, 8. Dezember 2018
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Innensicht: Der Bauhauszeuge

Restaurants haben nicht nur ein kulinarisches, sondern auch ein architektonisches Innenleben. Bemerkenswerte historische oder heutige Interieurs in der Stadt St.Gallen stellt die Rubrik «Innensicht» vor, eine Kooperation der Heimatschutz-Sektion St.Gallen/Appenzell I.Rh. mit Saiten. Heute: Dreilinden.

Dreiweieren, das sind Mannenweiher, Bubenweiher und Familienbad. Das war nicht immer so. Die Liegewiese des Familienbads war ein vierter Weiher. Dort stand die Mädchenbadeanstalt und daneben – zwar bloss als Provisorium bewilligt – ein «Milchhüsli», das der «Verband der städtischen Abstinenten-Vereine» betrieb. Und so wissen wir, warum der populäre Kiosk zwischen Mannen- und Bubenweiher gleich heisst. Ausgeschenkt wurden Süssmost und Milch. Laktoseintoleranz war damals noch keine Volkskrankheit.

Der Betrieb am Milchhüsli war offensichtlich so gross, dass die Ortsbürgergemeinde 1931 ein Baugesuch für eine Konditorei mit Café, Laden und Sitzungszimmer einreichte. Bäcker Tanner war von Anfang an als Betreiber vorgesehen. Architekt Carl Adolf Lang war dem vom Bauhaus geprägten Zeitgeist gewogen. Die Form
des Hauses mit seiner Rundung gegen Westen und das weit auskragende Dach erinnern an ein Schiff. Diese Architektursprache findet sich auch in anderen Badeanstalt-Gebäuden jener Zeit: in Arbon, Heiden oder Biel.

Dreilindenstrasse 42,
071 245 15 30,
restaurant-dreilinden.ch

30 Jahre nach dem Bau kauft die Stadt im Februar 1963 das Haus für 320’000 Franken. Kaum gekauft, wird es für weitere 213’000 Franken saniert und fürs Restaurant neues Mobiliar angeschafft. Doch Dreilinden kommt als Restaurant nicht richtig in Fahrt. 1982 schliesst es und die Sechszimmerwohnung im Obergeschoss wird zum Masters Tonstudio. Dieses Nebeneinander dauert knapp zehn Jahre. Dann kündigt die Stadt den Vertrag, weil Tonstudio und Restaurant sich nicht vereinbaren liessen und das Lokal zu oft geschlossen war.

1991 wird es mit dem Zusatz «Akropolis» wieder eröffnet, doch bald verschwindet dieser Name wieder, und der grosse Restaurantraum findet zu seinen Ursprüngen und den 1962 vorgenommenen Veränderungen zurück. Ein Raum wie ein Schi sbauch mit profilierter Täferung, Fenstern mit originalen Beschlägen, klassi- schen Restaurantstühlen, Heizkörperabdeckungen, und sogar der Lautsprecher unter der Decke ist erhalten. Der Saal und das Office im Eingangsbereich dagegen sind ein Tribut an die Rationalisierung der Gastronomie.

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