat SP

Mar­tin Sai­ler (SP), der im Tog­gen­burg das Klein­thea­ter Zel­tai­ner be­treibt und der­zeit ei­nen Neu­bau in Wild­haus plant, be­ton­te eben­falls die Wich­tig­keit von Mi­na­sa. Es ver­ein­fa­che das Le­ben von Ver­an­stal­ten­den un­ge­mein. «Wer al­le Ver­ant­wor­tung auf den Markt ab­tritt, ver­klärt die Rea­li­tät», sag­te Sai­ler. Ein sol­cher «Gross-Ver­an­stal­tungs­ka­len­der» kön­ne nicht oh­ne öf­fent­li­che Gel­der aus­kom­men, denn er über­neh­me ei­ne wich­ti­ge Auf­ga­be: die Ver­mitt­lung der Da­ten an die Be­völ­ke­rung. Es sei klar, dass das kos­te, eben­so die vie­len Ein­trä­ge zu re­di­gie­ren. Ein selbst­tra­gen­der Be­trieb wä­re ge­mäss Sai­ler nur mit wahn­sin­nig viel Spon­so­ren­gel­dern oder mit Ge­büh­ren für das Er­fas­sen der Ver­an­stal­tun­gen mög­lich. Letz­te­res hät­te zur Fol­ge, dass nie­mand mehr die An­läs­se ein­tra­gen wür­de. 

Bis­he­ri­ge In­ves­ti­tio­nen wä­ren ver­ge­bens ge­we­sen

Re­gie­rungs­prä­si­den­tin Lau­ra Bucher griff zum Schluss noch zwei Ar­gu­men­te der SVP-Frak­ti­on auf: Zum ei­nen äus­ser­te sie sich zur an­geb­li­chen Wett­be­werbs­ver­zer­rung. «Wer so et­was sagt, hat ein­fach nicht ver­stan­den, wor­um es bei Mi­na­sa geht», so die Kul­tur­mi­nis­te­rin. Die SVP ha­be sich wohl zu we­nig mit dem Pro­jekt be­fasst. Ein An­ge­bot wie Mi­na­sa ge­be es auf dem Markt gar nicht, es sei auch nicht ver­gleich­bar mit an­de­ren Diens­ten. Des­halb kön­ne «in kei­ner Wei­se» von ei­ner Markt­ver­zer­rung die Re­de sein. 

«Wer so et­was sagt, hat ein­fach nicht ver­stan­den, wor­um es bei Mi­na­sa geht.»

Laura Bucher, St.Galler Regierungspräsidentin

Zum an­de­ren kam Bucher auf die Be­haup­tung zu spre­chen, es hand­le sich um ei­ne wie­der­hol­te Fi­nan­zie­rung der­sel­ben tech­ni­schen Ent­wick­lung. Auch das sei nicht kor­rekt: «Wir be­fin­den uns in der drit­ten von drei un­ter­schied­li­chen För­der­pha­sen.» Die ers­te Pha­se sei die Ent­wick­lung der tech­ni­schen In­fra­struk­tur ge­we­sen, die zwei­te die Markt­ein­füh­rung und der Be­triebs­auf­bau. In der drit­ten Pha­se ge­he es nun um die «Kon­so­li­die­rung und Ver­ste­ti­gung des Be­triebs­mo­dells». Und um die­se Pha­se ge­he es bei der ak­tu­el­len Ein­ga­be im Lot­te­rie­fonds. Die be­an­trag­ten Mit­tel sei­en al­so nicht et­wa für die Soft­ware-Ent­wick­lung vor­ge­se­hen, son­dern für Be­trieb, Ver­net­zung, Ak­qui­se, Qua­li­täts­si­che­rung und Wei­ter­ent­wick­lung. 

Die SVP-Frak­ti­on ha­be in­so­fern Recht, als der Kan­ton «sub­stan­zi­el­le Mit­tel» in die Ent­wick­lung und Eta­blie­rung von Mi­na­sa in­ves­tiert ha­be, sag­te Bucher. Ein Ab­bruch der Un­ter­stüt­zung zum jet­zi­gen Zeit­punkt wür­de aber die bis­he­ri­gen In­ves­ti­tio­nen ent­wer­ten. Die ak­tu­el­le För­de­rung die­ne ei­ner nach­hal­ti­gen Si­che­rung ei­nes be­reits auf­ge­bau­ten, kan­tons­über­grei­fend ge­nutz­ten Kul­tur­ver­mitt­lungs­in­stru­ments, das von sehr vie­len klei­nen und gros­sen Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen und Ver­ei­nen, aber auch von den re­gio­na­len Kul­tur­för­der­or­ga­ni­sa­tio­nen so­wie vie­len mehr als sehr wich­tig, ja un­ver­zicht­bar ge­schätzt wer­de. 

Das sah schliess­lich auch die Mehr­heit des Kan­tons­rats so – und kor­ri­gier­te mit ih­rer Ab­leh­nung des Strei­chungs­an­trags der SVP-Frak­ti­on be­zie­hungs­wei­se der An­nah­me der Lot­te­rie­fonds­bot­schaft ih­ren Ent­scheid von vor ei­nem hal­ben Jahr. Man darf ja aus Feh­lern ler­nen. 

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