Wir teilen Bohrmaschinen, Autos und Büroräume inklusive Ausstattung. Das Teilen (oder Neudeutsch: Sharing) liegt im Trend. Die Vorteile leuchten ein. Warum soll sich ein Start-Up in einem teuren Bürokomplex einmieten, wenn es doch auch günstiger und kreativer geht? Ich denke, hier sind wir uns alle einig.
Seit Ende Juli können wir in St.Gallen auch elektrische Trottinette teilen. Den E-Scootern zum Ausleihen weht jedoch ein anderer Wind entgegen. Die Dinger sind unökologisch, sind Datenkraken, sind gefährlich und liegen überall in den Büschen. Und sie sind für die gepflasterten Gassen in der Stadt ungeeignet. So schimpft der Volksmund.
Aber woran liegt das? Es geht doch ums Teilen, und Teilen ist gut, da waren wir uns doch einig? Liegt es an den Bildern, die wir von anderen Städten kennen, oder daran, dass die Trottis ungewohnt sind und sie uns deshalb besonders auffallen? Warum stellen wir an Trotti höhere ökologische Ansprüche als an E-Bikes? Sind wir bereit, Trottis wie Bohrmaschinen zu teilen oder fürchten wir uns in unserer Fantasie davor, dass hunderte farbige Fahrzeuge unsere Stadt zustellen?
Nicht alle diese Fragen werden Ende November beantwortet werden können, die persönliche Wahrnehmung spielt dabei eine (zu) grosse Rolle. Zu den handfesten und messbaren Punkten werden die Stadt, die Stadtpolizei und der Anbieter VOI demnächst ihre Erfahrungen austauschen und entscheiden, wie es weitergeht.
Der Pilotversuch in St.Gallen mit den insgesamt 100 E-Scootern endet am 3. November. Das erklärte die Firma VOI am Dienstag einem «Presse Round Table» im Tibits. Der Anbieter zeigt sich bislang sehr zufrieden, zählte er doch bis Mitte Oktober schon mehr als 100’000 Ausleihen und nur eine handvoll Trottis, die abhanden gekommen sind. Damit bewegen wir uns auf Augenhöhe mit Winterthur und haben dank den Ostschweizer Tugenden bei den Verlusten für eine positive Überraschung gesorgt.
Noch steht die Stadt aber erst am Anfang. Entscheidet sie sich für eine längerfristige Bewilligung, will VOI als Anbieter vorwärtsmachen. Nachdem bereits im September die Zone auf den Rosenberg und die HSG ausgeweitet wurde, soll die Abdeckung der Stadt erweitert werden.
Und es sollen neue E-Scooter-Modelle zum Einsatz kommen. Die Reichweite der aktuellen Roller liegt bei 40 Kilometern. Die nächste Generation bewältigt dann eine Strecke von 50 Kilometern. Das kommt all jenen entgegen, die in der Agglomeration wohnen. Die von VOI registrierten Ausflüge nach Teufen und Arbon legen nämlich nahe, dass auch grössere Ausflüge machbar sind.
Das neue Modell «Voiager 2». (Bild: pd)
Bei Gebühren von 25 Franken, die für das Parkieren ausserhalb der Zone verrechnet werden, darf man womöglich sogar von einer neuen Konkurrenzsituation für die Taxifahrer sprechen. Technische Massnahmen, die eine «Entführung» der E-Scooter verhindern könnten, sind bislang nicht geplant.
Aber auch die Stadtbewohner dürfen sich freuen. Sie kommen mit der nächsten Generation in den Genuss von Trottis mit Federung. Damit dürften auch Fahrten auf den gepflästerten Gassen in der Innenstadt um einiges angenehmer werden.
Das oft erwähnte Einsammeln von Rollern mit leerem Akku soll sich in naher Zukunft ebenfalls verbessern. Die neuen Modelle mit auswechselbaren Akkus müssen dann nicht mehr komplett zu den Ladestation gefahren werden. Stattdessen können die leeren Akkus durch frisch geladene Batterien ersetzt werden. Die Verteilung soll dann umweltfreundlich mit Cargo-Bikes erfolgen.
Zusätzlich laufen in Schweden, im Heimatland des Anbieters VOI, Tests mit sogenannten VOI-Hunters. Das sind Kunden, die sich bereiterklären, die Trottis bei sich zu Hause aufzuladen. Sie werden mit Credits, die sich für Freifahrten nutzen lassen, belohnt. Ob diese Idee irgendwann auch in die Schweiz kommt, liess VOI offen.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.