«die begierde eine grenzgängerin» heisst es einmal im Text. Laura Vogt unternimmt diese Grenzgängerei in kurzen Texten, eher Textfragmenten, die ohne Satzzeichen auf- und wieder wegtauchen, als seien sie herausgefiltert aus einem vorher und nachher weiter strömenden Sprachfluss. «deine lippen fliegen auf als du lachst und nur mit deinen augen sprichst bin ich ganz ohr bin».
«der körper ein speicher»
Ein Ich und ein Du begegnen sich in diesen Sätzen, zwei Körper in einer Badewanne, Hände, die nach Händen tasten, Lippen, ein Knie, das anschlägt an der Wannenwand, aufgeplatzte Haut, Blut, anschwellende Lust nachher, «als würde deine haut saugen als würde deine haut sagen weiter geh weiter steig ein in mich leg dich zurecht in meiner brust aber glaube nicht du findest dort». Die knappen Sätze folgen dem Dreiklang: «der körper das chaos». «der körper die leere». «der körper ein speicher».
Laura Vogt / Amanda Züst: Filter, Eigenverlag 2015. Buchvernissage: Samstag, 28. November, Raum für Literatur in der Hauptpost St.Gallen: 17.30 Uhr Lesung und Musik, ab 16 Uhr Bar, Infos: hauptpost.ch
Grafikerin Amanda Züst begleitet den Sprachfluss mit Wasserbildern. Es sind Nahaufnahmen vermutlich einer Seeoberfläche, wellig bewegt oder fast regungslos. Die Fotos sind mit dem Druckverfahren der Risographie umgesetzt vom St.Galler Grafikbüro Sequenz. Die Bilder wirken beinah wie Malerei, mit aufgerauhter Flächigkeit und einer fliessenden Ruhe.
Laura Vogt (links) und Amanda Züst mit «Filter». (Bild: Appenzeller Zeitung)
«filter» ist ein Gemeinschaftswerk von Autorin und Gestalterin, beide Jahrgang 1989 und in Speicher aufgewachsen. Amanda Züst studierte Graphic Design an der Hochschule Luzern und arbeitet seit 2014 bei Sequenz. Laura Vogt hat 2015 das Studium am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel abgeschlossen und bereits mehrfach in Zeitschriften publiziert, so auch in Saiten (im Oktober 2014 und im Januar 2015).
literaturland.ch
Einen weiteren Auftritt hat Autorin Laura Vogt nächstens als Bloggerin auf der neuen Website literaturland.ch. Sie wird betrieben vom Amt für Kultur und der Kulturstiftung von Appenzell Ausserrhoden. «Literaturland» lanciert einen Schreibwettbewerb (Thema: Aussicht) und begleitet die geplante Herausgabe einer Appenzeller Anthologie.
Erster Roman kommt
Im kommenden Frühling erscheint Laura Vogts erster Roman in der Edition Literatur Ostschweiz. Er spielt zwischen der Schweiz, Hamburg und Kairo und verspricht eine spannende Mehrfachkonstellation. Zum einen politisch: Im Hinter- und zum Teil auch im Vordergrund der Geschichte stehen die politischen Umwälzungen des Arabischen Frühlings mit den Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz. Zum anderen persönlich: Die Hauptfigur des Romans stürzt sich in sexuelle und emotionale Abenteuer mit dem Ägypter Khaled und in familiäre Recherchen auf der Suche nach ihrem verlorenen Vater.
Laura Vogt riskiert im Roman, wie auch hier in den Textfragmenten unter dem Titel «Filter», Schilderungen von einer poetischen Präzision, die weit über den platten Voyeurismus literarischer «Feuchtgebiete» hinausgehen. Und die dem Körper sein Geheimnis lassen.
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Die Ansiedlung des Internet Archive Switzerland in St.Gallen ist Piero Stinelli zu verdanken. Er kontaktierte vor zehn Jahren die Verantwortlichen von archive.org aus eigenem Antrieb. In den 90er-Jahren war der Mitgründer von Vadian.net und Klang und Kleid ein Internetpionier.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.