, 31. August 2018
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Kämpfed eu zrugg

Die Senf-Redaktion kann mehr als schreiben: Für die Jubiläumsausgabe Nummer 10 des Hefts wurde eine CD mit St.Galler Fussballsongs und einem Hörspiel aufgenommen. Eine Einladung zum Mitsingen, Fingerschnippen und Grinsen.

FCSG-Fan bin ich nicht, allenfalls ein Sympathisant, den es früher öfter, heute selten ins Stadion verschlägt. Aber egal wie sehr Modefan ich sein mag im Vergleich zu denen, die da singen «Oh Sangalle, üsi Liebi, mir werded immer mit dir goooo…» –  genau solche Lieder und ihre von Gassenhauern geklauten Melodien sind mir bis heute nicht aus dem Kopf gegangen. Ich pfeife diese verdammten Ohrwürmer, während ich meine Küche putze oder durch den Wald laufe.

Über diese mächtige Verbindung von Fussball, Melodien und Gesang wissen die Macher des St.Galler Fussballmagazins Senf als FCSG-Enthusiasten nur zu gut Bescheid: Ihre Jubiläumsnummer 10 steht darum unter dem Titel «Da isch Musig».

Schüga Lager statt Campari Soda

Die Senf-Redaktion überrascht mit einem abgefahrenen Extra, das es zu den 10 Stutz zum Heft inklusive gibt: eine CD mit eben jenen Ohrwürmern, nachgespielt und gesungen von der Band The Gjasulas (eine Hommage an Jürgen Gjasula, FCSG-Spieler in den 00er-Jahren), die im Heft als «Anti-Musiker» vorgestellt werden.

Ihre Interpretationen der Fan-Hymnen sind aber solid vorgetragen, mal als wilde Polka («St.Galle, üsi Liebe»), mal als Mani-Matter-Hommage («Kämpfed eu zrugg»), als Italo-Pop («So isch äs gsi, so wirds immer si») oder Bossa Nova («Immer ä Fackle i dä Hand»). Die Songs haben Hand und Fuss und man erwischt sich beim Mitsingen, muss aber auch grinsen, wenn es plötzlich «I nimme no es Schüga Lager» statt «I nimme no en Campari Soda» heisst.

Komplettiert wird die CD mit Songs von jungen St.Galler Musikern: ein sphärisches Cover des Knöppel-Kracher Abseits, du Wichser in der Wohlfühl-Version von Panda Lux etwa …

… eine Rap-Hymne über einem abgehackten Beat von Odium & Thedawn namens Attika (=Espenmoos) oder die Ode an den Boccia-Club im Espenmoos von Dachs.

Zwischen die Lieder ist ein Hörspiel eingebettet, in dem ein Vater seinen Sohn durch die St.Galler Fussballgeschichte führt – inklusive zotigen Pointen und vielen Klischees, vom GC-Diss bis zu den einst unverlierbaren Olma-Matches. Die CD führt das Senf-Konzept von Heft Nummer 9 weiter, zu dem es einen Espenmoos-Bastelbogen gab. Wenn das so weitergeht, entwickelt sich Senf zum Micky Maus für erwachsene Fussballfans: Als Kind fieberte man auf die Comic-Zeitschrift jeweils vor allem wegen der Extras (Feldstecher, Urwelt-Krebse zum Selberzüchten, Spionequipment…) hin.

Soul, Drive und viel Pathos

Aber auch der geschriebene Senf-Inhalt muss sich nicht verstecken: Da findet man eine fast akademische Beschreibung verschiedener Typen von Fussballgesängen in Ländern wie Italien, England, Argentinien und Bosnien und Herzegowina. Oder ein gewohnt starkes Interview mit einem Insider (Mäsi Koller sprach einst zum Espenmoos, der gefallene Schiri Kurt Röthlisberger zum Thema Geld): Diesmal ist es Pascal Claude, der Fussball-Blogger und -Autor der ersten Stunde, der 1000 Vinylplatten mit Fussballsongs in seinem Keller hortet. Ein guter Fussballsong müsse «Soul, Drive oder viel Pathos» haben – oder aber in der lokalen Szene etabliert sein, sagt Claude.

Interessant und unerwartet ist eine Reportage über das Radio Blind Power, ein Sender, der Spiele der Super League für sehbehinderte Menschen überträgt. Die Kunst der Kommentatoren des Blindenradios ist es, das Spiel möglichst genau zu beschreiben, aber trotzdem die nötige Prise Emotionen rüberzubringen («Audiodeskription» nennt sich das). Hübsch ist zudem die Statistik-Illustration, die die schlimmsten Verletzungen der FCSG-Spieler seit 1996 anhand eines A3-grossen Skeletts zeigt – Kreuzbandrisse sind eine Konstante im Profifussball, das ist damit schön visualisiert. Das Diagramm schmerzt nur schon beim Zusehen.

Unter den 78 Senf-Seiten sind wie immer auch ein paar Texte von Fussball-Nerds für Fussball-Nerds eingestreut – nicht immer jedermanns Sache, aber auch das muss in diesem wahrhaft fanatischen Magazin Platz haben. Die Stärke der SenfMacher ist, immer wieder etwas Überraschendes zu liefern – sei es in den Themen, den Zugängen zu diesen oder eben den Extras zum Heft. Man darf gespannt sein auf die nächsten zehn Ausgaben.

Senf #10 ist auf senf.sg oder an Heimspielen des FCSG erhältlich.

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