, 1. September 2021
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In der Klangwirtschaftszone

Süsser die Schopfe nie klingen: Zum dritten Mal trifft sich die musikalische Avantgarde im Gaiser Hochmoor. Festivaleröffnung ist am Donnerstag.

Ryoichi Kurokawa wirkt in Schopf #1. (Bilder: Markus Wicki)

Bald winden sich in der Moorlandschaft bei Gais wieder endemische Gewächse an den Hängen, audiovisuelle Auswüchse, die es aber nur kurz zu bewundern gibt. Zehn Tage dauert diese Blütezeit, vom 2. bis 12. September, danach ist das fragile Ökosystem am Fuss des Hirschbergs wieder sich selbst und den Einheimischen überlassen.

Kontrabassist und Klangtüftler Patrick Kessler, der Erfinder der «Klang Moor Schopfe», der am Hang gegenüber wohnt, hat auch für die dritte Ausgabe des Festivals avantgardistische Musiker:innen von nah und fern aufgetrieben, die den Hütten zeitgenössisches Klangleben einhauchen. Die zwölf Schopfe werden zu Avant-Gaden, die landwirtschaftliche wird zur klangwirtschaftlichen Zone.

Das Konzept: Die eingeladenen Künstler:innen entwickeln im Sinn einer Carte Blanche in je einem Schopf eine Klanginstallation, das Publikum erwandert dann in einem rund zweistündigen Rundgang die ortspezifischen Werke. Erweitert und vertieft werden die «Klang Moor Schopfe» mit Live-Performances, Artist Talks, einer Videonacht, Podcasts und Sound Walks.

Von weiter her kommen zum Beispiel Ryoichi Kurokawa (Schopf #1), Rie Nakajima (Schopf #5) oder Billy Roisz (Schopf #3). Ryoichi Kurokawa ist ein Pionier der digitalen audiovisuellen Kunst. Field Recordings und rekonstruierte Strukturen verbindet er zu dreidimensionalen «Zeitskulpturen».

Auch Billy Roisz arbeitet an der Schnittstelle von Bild und Ton, sucht Verbindungen und Lücken zwischen visueller und auditiver Wahrnehmung. Rie Nakajima hingegen erzeugt Klang mit präparierten Alltagsobjekten und kinetischen Geräten.

Klang Moor Schopfe – Biennales Festival für audiovisuelle Kunst:
2. bis 12. September, Hochmoor Gais AR

klangmoorschopfe.ch

In Schopf #8 wirkt der Zürcher Künstler, ETH-Forscher und Komponist Marcus Maeder. Er lässt Natur- und Klimaphänomene ertönen. Schräg gegenüber (Schopf #9) erkundet der Berner Schlagzeuger und Perkussionist Julian Sartorius die Klangwelt vorgefundener Objekte, und im Schopf #11 haust gleich ein ganzes Kollektiv: A Frei & Franziska Koch (OOR Saloon) sowie Nelson Irsapoullé, Tracy September und Vivian Wang. Dort geht es um relationales und situiertes Zuhören, dekoloniale und queerfeministische Soundpraxen.

Eröffnet wird das Festival mit einem Konzert von Barry Guy. Der in der Ostschweiz lebende britische Musiker zählt international zu den innovativsten Kontrabassisten und Komponisten. Geschlossen wird es mit einem Live-Remix von Norient-Kurator Philipp Rhensius (Schopf #14), gewonnen aus dem Soundmaterial der Podcasts, die er während des Festivals über die Klanginstallationen und die Künstler:innen produziert.

In Schopf #4: Carsten Nicolai (Alva Noto) & Albert Oehlen

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