Gabi Bernetta, im März 2018 soll erstmals in St.Gallen ein Theaterfestival für ein junges Publikum stattfinden – was ist der Anstoss dazu?
Den Anstoss gab die schwierige Situation des Kinder- und Jugendtheaters in der Schweiz. Es gibt tolle Truppen, aber sie haben immer weniger gute Auftrittsmöglichkeiten, und vor allem gibt es kein Festival mit internationaler Ausstrahlung mehr. Den Theaterschaffenden fehlt damit eine wichtige Plattform.
Früher gab es in Zürich das Festival Blickfelder.
Blickfelder war ein renommiertes Festival, das weit ausgestrahlt hat. Heute heisst es «Festival der Künste» und bedient alle Sparten. Daneben gab es SPOT, das Festival der Astej, der Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche. Es ging letztmals 2012 in Biel über die Bühne, 2014 hat sich die Astej als Assitej neu formiert und wird ein wichtiger Partner für das geplante Festival. Ich selber bin im Kinder- und Jugendtheater gross geworden, ab 1990 beim KITZ Junges Theater Zürich. Damals hat die Stadt ihr eigenes Kinder- und Jugendtheater unterhalten, mit festem Ensemble. Bis weit in die 90er-Jahre hat die deutschsprachige Theaterszene die Schweiz als vorbildlich bewundert in Sachen Kinder- und Jugendtheater.
Heute nicht mehr? Woran liegt das?
Am Beispiel Zürich gesagt: Die Gessnerallee, das Haus der freien Szene, verzichtet heute ganz auf die Kinder- und Jugend-Sparte, weil sich der neue Intendant andere Ziele setzt. In Leistungsvereinbarungen mit Theatern werden Produktionen für ein junges Publikum zwar gewünscht, aber zu wenig eingefordert.
Das ist erstaunlich, weil Kulturvermittlung für Kinder und Jugendliche sonst ganz oben auf den Förderprioritäten steht. Die Ostschweiz hat dafür mit kklick eine eigene Plattform.
Das ist auch richtig, denn Kinder sind das künftige Publikum. Jedes Kind hat Anrecht auf kulturelle Bildung – so steht es auch in der Kinderrechtskonvention der UNO. Gerade bildungsferne Kinder müssen über die Schulen diesen Zugang bekommen. Es reicht aber nicht, Kinder in Erwachsenenproduktionen zu schicken. Entscheidend ist, dass Theater für Kinder gut gemacht ist und dass es gesellschaftlich wichtige Themen altersgerecht umsetzt.
In der Ostschweiz tun das schon viele: das Theater St.Gallen, freie Gruppen wie Momoll, Theater Bilitz, U21 und andere.
Ja, das stimmt. Aber der Szene fehlt eine gemeinsame Plattform, und eine solche soll das geplante Festival bieten. Neben Aufführungen soll es auch Workshops geben und Austauschmöglichkeiten für Theaterschaffende.
Was für Stücke sind geplant?
Zum einen ist es ein Premierenfestival; das macht es auch für die Veranstalter interessant. Weiter soll es eine internationale Koproduktion und Gastspiele geben – wobei die Details natürlich von der Finanzierung abhängen. Ideal wäre ein Festival von zehn Tagen, das zwei Wochenenden umfasst.
Und die regionalen Theaterschaffenden?
Sie gehören unbedingt auch dazu, sei es Bilitz, sei es Sgaramusch aus Schaffhausen oder andere. Angedacht ist auch eine Zusammenarbeit mit dem TAK in Schaan. Aber der Blick geht über die Region hinaus: Nicht nur St.Gallen, sondern die Schweiz braucht ein solches Festival.
Ein Festival trägt zur Belebung bei – aber es konkurrenziert auch das bereits Vorhandene. Nicht zuletzt finanziell: Es bindet Gelder, die sonst freien Produktionen zur Verfügung ständen.
Es ist immer ein Abwägen. Unterstützt man hier, fehlt es dort, mit dieser Problematik lebt die freie Szene seit jeher. Ein Festival lockt in der Regel Publikum an, das sonst eher selten ins Theater geht. Zudem ist die mediale Aufmerksamkeit gross. Je mehr Akteure vor Ort in Erscheinung treten, umso vielfältiger wird die Szene auch wahrgenommen. Ich sehe das Festival weniger als Konkurrenz, sondern als Bereicherung und als Chance, die freie Szene zu stärken.
Ein anderer Einwand gegen Festivals lautet: Einmal im Jahr ein «Chlapf» statt kontinuierlicher Arbeit, das ist nicht nachhaltig.
Vorerst bedeutet ein solches Festival sehr viel Aufbauarbeit, im Austausch mit Schulen und anderen Akteuren auf diesem Gebiet, und das kommt wiederum allen zugute. Wenn sich zeigt, dass das Bedürfnis für gutes Kinder- und Jugendtheater da ist, dann wirkt sich dies auch unter dem Jahr aus. Bis jetzt spricht man in diesem Zusammenhang kaum von St.Gallen als Theaterplatz. Aber das kann sich ändern.
Konkurrenz herrscht im Kindertheater-Bereich auch, weil die subventionierten Theater Schulproduktionen günstiger anbieten können als die Freien.
Generell sind die Gagen in der Szene eine Misere. Sie sind in den vergangenen 25 Jahren kaum gestiegen. Trotz der neu festgelegten Richtgagen durch act, den Berufsverband der freien Theaterschaffenden, sind viele Veranstalter nicht in der Lage, diese zu bezahlen. Subventionierte Häuser und Gruppen haben hier klare Vorteile.
Wie steht es um das Verhältnis Stadttheater – Freie Szene generell?
Die Abgrenzung zwischen festen Häusern und der Freien Szene ist viel durchlässiger geworden. Mit der Wahl von Jonas Knecht zum neuen Schauspieldirektor wird dies auch in St.Gallen in Zukunft mehr der Fall sein. Das Festival wird jedoch als eigenständige Institution in St.Gallen auftreten. Die Inhalte bestimmt eine Programmgruppe. Die Assitej Schweiz, das Figurentheater St.Gallen und das Theater St.Gallen sind drei der wichtigsten Partner. Das Festival ist ganz klar eine Plattform der Freien Szene im Bereich des jungen Theaters.
Gabi Bernetta, 1962, aufgewachsen in Chur, ist seit 1995 selbständig als Produktionsleiterin für verschiedene freie Ensembles tätig, u.a. für TRIAD Theatercompany, Theater Konstellationen/Jonas Knecht, Thom Luz, Plasma, Jürg Kienberger, Trainingslager Zürich.
Ein Beitrag aus dem Dezemberheft von Saiten.
Der St.Galler Kantonsrat hat für das Festival einen Beitrag von 240000 Franken aus dem Lotteriefonds bewilligt. Ein Streichungsantrag der SVP-Fraktion wurde abgelehnt. Sie wollte zuerst eine Bedürfnisabklärung für eine solche nationale Plattform für das Kinder- und Jugendtheater und fragte nach der finanziellen Mitbeteiligung des Theaters St.Gallen.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
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Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
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Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
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Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
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