Immer weniger Kinder und Jugendliche nutzen das Velo für den Schulweg – auch in St.Gallen. Die Begründungen: Bequemlichkeit, fehlende Sozialkontakte oder Angst der Eltern. Alexandra Wohlgensinger hat sich umgehört.
Vor 20 Jahren war das Velo noch Hauptfortbewegungsmittel vieler Kinder und Jugendlicher. Heute herrscht oft gähnende Leere auf den Veloparkplätzen vor Schulen. «Bestenfalls ein Zehntel unserer 300 Schüler kommt mit dem Velo zur Schule», sagt Rolf Breu, Schulleiter des Oberstufenzentrums Schönau. Bei anderen städtischen Oberstufenschulhäusern sind es sogar noch weniger: «Unser Veloständer ist eigentlich immer frei. Das bescheidene Level an velofahrenden Schülern ist in den letzten Jahren sogar noch gesunken», so Heier Rothenfluh, Schulleiter der Sekundarschule Blumenau.Noch schlechter sieht es bei den städtischen Primarschulen aus. Dort ist das Velo oft verboten; mindestens für Kinder, die einen nicht allzu weiten Schulweg haben.
Kein Wunder, ist bei den St.Gallen Kindern und Jugendlichen das Velo nicht mehr das Fortbewegungsmittel Nummer eins. Die Beobachtung deckt sich mit den Zahlen des Bundesamtes für Statistik: In den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl fahrradfahrender Kinder in der Schweiz halbiert. Weniger als zehn Prozent der Verkehrswege werden von Kindern und Jugendlichen mit dem Fahrrad zurückgelegt.
Die Eltern haben Angst Viele Schüler und Schülerinnen in St.Gallen ziehen den Bus als Transportmittel vor. Gründe dafür gibt es viele. «Für die Jugendlichen ist der soziale Aspekt sehr wichtig. Auf dem Fahrrad ist es schwieriger, Kontakte zu pflegen. Im Bus können sie SMS verschicken», sagt Schulleiter Andy Prinzig vom Schulhaus Engelwies und Bruggen. Von den Stadtbehörden wird die «Velofaulheit» der Schüler noch gefördert: Kinder, die mehr als drei Kilometer Schulweg haben, erhalten gratis ein Busabo.
Für den Bus spricht auch das Sicherheitsdenken vieler Eltern. «Diese haben Angst, ihre Kinder velofahren zu lassen», sagt Schulleiter Breu. Eine Angst, die zumindest statistisch unbegründet ist: In den letzten zwei Jahren sind laut Auskunft der Stadtpolizei lediglich vier Kinder mit dem Velo verunfallt, deutlich weniger als früher. Zudem ist der St.Galler Nachwuchs auch verkehrstauglich: «Die Kinder hier haben ein sehr hohes Niveau», sagt Michael Städler vom Verein Pro Velo St.Gallen. Der Verein bietet regelmässig Velofahrkurse für Kinder und Erwachsene an. Städler, selber Vater von vier Kindern, versteht zwar die Ängste der Eltern, doch: «Für die Gesundheit der Kinder ist diese Veloabstinenz nicht gut.»
Das Velo als Luxusprodukt Auch wenn die Kinder immer weniger mit dem Velo in die Schule fahren – laut Michael Städler ist das Fahrrad in den Quartieren immer noch sehr bliebt. «Das Velo ist heute ein Statussymbol. Kinder fahren prinzipiell gerne ein cooles Velo.» Auch Marcel Studerus von «Velo Studerus» glaubt nicht, dass Kinder und Jugendliche keine Lust mehr aufs Velofahren haben. Vielmehr sei das Problem, dass das Velo zum Luxusprodukt werde. «Ein gutes Kindervelo kostet 700 Franken. Das können sich viele Eltern gar nicht mehr leisten. Schon gar nicht, wenn sie mehr als ein Kind haben.»
Dazu kommt, dass an vielen Schulen die abgestellten Fahrräder absichtlich beschädigt werden. «Nicht unbedingt von Mitschülern, sondern auch von Fremden, da der Veloparkplatz frei zugänglich ist», sagt Schulleiter Rolf Breu. So überlegen sich auch die «velofreundlichen» Kinder, ob sie ihr Lieblingsstück wirklich der Ungewissheit im schulischen Veloparkplatz überlassen wollen.
Das Velofahren nicht verlernen Gegen die Veolabstinenz der jungen Leute geht nun aber das Oberstufenzentrum Schönau vor. Dort werden die Lehrer als Vorbilder eingesetzt, sagt Schulleiter Rolf Breu: «Ein Drittel bis die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer kommt hier mit dem Fahrrad zur Arbeit. Sie stellen ihre Velos dann prominent vor dem Eingang ab, so dass die Kinder animiert werden.» Sergio Spadini, Schulleiter der Realschule Bürgli, würde es ebenfalls sehr schätzen, wenn wieder mehr Schüler mit dem Velo zur Schule kämen. Die Lehrerschaft stellt regelmässig einen Geschicklichkeitsparcours für Fahrräder auf dem Pausenplatz auf. «Damit die Kinder das Velofahren nicht ganz verlernen.»
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.