Was passiert mit den freien Flächen auf der St.Galler Bahnhof-Nordseite oder mit dem Güterbahnhofareal? Eine Diskussion in der Lokremise brachte keine konkreten Antworten.
«Urbanisierungsprozesse auf ehemaligen Bahnarealen» – so heisst die Veranstaltung, zu der das Kunstmuseum St.Gallen im Rahmen der Ausstellung «Nenn mich nicht Stadt» am Montagabend in die Lokremise eingeladen hat, zusammen mit dem Architekturforum Ostschweiz.
Den Auftakt macht der deutsche Stadtforscher und Soziologe Walter Siebel. Er geht der Frage nach, was denn eigentlich eine Stadt urban mache, und nennt vier Punkte: Die Stadt muss als Maschine funktionieren, die ihre Bewohnerinnen und Bewohner von den primären Arbeiten und der Nahrungssuche entlastet. Sie braucht Infrastruktur, damit hier Singles leben können. Die Stadt zeichnet sich als zweites dadurch aus, dass hier Fremde leben, während im Dorf alle Nachbarn sind. In der Stadt bilden sich dann verschiedene Milieus, die sich gegenseitig auf Distanz halten. Der dritte Punkt ist für Siebel die kulturelle Produktivität einer Stadt, in der auch ausgefallene Angebote ihr Publikum finden. Und schliesslich die Ambivalenz: Ohne Spannung zwischen Chaos und Ordnung, ohne Labyrinth der Gässchen, ohne die Leerräume und die Nachtseiten entstehe keine Urbanität. Siebel plädiert deshalb engagiert dafür, Freiräume offen zu halten.
In der Diskussion mag sich dann aber niemand konkret zu diesen Forderungen bekennen. Kantonsbaumeister Werner Binotto als Repräsentant des Kantons, dem die Reserveflächen neben der Fachhochschule und das Güterbahnhofareal (Bild) gehören, spricht von guten Kapitalanlagen. An beiden Orten werde es mindestens 15 Jahre dauern, bis der Kanton selber darauf bauen kann – aber das sei gut so, denn auch nachfolgende Generationen müssten noch über solche Flächen verfügen können.
Kulturpublizist Gerhard Mack bekennt sich zu einer radikalen Stadterneuerung, wünscht sich gar die ganze Zeile der Rosenbergstrasse neben der Fachhochschule neu gebaut. Von der Erhaltung einer «verzwergten» Villa Wiesental hält er nichts. Stadtplanerin Helen Bisang plädiert im Gegenzug für ein Quartier, in dem auch kleinere Häuser stehen bleiben dürfen. Und der Architekt der Fachhochschule, Lorenzo Giuliani, erhofft sich ein Quartier, in dem auch in Zukunft gewohnt werden kann.
Für das Publikum (wie für die beiden Stadtbeobachter auf dem Balkon der Rosenbergstrasse 42, siehe Bild oben) blieben damit allerhand Fragen offen.
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.