, 4. Januar 2017
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Kontrabass und etwas Strom

Patrick Kessler und sein Kontrabass für einmal solo: Der Ausserrhoder Musiker hat ein Album mit Vinyl-Singles produziert. Auf die «Miniaturen» folgt im Sommer dann ein Grossprojekt.

Patrick Kessler und sein Bass sind nicht zu übersehen und zu überhören in der Ostschweizer Musikszene. In diversen Formationen und Kollaborationen ist der in Gais lebende Musiker präsent, immer ideensprühend, blendend vernetzt.

Kontrabass, komprimiert

Vom Kollaborateur Kessler später mehr – jetzt taucht er erst einmal solo auf. Er veröffentlicht ein Triple-Album, drei Vinyl-Singles zu je 6 Minuten, 18 Minuten mit «Kontrabass und etwas Strom». «Miniaturen» nennt er seine Kompositionen. Sie sind das Ergebnis rund einjähriger Arbeit und eines «bewusst gewählten Verdichtungsprozesses», der sich nicht zuletzt um die Frage drehte: Wie schafft man es, in drei Minuten musikalisch etwas zu sagen?

Patrick Kessler mit Vinyl und Chuchchepati. (Bild: zVg/Hanspeter Schiess)

Gar nicht so einfach, sagt Kessler, erst recht in der improvisierten Musik, die sich manchmal erst auf einem längeren Weg entwickelt und zu sich findet. In seiner bildhaft gewitzten Art (er denke auch musikalisch in Bildern, sagt er) nennt Kessler das Album Sum Sum: Der Bassist, normalerweise als Begleiter im Hintergrund gefragt, summe auf dem Heimweg seine Töne weiter und immer weiter, er suche nach den Klangpartikeln und stosse damit unversehens summend auf existentielle Fragen.

Sum Sum Summarum: 5. Januar, 19 Uhr, Nextex Projektraum im Konsulat an der Frongartenstrasse 9 in St.Gallen, mit Patrick Kessler und Fa Ventilato

Klang Moor Schopfe: 1. bis 10. September 2017
editiondubplaz.ch, weitere Infos: hier.

Aufgenommen hat er die Triple-Single zuhause im Appenzeller Bauernhaus, die Verpackung gestaltet die in Trogen lebende Künstlerin Karin Bühler, Plattentaufe war am 30. Dezember im Palais Bleu in Trogen, den Klang liefert das Chuchchepati Sound Systems. Das klingt definitiv fremdartig und sieht auch so aus: Lautsprecher in der Form gigantischer Trichter oder Hörrohre. Sie stammen aus Nepal, Kessler und sein Duopartner Sven Bösiger haben sie auf ihrer Nepal-Tournee kennengelernt und erworben. Inspirationen von dort, Klänge, Rhythmen, Melodien fliessen in Kesslers eigene Musik ein.

Dieses «Eigene», wie nennt er es? Improvisierte Musik trifft die Sache einigermassen genau, noch genauer: «Echtzeit Musik». Oder auch: «Der wohlpräparierte Kontrabass». Damit spielt Kessler auf Bachs «Wohltemperiertes Klavier» an, das, simpel gesagt, die Harmonik ausbalancierte, allen Tonarten die gleiche Wertigkeit gab – aber um den Preis einer eingemitteten Ton-Reinheit, die Kessler zunehmend weniger behagt.

Im Sommer klingen die Schopfe

Nach diesem Exkurs in die Untiefen der Harmonik die Exkursion in die hügligen Höhen. Dort hat Kessler zum einen das «Improvisorium» ins Leben gerufen: Statt das Publikum zur Musik zu holen, kommen Musikerinnen und Musiker zu den Leuten in deren gute Stube. Die «Appenzeller Stuben für improvisierte Musik» sind erst am Anlaufen – während bereits eine andere grosse Kessler’sche Kiste sich ankündigt: Ende August eröffnen für zehn Tage die «Klang Moor Schopfe». Acht alte, landwirtschaftlich genutzte Scheunen, eben «Schopfe», auf der Hochebene beim Stoss werden von Klangkünstlerinnen und -künstlern bespielt.

Die Teilnehmenden sind so international wie hochkarätig – Namen wie Norbert Möslang, Albert Oehlen oder Roman Signer aus der Nähe, daneben die Spanierin Vanessa Lorenzo, Rupert Huber aus Wien, die sibirische Audiokünstlerin Olga Kokcharova, Svetlana Maras aus Belgrad, Jason Kahn aus den USA, das Norient Netzwerk Bern und andere. Mit akustischen und installativen Mitteln soll die Landschaft «ausgelotet» werden.

Festivals gibt es zwar reichlich, aber dieses muss man sich vormerken für einen Trip in die klingenden Ausserrhoder Hügel: im Spätsommer auf den Stoss.

Aktualisierte Fassung des Beitrags im Januarheft von Saiten.

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