Der Geschmack von Peterli ist wenig spektakulär. Krautig? Oder ist grünlich eine Geschmacksrichtung? Wenn ja, dann wäre das wohl das passende Wort.
Den Geruch dieses Kräutleins kann ich nicht neutral beurteilen, weil mein Grossvater, der sonst ausschliesslich der chemischen Pharmazie vertraute, es in seinen alten Tagen in grossen Mengen ausgekocht als Tee gegen seine Gichthände getrunken hat. In den Grosseltern-Räumen hing dieser Geruch satt in der Luft, zumindest brachte ich ihn mit dem Kraut in Verbindung. Nicht nur grün und frisch, sondern auch etwas Abgestandenes und Mufffiges schwingt seither mit.
Petroselinum crispum.
Sein Namenspatron war immerhin der erste Papst. Vielleicht diente es einst zur Würze von gebratenen Hähnen. Heute ist es zur Deko verkommen, gewiss: Dekorativ ist es, besonders die krause Art, ob es nun auf dem Canapé halb im Sulz eingesunken ist oder auf dem warmen Schnitzel vor sich her welkt. Im Gegensatz zu süssen Beeren, die es geschafft haben, auch pikate Speisen zu zieren, oft wegen der Säure durchaus passend, hat das Peterli nie einen Platz auf Süssspeisen gefunden, trotz dekorativer Erscheinung. Das bleibt der Pfefferminze vorbehalten.
Seit einem halben Jahr besitze ich eine manuelle Hackmaschine. Sie sieht aus wie eine kleine Salatschleuder, nur anstelle eines Korbs drehen sich im zylinderförmigen transparenten Behältnis Messer um die Mittelachse, wenn man an der Schnur zieht. Bisher bestand beim Kleinschneiden mit dem konventionellen Messer die Schwierigkeit, dass nur das gekräuselte Kraut klein geschnitten werden konnte; die langen Stengel schmecken zwar stark nach Peterli, waren aber nur mühsam kleinzukriegen. Dank dem neuen Lieblingshaushaltsgerät lassen sich Kräuter mittels beherztem Ziehen an der sich automatisch zurückdrehenden Schnur in allen Teilen wirkungsvoll kleinschneiden.
Wie mans macht: Peterlipesto
Seither macht es richtig Freude, die Kräuter in grossen Mengen für ein Pesto zuzubereiten. Dieses lässt sich auch als Vorrat tieffrieren. Dazu ist es ratsam, schon einige Tage im Voraus einen Topf reichlich mit gutem Olivenöl zu befüllen und Zitronenzesten beizugeben. Dazu ist ein Gerät hilfreich, dessen Namen mir sehr seltsam und daher wunderbar erscheint: der Zestenreisser. Mit diesem wird die Zitronenschale in feine, aber zusammenhängende Streifen gerissen.
Zitrone und Peterli ist eine wunderbare Kombination, welche vielleicht schon von tätowierten und in schwarzen Kleidern steckenden Köchen zu einem Sorbet verarbeitet wurde, vielleicht um Schwartenmagen-Ravioli zu ergänzen, oder als Dessertbeilage zu Käse. Wer es sauer mag, nehme den Saft einer halben Zitrone und träufle ihn ins Olivenöl. Auch getrocknete Peterli lassen sich so im Voraus einlegen.
Ansonsten gebe ich jeweils die Peterli am Morgen des Nachtessens ins Zitronen- und Zestenöl. Jetzt kommen die klassischen Pestozutaten hinzu: Pinienkerne, wobei ich oft auch Zedernkerne verwende, nicht aus Feinschmeckerei, sondern weil ich für diese Kerne eine gute Quelle habe (gebana.ch), weiter grünen Pfeffer, manchmal passt auch roter, und als Variante einen Löffel voll Honig und dazu frische Chilistreifen. Beide dieser Variablen haben ihre Tücken: Wie lässt sich zäher Honig mit dem Öl vermengen? Für raffinierte Tricks wäre ich offen; ich behelfe mir mit zwei Löffeln, welche ich nutze, um sich gegenseitig abzustreifen unter schnellem Rühren in der Öl-Sauce.
Die Chilischoten halbiere ich (gerne mit Einweghandschuhen), wasche die unerträglich scharf erscheinenden Kerne unter fliessendem Wasser weg und verschneide die Schoten in nicht zu kleine Streifen, um denjenigen eine Chance zu geben, die die scharfen Teile wieder herausfischen wollen. Seit einiger Zeit kommen noch Rapssamen dazu; diese schwarzen kleinen Kerne sind vor allem eine haptische Bereicherung, sie fühlen sich im Mund wie Kaviar an, Kügelchen mit einer widerstandsfähigen Schale, die sich durchbeissen lässt, um dann im Innern ganz weich und sanft zu werden. Dass diese Kerne etwas Neumödiges sind und ganz leicht an all die Superfood-Hysterien um Chia etc. erinnern, lassen mich manchmal etwas zögern.
Kochen follows Wohnen
Diese Art der Pesto erinnert an den Klassiker der italienische Küche: Pasta Cinque Pi. Wobei nicht ganz klar ist, was dazu gehört: Panna (Rahm), Parmigiano (Parmesan), Pomodoro (Tomaten), Prezzemolo (Peterli) e Pepe (Pfeffer). Je nach Form der Teigwaren wären es mit den Penne gar 6 Pi. Aber bei meinem Rezept kommen lediglich quattro Pi vor: Peterli, Pfeffer, Parmesan und dann noch die Penne als Grundlage. Die Frage nach den richtigen Teigwaren ist ja weitläufig, sie betrifft die Form ebenso wie das verwendete Getreide. Weizen hat mittlerweile einen schlechten Ruf, also Dinkel? Oder glutenfrei aus Weizen? Bei mir sind es normale Hartweizengriess-Penne, nicht all zu weich gekocht.
Das Rezept hat sich an der derzeitigen Wohnsituation entwickelt. Der Gartensitzplatz war plötzlich ganz weit weg von der Küche. Dieses Rezept lässt sich mit kalten Nudeln als Nudelsalat ebenso realisieren wie warm in der Küche; bei der heissen Variante kommen einige Drehungen aus der Käsereibe hinzu, wenns nach mir ginge: Sbrinz. Je nach Zugabe von Käse oder eben nicht, kann etwas grobes Salz darüber gestreut werden. Und vielleicht nochmals etwas frische Peterli.
So wäre dann der Peterli dreifaltig angewendet, in ölig erweichter Konsistenz, einigermassen frisch und ganz frisch vorhanden, was einen Versuch darstellt, Peterli mit seinen umfassenden Qualitäten zu geniessen.
Ueli Vogt, 1965, ist gelernter Gärtner und Architekt. Er leitet das Zeughaus in Teufen.
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.