, 28. September 2014
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Kultur bleibt im Sattel

Das Reithallen-Nein ist gefallen. So massiv, wie man es befürchten musste: mit 16’964 Nein-Stimmen gegen 4’246 Ja. Antipathie gegen die Kultur allgemein soll man daraus nicht ablesen.

Drei Nein-Gründe dürften sich kumuliert haben.

Erstens: Sympathie für die Reiter und Voltigiererinnen. Die Reithalle soll Reithalle bleiben. Ein Nischensport zwar, aber auch Jugendförderung, und dies an idealer Stelle in der Stadt: Das Motiv hat viele Leute überzeugt.

Zweitens: Skepsis gegenüber der Eventkultur. Dass ein Saal für 1000 Leute in der Stadt fehlt, ist zwar unbestritten. Viele Nein-Stimmende, auch innerhalb der Kulturszene (die es als geschlossene Szene sowieso nicht gibt) waren aber der Meinung, es brauche dieses Zusatzangebot nicht, in der Stadt fänden genug Konzerte und Klubanlässe statt, zu fördern wären vielmehr kleinere, spontanere, mobilere Kulturinitiativen.

Drittens: Bedenken zur Finanzierung. Zum einen war von Seiten der Initianten das Spektrum möglicher Ideen für die Halle so gross, dass niemand genau wusste, wozu er Ja sagt. Zum andern wären auf die Stadt Millionenkosten für den Umbau der sanierungsbedürftigen und akustisch unbefriedigenden Halle zugekommen, vermutlich später auch für den Betrieb. Dass dieser dereinst kostendeckend ausfallen würde, glaubte kaum jemand.

Kam hinzu: Die Promotoren der Reithallen-Idee rund um Etrit Hasler und Lukas Hofstetter sind im Regen stehen gelassen worden. Von Seiten der Vereine (von den Guggenmusiken bis zur Stadtmusik) waren zwar Vertreter im Komitee, öffentlich hat  sich aber niemand stark gemacht für einen Vereinssaal, als der eine künftige Kultur-Reithalle ja auch hätte dienen sollen.

So kam es zum wuchtigen Nein. Fatal wäre, wenn das Resultat jetzt als generelles Votum gegen Kulturgelder überinterpretiert würde. Bei den städtischen Sparmassnahmen ist die Kulturförderung bis jetzt weitgehend verschont worden – von Seiten der Privatwirtschaft fliessen aber immer weniger Mittel in die Kultur, insbesondere wenn diese nicht spektakulär und also für Sponsoren uninteressant ist.

Umso wichtiger bleibt eine solide und selbstverständliche öffentliche Kulturförderung. Und umso wichtiger bleibt die städtische Unterstützung für kleinere gefährdete Kulturräume wie KuGl oder Rümpeltum. Das Nein zur Reithallen-Initiative war kein Nein zur Kultur, sondern ein Nein zu einem mit zu viel Unwägbarkeiten behafteten Kulturprojekt.

Die Umnutzung der Halle ist damit vorerst vom Tisch. Den Initianten ist zu danken, dass sie die Diskussion erneut ins Rollen gebracht und den Finger darauf gehalten haben: Die «Rösseler» profitieren von einem Status, der dem Reithalle-Reglement widerspricht. Denn dass auch Reit- und Hundesport Kultur sei, hat man im Abstimmungskampf zwar bis zum Abwinken gehört.

Wahrer wird der Satz deshalb nicht. Nicht jede sinnvolle und zwischenmenschlich oder tierisch anregende Freizeitbeschäftigung ist Kultur – zumindest nicht in einem enger gefassten und damit politisch praktikablen Begriff. Sport bleibt Sport. Kultur bleibt Kultur. Und diese bleibt im Sattel. Auch nach dieser Abstimmung.

 

Bild: Hannes Thalmann

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