, 22. Oktober 2013
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Kann St.Gallen urban werden?

Was passiert mit den freien Flächen auf der St.Galler Bahnhof-Nordseite oder mit dem Güterbahnhofareal? Eine Diskussion in der Lokremise brachte keine konkreten Antworten.

«Urbanisierungsprozesse auf ehemaligen Bahnarealen» – so heisst die Veranstaltung, zu der das Kunstmuseum St.Gallen im Rahmen der Ausstellung «Nenn mich nicht Stadt» am Montagabend in die Lokremise eingeladen hat, zusammen mit dem Architekturforum Ostschweiz.

Den Auftakt macht der deutsche Stadtforscher und Soziologe Walter Siebel. Er geht der Frage nach, was denn eigentlich eine Stadt urban mache, und nennt vier Punkte: Die Stadt muss als Maschine funktionieren, die ihre Bewohnerinnen und Bewohner von den primären Arbeiten und der Nahrungssuche entlastet. Sie braucht Infrastruktur, damit hier Singles leben können. Die Stadt zeichnet sich als zweites dadurch aus, dass hier Fremde leben, während im Dorf alle Nachbarn sind. In der Stadt bilden sich dann verschiedene Milieus, die sich gegenseitig auf Distanz halten. Der dritte Punkt ist für Siebel die kulturelle Produktivität einer Stadt, in der auch ausgefallene Angebote ihr Publikum finden. Und schliesslich die Ambivalenz: Ohne Spannung zwischen Chaos und Ordnung, ohne Labyrinth der Gässchen, ohne die Leerräume und die Nachtseiten entstehe keine Urbanität. Siebel plädiert deshalb engagiert dafür, Freiräume offen zu halten.

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In der Diskussion mag sich dann aber niemand konkret zu diesen Forderungen bekennen. Kantonsbaumeister Werner Binotto als Repräsentant des Kantons, dem die Reserveflächen neben der Fachhochschule und das Güterbahnhofareal (Bild) gehören, spricht von guten Kapitalanlagen. An beiden Orten werde es mindestens 15 Jahre dauern, bis der Kanton selber darauf bauen kann – aber das sei gut so, denn auch nachfolgende Generationen müssten noch über solche Flächen verfügen können.

Kulturpublizist Gerhard Mack bekennt sich zu einer radikalen Stadterneuerung, wünscht sich gar die ganze Zeile der Rosenbergstrasse neben der Fachhochschule neu gebaut. Von der Erhaltung einer «verzwergten» Villa Wiesental hält er nichts. Stadtplanerin Helen Bisang plädiert im Gegenzug für ein Quartier, in dem auch kleinere Häuser stehen bleiben dürfen. Und der Architekt der Fachhochschule, Lorenzo Giuliani, erhofft sich ein Quartier, in dem auch in Zukunft gewohnt werden kann.

Für das Publikum (wie für die beiden Stadtbeobachter auf dem Balkon der Rosenbergstrasse 42, siehe Bild oben) blieben damit allerhand Fragen offen.

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