Wir müssen über Analsex reden. Die Pornoseite PornHub bringt jedes Jahr Statistiken über die Vorlieben ihrer Benutzer*innen raus. Unter anderem über die Schweiz: Die Durchschnittsdauer des Internet-Besuchs beträgt 10 Minuten und 4 Sekunden; zwei Drittel sind Männer. Auf Platz zwei der beliebtesten Kategorien ist übrigens «Lesbian», und auf Platz eins: Anal.
Viele Schweizer*innen finden Analsex also heiss. Nur: Die Sache hat einen Haken. Wer beim Sex was machen darf, hat sehr viel mit Gender zu tun. Das wird dann problematisch, wenn ein Mensch etwas machen muss, obwohl er nicht will, oder eine Person etwas nicht machen darf, obwohl sie eigentlich Bock darauf hätte.
Wir wachsen mit der Vorstellung auf, dass Männer dominieren, Frauen passiv oder unterwürfig sind – also der Mann derjenige ist, der die Frau anal fickt. Alles andere ist Fetisch. Die Hetero-Norm besagt: Echte Männer werden nicht penetriert. Penetriert werden ist mega schwul.
Anna Rosenwasser, 1990 geboren und in Schaffhausen aufgewachsen, wohnt in Zürich. Sie arbeitet für die Lesbenorganisation Schweiz (LOS) und als freie Journalistin. (Illustration: Lukas Schneeberger)
Ich bin ja von Beruf homosexuell. Da begegnet mir Analsex vor allem in der Form von blankem Schwulenhass. Das Wort «Arschficker» wird so oft als Beleidigung verwendet, dass es schon im Duden steht.
Erstens: Sexuelle Orientierung passiert nicht nur im Schlafzimmer. Erst recht nicht, wenn wir dafür auch locker beim Warten auf den Zug, im Klassenzimmer oder auf dem Nachhauseweg von der Arbeit beleidigt werden. Was im Schlafzimmer passiert – oder auf dem Küchentisch oder auf dem schon lange nicht mehr gestaubsaugten Wohnzimmerboden –, ist nicht das einzige, was sexuelle Orientierung ausmacht.
Homosexuelle auf ihren Sex zu reduzieren, ist an sich schon homofeindlich. Und wird dem vielfältigen Kosmos der Anziehung schlicht nicht gerecht.
Zweitens: Analsex ist nicht nur schwul. Zum einen haben gar nicht alle schwulen Männer Analsex. Diese Annahme kommt von der Hetero-Norm, die davon ausgeht, dass nur Penetration richtiger Sex ist. Hinzu kommt, Achtung wichtig: So gut wie jeder Mensch kann Analsex haben. Egal welche sexuelle Orientierung und welches Geschlecht du hast. Die allermeisten Menschen haben einen Hintern. Wer will, darf etwas damit anfangen.
Viele tun das auch, Heteros haben ja auch Arschsex, denn klar, Frauen anal penetrieren, das geht, das wissen wir aus der hochgeachteten Kulturform des Gangsta-Rap. Aber gefickt werden, als Mann? Das droht man höchstens: «Dich fick ich so hart im nächsten Spiel» hat nichts mit konsensuellem Verkehr zu tun. Und sehr viel mit Macht.
Liebe Männer, die meisten von euch haben eine Prostata, ihr könntet also einen Orgasmus haben vom Penetriertwerden, das nur so als Nebenbemerkung. Aber: Ich schreib das alles eigentlich nicht, um Werbung zu machen für Analsex. Ich schreibe diesen Text, weil ich nicht akzeptiere, dass eine ganze Sexpraktik – eine genderneutrale noch dazu – herhalten muss für Schwulenhass.
Wenn heterosexuelle Schweizer sich Arschfick-Pornos reinziehen können, sollen sie auch respektieren, dass sich manche Männer gern anal penetrieren lassen. Und, pssst: Dass sie das auch dürften. Jeder Mensch darf Analsex haben. Bitte gerngeschehen.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
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Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
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«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
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Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
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Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
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Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.