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Körper-Sprache

Autorin Laura Vogt und Gestalterin Amanda Züst, beide aus Speicher, bringen gemeinsam «Filter» heraus: ein Stück erotischer Literatur, ganz in blau. Am Samstag ist Buchvernissage in St.Gallen.
Von  Peter Surber

«die begierde eine grenzgängerin» heisst es einmal im Text. Laura Vogt unternimmt diese Grenzgängerei in kurzen Texten, eher Textfragmenten, die ohne Satzzeichen auf- und wieder wegtauchen, als seien sie herausgefiltert aus einem vorher und nachher weiter strömenden Sprachfluss. «deine lippen fliegen auf als du lachst und nur mit deinen augen sprichst bin ich ganz ohr bin».

«der körper ein speicher»

Ein Ich und ein Du begegnen sich in diesen Sätzen, zwei Körper in einer Badewanne, Hände, die nach Händen tasten, Lippen, ein Knie, das anschlägt an der Wannenwand, aufgeplatzte Haut, Blut, anschwellende Lust nachher, «als würde deine haut saugen als würde deine haut sagen weiter geh weiter steig ein in mich leg dich zurecht in meiner brust aber glaube nicht du findest dort». Die knappen Sätze folgen dem Dreiklang: «der körper das chaos». «der körper die leere». «der körper ein speicher».

Laura Vogt / Amanda Züst: Filter, Eigenverlag 2015. Buchvernissage: Samstag, 28. November, Raum für Literatur in der Hauptpost St.Gallen: 17.30 Uhr Lesung und Musik, ab 16 Uhr Bar, Infos: hauptpost.ch

Grafikerin Amanda Züst begleitet den Sprachfluss mit Wasserbildern. Es sind Nahaufnahmen vermutlich einer Seeoberfläche, wellig bewegt oder fast regungslos. Die Fotos sind mit dem Druckverfahren der Risographie umgesetzt vom St.Galler Grafikbüro Sequenz. Die Bilder wirken beinah wie Malerei, mit aufgerauhter Flächigkeit und einer fliessenden Ruhe.

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Laura Vogt (links) und Amanda Züst mit «Filter». (Bild: Appenzeller Zeitung)

«filter» ist ein Gemeinschaftswerk von Autorin und Gestalterin, beide Jahrgang 1989 und in Speicher aufgewachsen. Amanda Züst studierte Graphic Design an der Hochschule Luzern und arbeitet seit 2014 bei Sequenz. Laura Vogt hat 2015 das Studium am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel abgeschlossen und bereits mehrfach in Zeitschriften publiziert, so auch in Saiten (im Oktober 2014 und im Januar 2015).

literaturland.ch

Einen weiteren Auftritt hat Autorin Laura Vogt nächstens als Bloggerin auf der neuen Website literaturland.ch. Sie wird betrieben vom Amt für Kultur und der Kulturstiftung von Appenzell Ausserrhoden. «Literaturland» lanciert einen Schreibwettbewerb (Thema: Aussicht) und begleitet die geplante Herausgabe einer Appenzeller Anthologie.

Erster Roman kommt

Im kommenden Frühling erscheint Laura Vogts erster Roman in der Edition Literatur Ostschweiz. Er spielt zwischen der Schweiz, Hamburg und Kairo und verspricht eine spannende Mehrfachkonstellation. Zum einen politisch: Im Hinter- und zum Teil auch im Vordergrund der Geschichte stehen die politischen Umwälzungen des Arabischen Frühlings mit den Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz. Zum anderen persönlich: Die Hauptfigur des Romans stürzt sich in sexuelle und emotionale Abenteuer mit dem Ägypter Khaled und in familiäre Recherchen auf der Suche nach ihrem verlorenen Vater.

Laura Vogt riskiert im Roman, wie auch hier in den Textfragmenten unter dem Titel «Filter», Schilderungen von einer poetischen Präzision, die weit über den platten Voyeurismus literarischer «Feuchtgebiete» hinausgehen. Und die dem Körper sein Geheimnis lassen.

 

 

 

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