, 3. Januar 2018
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Joints, Billag, Presselandschaft

Genosse Galgenvogel kommentiert auf Saiten-Online Geschichten, die die Ostschweiz nicht nicht betreffen. Heute: Die Presselandschaft 2018. Der untrügliche Blick in die Glaskugel.

Tagblatt. Das Joint Venture der NZZ-Regionalmedien und der AZ macht die Regionen weltoffener. Die Grundschulen unterrichten künftig Türkisch, um den Nachwuchs zu befähigen, sich eine ausgewogene Meinung zu bilden. Es kommt aber alsbald zu einer Protestwelle. Die empörten Massen merken nämlich schnell, dass nicht überall, wo Joint drauf steht, auch Joints drin sind.

SRF. NoSendeschluss, hoffentlich. Nicht weil die Billag und Projer und der Patriotenkitsch und Hüppi (Nein, der ist weg! :-P) und die lahmarschigen Sternstunden, Clubs und Schawinskitalks und die totale Abwesenheit von so etwas wie Satire nicht bösartig nerven würden. Sondern weil eine Medien-Vision, die es Rechtsaussen und den Neoliberalen gleichzeitig besorgt, kategorisch zurückzuweisen ist. Und zwar ohne eine fucking Diskussion.

Weltwoche. Wird etwa sieben mal verklagt im neuen Jahr. Köppel und Gut geben ein Gastsemester an der HSG mit dem Titel: «Schlechte Presse macht schlechte Schlagzeilen in guten Blättern, um miesen Menschen miese Texte über gute Menschen zu verkaufen». Blocher zahlts, obwohl er, um sich zu informieren, heimlich das Vorwärts liest. Der 6 Jahre jüngere Noldi Trump schielt neidisch über den Teich, er fragt sich, wie Chrischi es schafft, nicht täglich auf Twitter zu onanieren. Dabei ist es einfach: Blocher onaniert nicht (mehr), Blocher lässt onanieren.

Watson. Der Dealer unserer täglichen Katzenbildli geht in Sachen Prekarisierung des Internetzes völlig neue Wege und erfindet die «vorauseilenden Native-ads». Listicles mit den geilsten 10 Dingen, die dein Unterbewusstsein beim nächsten Supermarkt-Besuch kaufen wird, halten die Wirtschaft schliesslich auch am Leben, wenn kein Grossist den Artikel sponsort. Bald schon zeichnet sich ein neues Phänomen ab: prekarisierte Listicle-Journis werden beim Shopliften beobachtet, weil sie sich die 10 geilsten Dinge selbst nicht mehr leisten können. Werbepsychologie: funktioniert immer, irgendwie.

Sportreporter. YB veryoungboyst den Titel, weil es Basel den Bernern am Schluss doch noch verböselt. Bayern, Barça, Banchester, Baris und Burin sind dafür sieben Runden vor Schluss schon durch. Menschen, die dafür Geld kriegen, lassen sich darauf mit Dingen wie «der Abstiegskampf ist so spannend wie nie» zitieren. Diese WM ist dann auch noch. Das schauen aber nur Modefans und die Wettmafia. Juni wird ne gute Zeit, wieder mal ein schlechtes Buch zu Ende zu lesen. Budgettipp an die Medienlandschaft fürs 2019: Fussball streichen. Will niemand mehr sehen.

Republik. Das «Expeditionsteam in die Wirklichkeit» kann zwar die Welt nicht retten, macht aber ab Mitte Januar trotzdem ein gutes Blatt. Dass es dermassen aufdringlich liberalen Zürcher Traditionsblättern vorwerfen konnte, keinen liberalen Journalismus mehr zu produzieren, hat diese nachhaltig verwirrt. Die alte Tante sucht ihr Heil (haha) im Populismus und gibt auf der Redaktion die Regel durch, alles Liberale künftig als «links» zu ächten. Die WOZ lacht sich schlapp, verzichtet aber darauf, die Falkenstrasse zu übernehmen, weil es am Ampèresteg gemütlicher ist und besseren Kaffee gibt.

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