Kategorie
Autor:innen
Jahr

(Fast) nichts Neues am Themen-Forum – und Knatsch um Klubhaus-Gelder

Die Genossenschaft hat 700'000 Franken mit dem Verkauf des Spanischen Klubhauses verdient. Doch statt dieses Geld an die mögliche Renovation des Klubhauses zu spenden, wird es nun an die Genossenschafter ausgezahlt. Das weckt Kritik. Ach ja: Themenforum zum #BahnhofNord war auch noch.
Von  Urs-Peter Zwingli
Das Themenforum in der Lokremise. (Bilder: Urban Rechsteiner, Kommunikation Stadt St.Gallen)

Es waren am Montagabend nicht ganz 300 Menschen ans Themforum zum #BahnhofNord in der Lokremise gekommen, wie die Verantwortlichen der Stadt noch Ende März spekuliert hatten. Ob diese fehlende Mobilisierung wohl am rhetorischen Charme von Bau- und Planungschefin Patrizia Adam liegt?

Aber immerhin: Gut 100 Interessierte haben sich in der Lok getroffen, im Flügel, wo sonst Tanz aufgeführt wird.

Passt gut zum Eiertanz, der dieser Planungsprozess nun mal ist. Viel steht dort auf dem Spiel, viele wollen und dürfen (mittlerweile!) mitreden.

Zu Beginn mischen die beiden gefühligen Moderatoren Stefan Tittmann und Sara Kurmann von der Fachhochschule St.Gallen das Publikum auf: Der Raum wird in Kategorien wie «interessierte Stadtbewohner», «Kulturschaffende & Gewerbe» oder «Anwohner» aufgeteilt, dann müssen alle Anwesenden von ihren Sechsertischen aufstehen und sich in eine der Gruppen einordnen.

Fazit: Weitaus am meisten Stadtbewohner, aber auch viele Kulturschaffende, Gewerbler und Anwohner sind da.

Niemand sagt: «Wir wollen Büros»

Sowieso ist das einer der besten Effekte des Abends: Mit Leuten am Tisch zu sitzen und zu diskutieren, die man normalerweise nicht trifft. Da plaudert der 23-jährige Student plötzlich mit der 72-Jährigen, die seit 40 Jahren im Quartier wohnt.

Möglich macht dies die Methodik der Moderatoren: Es werden drei Diskussionsrunden à 20 Minuten durchgeführt. Nach jeder Runde wechseln alle bis auf einen «Gastgeber» den Tisch und finden sich so in einer neuen Runde wieder. Die gesammelten Ideen und Gedanken werden mit Filzstift auf Flipchart-Blätter auf den Tischen geschrieben. Kommt einem irgendwie bekannt vor.

 

bahnhof nord2

Für die Diskussionen geben die Moderatoren je eine Leitfrage mit: Was kommt Ihnen zum Thema in den Sinn? Was ist Ihnen für den Bahnhof Nord in der Zukunft wichtig? Was geben Sie den Planern mit auf den Weg?

Soviel vorweg: Bahnbrechend neue Ideen sind dabei nicht ans Licht gekommen. Verständlich, hat doch die Stadt gemeinsam mit den Sozialraumforschern der FHS bereits viele Gespräche mit den Leuten rund ums Quartier geführt und ein paar hundert Leute auch Online befragt. Und in einer «WerkStadt» konnte man eine Woche lang die Gebäude in einem Bahnhof Nord-Modell wie Bauklötze umherschieben und Ideen aufschreiben.

Derer gibt es auch nach dem Montagabend viele: Studentenwohnheim, Restaurant(s), Cafés, Parks mit Containern, Hotels, Unterführung zur Kreuzbleiche etc. etc.

Schöner Einwurf aus den Tischrunden: Es braucht auch einen Raum ohne Konsumzwang. Einige sprechen sich für ein Hotel aus («aber keinen Kasten wie die FHS»), andere für oder gegen den Erhalt des Klubhauses, für oder gegen dessen Renovation.

Was man während des ganzen Abends nicht hört: «Wir hätten hier gern ein Bürohochhaus.»

Showdown ist 2017

Die so gesammelten Inputs werden nun von vier Architekturbüros (aus St.Gallen Thomas Kai Keller und Barão Hutter, aus Zürich Meili & Peter sowie Boltshauser Architekten) in Testplanungen einbezogen. Diese Planungen werden dann einem breiten Beurteilungsgremium vorgelegt. Ende November kommt es zu einem zweiten partizipativen Abend: Am öffentlichen Ergebnis-Forum werden die Planungen vorgestellt.

Danach soll es ruckzuck gehen. Der Stadtrat will bereits Anfang 2017 ein konkretes Vorgehen beschliessen, das ab Frühling 2017 umgesetzt werden soll. Spätestens dann ist Showdown und klar, welches Gewicht die Stadtentwicklung von unten in St.Gallen wirklich hat.

Knatsch um Klubhaus-Sanierung

Die Veranstaltung war zudem von den üblichen Verdächtigen besucht: Stadtpolitiker (und solche, die es werden wollen), Architekten, die Tisch-hinter-den-Gleisen-Crew, die Elite der Verwaltung.

Und so gab es am Rande des Abends auch Spannendes zu hören: SP-Stadtparlamentarier Gallus Hufenus berichtete, dass die Genossenschaft, der das Spanische Klubhaus bis 2013 gehörte, das Genossenschaftskapital ausschütten will. Beim Verkauf des maroden Gebäudes an die Familienausgleichskassen hat die Genossenschaft 2013 einen Reinewinn von 700’000 Franken gemacht.

«Ich finde es absolut stossend, dass das Geld gerade jetzt ausbezahlt werden soll», sagt Hufenus, der ebenfalls Genossenschafter ist. «Angebracht wäre, dass man abwartet, bis ein Entscheid zum Klubhaus vorliegt. Wird es saniert, soll der Gewinn an die Bauarbeiten fliessen.» Hufenus vermutet, dass das Geld nicht per Zufall jetzt ausgezahlt wird: «Die Verantwortlichen haben Angst vor Begehrlichkeiten, wenn es zur Sanierung kommt.»

Zur Erinnerung: Laut einer Einschätzung des Hochbauamtes könnte die Totalüberholung des über 100-jährigen Gebäudes bis zu 5 Millionen Franken kosten.

«Wer will, kann spenden»

Der ehemalige Präsident der Genossenschaft, Reto Antenen, winkt auf Anfrage von Saiten ab: «Die Genossenschaftsversammlung hat 2015 entschieden, dass die Genossenschaft aufzulösen ist. Die Liquidation läuft, ich habe keinen Einfluss mehr darauf.» Die Genossenschafter hätten es zudem abgelehnt, den Gewinn an die Caritas Spanien oder an die Sanierung des Restaurant Kreuz in Winkeln zu zahlen. Das Kreuz war als Ersatz für das Klubhaus gedacht, der Plan wurde mittlerweile von der Stadt aber wegen zu hoher Kosten fallengelassen.

Auch den Vorwurf von Hufenus, die Genossenschaft sei in der Pflicht, da sie den Unterhalt des Gebäudes «verschlampt» habe, weist Antenen zurück: «Wir haben investiert, was wir konnten. Mehr Mittel hatten wir nicht und für den Unterhalt eine teure Hypothek aufzunehmen, war keine Option.»

Antenen weist aber darauf hin, dass sowohl die Stadt als auch der Verein Hogar Espanol «namhafte Beteiligungen» am Genossenschaftskapital hielten. «Es ist natürlich jedem überlassen, sein Kapital und den Gewinn an eine allfällige Sanierung zu spenden», so Antenen.

 

Die Ergebnisse des Themenforums werden ab Freitag auf stadtsg.ch/bahnhofnord publiziert.

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

Von  Nathalie Grand
Pressetag broucek anjakoehler 260236

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Colazione Sull Erba Pfister Noemi copy

Von Mo­de und Kör­pern

Wie setzt Fo­to­gra­fie Mo­de in Sze­ne? Und wer fo­to­gra­fiert da­bei ei­gent­lich wen? Das Tex­til­mu­se­um St.Gal­len gibt mit «Mi­se en Scè­ne» Ein­bli­cke in 120 Jah­re Mo­de­ge­schich­te. Es ist die letz­te Schau vor dem Mu­se­umsum­bau. 

Von  Vera Zatti
TMF 22 4 1 V

«Ich ma­che das für al­le, die auf ei­nen Ent­scheid war­ten.»

Seit elf Ta­gen be­fin­det sich Ve­lat Ay­din vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in St.Gal­len im Hun­ger­streik. Im Ge­spräch mit Sai­ten er­zählt der Kur­de, wo­her er kommt und wes­halb po­li­ti­scher Ak­ti­vis­mus so wich­tig ist.

Von  Daria Frick
DSC 6579

Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

Die St.Gal­ler Fest­spie­le sind vor­bei. Oper war in­door, draus­sen im Stadt­park spiel­te die End­zeit­ko­mö­die Pla­net B. Näh­me man die Bot­schaft des Stücks ernst, müss­te die Fest­spiel-Oper auch künf­tig res­sour­cen­scho­nend drin­nen blei­ben.

Von  Peter Surber
Festspiele planet b tanja dorendorf 1095

Zwi­schen Pon­gal und Turn­ver­ein

Sin­du­jan* lebt schon sein gan­zes Le­ben in der Schweiz. Die Ein­bür­ge­rung ist fast ab­ge­schlos­sen, war aber mit ho­hen Kos­ten und ei­nem un­an­ge­neh­men Ge­spräch ver­bun­den.

Von  Andi Giger
260707 Saiten 0807 08

Ei­ne kur­ze In­dus­trie­ge­schichg­te des Sit­ter­tals

Be­vor die Kunst Ein­zug hielt, war das Sit­ter­tal in­dus­tria­li­siert. Hier wur­de ge­stickt, ge­wirkt, ge­färbt, mer­ceri­siert – aber auch ge­streikt und ge­liebt.

Von  István Scheibler
260708 Sitterwerk Industriegeschichte Das Sittertal zu Zeiten der Motorenstickerei Rittmeyer Staatsarchiv W 054 51 D 8

Kolumne: Stimmrecht

Wer ist die ukrai­ni­sche Dia­spo­ra?

Von  Liliia Matviiv

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 2

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 2: Ki­nok-Open-Air, So­lar­ki­no, Chris­ta Nä­her – «Ex­cess», Li­ving Mu­se­um, Pool­bar Fes­ti­val, Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny und SP-Spa­zier­gän­ge. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps 7 The Long Seat

Wie ein Fisch im Was­ser

In der Kunst­ka­bi­ne bei der St.Le­on­hard-Brü­cke in St.Gal­len stel­len bis Sep­tem­ber vier Per­so­nen mit Be­ein­träch­ti­gung ih­re Kunst aus. Den An­fang macht Son­ja Lip­pu­ner mit ih­rer «Roll­stuhl­kunst».

Von  Roman Hertler
Whats App Image 2026 07 01 at 22 09 10

«Kul­tur ist nicht de­mo­kra­tisch, aber zen­tra­le Grund­la­ge der De­mo­kra­tie»

Die Kunst­gies­se­rei St.Gal­len und die Stif­tung Sit­ter­werk strah­len weit über die Re­gi­on hin­aus. Fe­lix Leh­ner, Grün­der und Lei­ter der Kunst­gies­se­rei, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Till Jäck­li so­wie Pa­tri­cia Hart­mann, Co-Lei­te­rin der Stif­tung Sit­ter­werk, spre­chen im In­ter­view über die letz­ten 40 Jah­re, ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und Zu­kunfts­plä­ne.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 01

«Schwei­gen gibt der Ge­walt Raum»

Ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Ge­walt ist auch in Ap­pen­zell Rea­li­tät, und doch wird zu we­nig dar­über ge­re­det. Mit der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung «we­r­om – schwät­ze statt schwi­ige» lu­den drei jun­ge Ap­pen­zel­le­rin­nen zum of­fe­nen Aus­tausch über Ge­walt, Prä­ven­ti­on und Zi­vil­cou­ra­ge.

Von  Marion Loher
Werom 4

Wenn Hei­mat flim­mert

Hei­mat – ein viel­schich­ti­ger Be­griff. Das Kunst­mu­se­um St.Gal­len spürt ihm ge­mein­sam mit der Werk­samm­lung der Schwei­ze­ri­schen Post nach. Zu se­hen ist die ent­stan­de­ne Schau «Hei­mat­flim­mern» bis En­de Ok­to­ber in St.Gal­len.

Von  Lisa Steurer
Ausstellungsansicht stian Stadler 1

Jung­brun­nen für den Dom

Die St.Gal­ler Fest­spie­le la­den, nach der letzt­jäh­ri­gen Pau­se, wie­der zum Tanz in die Ka­the­dra­le. Cho­reo­graf An­to­nio Ruz und die Tanz­kom­pa­nie neh­men den Raum mit Re­spekt in Be­schlag – samt dem Klos­ter­platz.

Von  Peter Surber
Bildschirmfoto 2026 06 29 um 11 44 42

Der «Landesverräter» war gern am Fluss

Ernst S. und die Sit­ter

Von  Roman Hertler
2502 Max Butz 05

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 1

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 1: Open­air-Ki­nos, Bla­bla­bor – «Gue­ril­la Ra­dio», Mi­chail Pir­ge­lis – «HYLE», «Hei­mat­flim­mern», Kul­tur­fes­ti­val St.Gal­len, Le­on­ce und Le­na, Kunst­spa­zier­gän­ge und Mu­sik im «Flööz­li» so­wie Rund­gän­ge zum Blu­men­wies und zur Schwamm­stadt. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Happily Aging Dying

Musik im Rorschacherberg

Schloss­mu­sik von Big Band bis In­die

Von  Vera Zatti
Sommerbuehne by Night

Der Wi­der­stand der Ama­zo­nas­frau­en

In Kon­stanz gas­tiert der­zeit die Grup­pe As Ka­ru­a­na – ein po­li­ti­scher Frau­en­chor aus dem Ama­zo­nas. Sie zeigt mit ih­rer Mu­sik, ih­rem Tanz, ih­rer Kunst und ih­rem Wis­sen po­li­ti­sche Ré­sis­tance und kämpft für die Rück­erobe­rung ih­rer in­di­ge­nen Kul­tur.

Von  Veronika Fischer
AS KARUANA Gruppenfoto4