Der Pavillon gibt sich geheimnisvoll an diesem Prachts-Sonntagabend: Ein schwerer Vorhang hindert den Blick ins Innere. Ist man durch, geht eine Wunderwelt auf. Glitzernde Fäden mit kurligen Figürchen baumeln von der Decke herunter, bunte Nanas posieren auf Podesten, ein Baldachin weckt orientalische Assoziationen, andere Objekte katapultieren die Fantasie in den Weltraum, ein UFO schwebt über wurmlochartigen Auswüchsen.
Die Wände schwarz, die Objekte und Besucher-Eindringlinge schillernd im UV-Licht, der Plastikboden knackt unter den Schritten: Es ist ein Kindertraum, eine Zauberlaterne, in die Miriam Schöb den Frauenpavillon verwandelt hat. Wer eintritt, staunt, wer hinausgeht, trägt ein Lachen im Gesicht – Schöbs Installation hat die seltene Gabe, aus uns für einen Moment etwas bessere oder zumindest heiter erfüllte Menschen zu machen.
Jeweils in den Ferien stellt die Betreiberinnengruppe den Pavillon einer Künstlerin als Atelier zur Verfügung. Die «carte blanche» wird unterschiedlich genutzt – die Zeichnerin Lika Nüssli etwa verwandelte den Ort vor vier Jahren in ein Tattoo-Studio. Miriam Schöb, Jahrgang 1998, hat die Chance ebenfalls gepackt und gearbeitet wie wild.
Ihr Skulpturen- und Bilderpanorama hätte eine längere Ausstellungsdauer verdient als die dreistündige Vernissage-Finissage vom Sonntagabend. Das sei organisatorisch aber nicht möglich und von Beginn weg so fixiert gewesen, erklären Nadia Veronese und Claudia Tobler vom Pavillon-Team. Das kreative Arbeiten soll die Hauptsache sein, das Ergebnis ist für einmal zwar wichtig, aber flüchtig.
Der Pavillon ist gefragt; in den Sommermonaten (im Winter ist es zu kalt) finden meist mehrere öffentliche Veranstaltungen pro Woche statt. Seit 23 Jahren, eine bemerkenswerte Konstanz, ist das klassizistische Gebäude mit seinem Säulen-Vorbau als Frauenpavillon in Betrieb. Sie schätze ihn als kleinen, unscheinbaren Freiraum für vielfältige Aktivitäten ohne kommerzielle Absicht, sagt Claudia Tobler – in Gang gehalten mit kleinem Budget und viel Freiwilligenarbeit. Und mit der klaren Haltung, aus dem Stadtpark keinen Rummelplatz machen zu wollen.
Ein Lob also auf die unspektakuläre Kultur-Humusarbeit, wie sie hier geleistet wird. Und Pech für alle, die das offene Atelier und die Kurzzeit-Ausstellung von Miriam Schöb verpasst haben.
Miriam Schöb. (Bild: Museumsnacht)
Hören wird man von ihr aber mit Sicherheit wieder. Die Künstlerin und Slammerin, Absolventin des Vorkurses an der Schule für Gestaltung, Mitglied des Kunstkiosks und Zeichnerin der Nach-68er-Utopien im Maiheft von Saiten, beginnt im Herbst ein Studium für Kunst und Vermittlung in Luzern. Vorher tritt sie nochmal im Frauenpavillon auf: mit einer Slam-Performance an der Museumsnacht vom 8.September um 19 Uhr.
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
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Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
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«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
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