, 23. März 2010
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Krawall-Presseschau

Letzten Sonntag war der Tag, an dem Karin Keller Sutter (FDP) in der «Sonntagszeitung» gross als Kandidatin für  die Nachfolge von Hans-Rudolf Merz (UBS) portiert wurde. Gleich zweimal mit Bild. Es war aber auch der Tag, an dem ihre rein repressive Strategie gegen Gewalt im Fussball öffentlich Schiffbruch erlitt. Davon konnte sich jeder Matchbesucher überzeugen: […]

Letzten Sonntag war der Tag, an dem Karin Keller Sutter (FDP) in der «Sonntagszeitung» gross als Kandidatin für  die Nachfolge von Hans-Rudolf Merz (UBS) portiert wurde. Gleich zweimal mit Bild.

Es war aber auch der Tag, an dem ihre rein repressive Strategie gegen Gewalt im Fussball öffentlich Schiffbruch erlitt. Davon konnte sich jeder Matchbesucher überzeugen: Trotz beispiellos strikten Kontrollen brannte im Basler Sektor gleich dreimal Feuerwerk. Mal davon abgesehen, dass Pyros überhaupt nicht das Problem sind. Bloss für alle sichtbar. Und deshalb die grösste Provokation für alle rechtsbürgerlichen Populisten, die meinen, sie hätten irgendetwas im Griff.

Das Scheitern der  Repression ohne Dialog – mit der sich Karin Keller Sutter schweizweit profiliert hat – lässt sich in den heutigen Zeitungen nachlesen.

Beispielsweise im «Tagblatt» zu den Auseinandersetzungen nach dem Spiel am Bahnhof Winkeln:

Grund für die Zug-Blockade war, dass die Basler auf zehn ihrer Mitglieder warten wollten, die vor dem Spiel bei der Eingangskontrolle wegen Pyro-Besitz und Raufhandel verhaftet worden waren. «Das hatten wir der Polizei auch so kommuniziert», sagt Thomas Gander, Co-Leiter der Fanarbeit Basel. Während der gesittet verlaufenden Verhandlungen sei die Polizei dann aber unvermittelt auf den Zug gestürmt, habe mit Gummischrot geschossen und «Tränengas in den Zug geleitet», so Gander. Er bezeichnet das Vorgehen der St. Galler Polizei als «unverhältnismässig» – sie habe mit ihrem Einsatz auch normale Fussball-Fans getroffen.

Gander kritisiert zudem das «aggressive Auftreten» des privaten Sicherheitsdienstes «Delta» bei der Eingangskontrolle zum Gästesektor der AFG Arena. Dies sei kontraproduktiv: «In der Fanszene spricht sich rum, dass in St. Gallen rigoros durchgegriffen wird – und das zieht auch Leute an, die den Konflikt suchen.»

Etwas weiter holt die Basler Zeitung in einer Vorschau auf den Match FCB – FCZ vom Mittwoch aus. Sie thematisiert darin auch die Kontrollen in St.Gallen:

In St. Gallen schwingt sich Regierungsrätin Karin Keller-Sutter zur Wortführerin der Hardlinerfraktion auf. Schnellrichter im Stadion und rigorose Einlasskontrollen, lautet das Rezept. Verfolgt werden so aber nicht nur Gewalttäter, es wird in erster Linie Jagd auf illegales Feuerwerk gemacht.
Beim Spiel St. Gallen – FCB sah das dann so aus: Keller-Sutter ernannte die Partie öffentlich zur Nagelprobe für ihr neues Regime. Basler Ultras ihrerseits fühlten sich bemüssigt, beweisen zu müssen, dass es trotzdem möglich ist, Pyromaterial in der AFG-Arena zu zünden. Das Ergebnis laut Zeugenaussagen: Bei jugendlichen Zuschauern wurden auch die Genitalien abgetastet, Entrüstung, Verhaftungen, Solidarisierung mit den Verhafteten, Tränengas, Gummigeschosse, Verletzte. Und im Stadion brannten trotzdem Fackeln.

FCB-Vizepräsident Bernhard Heusler macht im gleichen Artikel Aussagen, die sich als klare Distanzierung zum Vorgehen in St.Gallen lesen:

Für Heusler jedenfalls steht fest, dass bei den auswärtigen Supportern nicht der Eindruck entstehen darf, «dass sie ein Kriegsgebiet betreten». Er behauptet erst gar nicht, ein Patentrezept zu kennen: «Aber man kann mit Kommunikation und Massnahmen das Risiko für Ausschreitungen verkleinern oder auch vergrössern.»
Heusler hat die Einlasskontrollen bei den Gästesektoren als neuralgische Zone ausgemacht, in der häufig Konflikte ausbrechen. Deswegen plädiert er für einen landesweiten Minimalstandard: «Dort müssen erfahrene Profis arbeiten. Und die Fans sollten bereits vor der Reise wissen, was sie erwartet – nämlich überall grundsätzlich dasselbe.»

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