Der St.Galler Stadtrat will 30 Millionen Franken einsparen, um möglichen Steuerausfällen wegen der Corona-Pandemie entgegenzuwirken. Betroffen sind unter anderem das Kunstmuseum und das aktuelle Kulturschaffen. Dagegen wehrt sich die IG Kultur Ost mit einem Kulturappell.
Der St.Galler Stadtrat sei schweizweit die erste Regierung, die mitten in der Bewältigung des Lockdowns harte Spareinschnitte beschliesst, kritisiert der Kulturappell. Gespart werden soll auf Kosten der Eltern (Tagesbetreuung), des Personals (Stellenreduktion), der Infrastruktur (Strassenunterhalt) sowie auf Kosten der Kultur: Die Sanierung des Kunstmuseums soll um mehrere Jahre aufgeschoben werden, das aktuelle Kulturschaffen erhält weniger Geld.
Die IG Kultur Ost spricht in ihrer Medienmitteilung von einer «Angststrategie».
Der Aufruf richtet sich an erster Stelle gegen den vor rund zwei Wochen aus heiterem Himmel kommunizierten Entscheid des St.Galler Stadtrats, die geplante Sanierung des Kunstmuseums um mehrere Jahre aufzuschieben. Die Erweiterung und Renovation des Museums sei seit bald zwanzig Jahren unbestritten dringlich, heisst es im Appell. Seit 2012 liegt ein Bau-Projekt vor, die Finanzierung sei durch Stadt, Kanton und Private gesichert. Werde das Projekt auf die lange Bank geschoben, sei diese Finanzierung gefährdet. Der Bau müsse zudem dringend saniert werden.
Neben dem Kunstmuseum sind auch das aktuelle Kulturschaffen und das Bildungsangebot «Kunst & Handwerk» betroffen. Zehn Prozent weniger freie Projektförderung: Damit sei der Spareffekt für die Stadtkasse minim, der Schaden für viele Projekte und das Publikum aber gross. «Statt kulturellem Aufbruch droht der Rückbau», schreiben die Initianten.
Schliesslich unterstreicht der Appell: «Kultur ist systemrelevant, auch in St.Gallen, auch in der Ostschweiz.» Die Sparmassnahmen kämen nach der Coronapandemie im schlechtesten Moment. «In der Krise braucht es eine antizyklische Wirtschaftspolitik und eine zukunftsgerichtete Kulturpolitik: Stoppen wir die Abbau-Politik des St.Galler Stadtrats! Sanieren wir das Kunstmuseum! Sichern wir der Kultur ihre Zukunft!»
Erstunterzeichnet ist der Appell von rund 50 Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft. Darunter sind prominente Namen aus dem Kunstbereich wie Roman Signer, Norbert Möslang, Patrick Rohner, Josef Felix Müller, Sitterwerk-Gründer Felix Lehner, die Sammler Ruedi und Edith Mettler-Wahlandt oder der frühere Erker-Galerist Urs Ullmann. Unterzeichnet haben den Appell auch Ständerat Paul Rechsteiner und Nationalrätin Franziska Ryser, die Direktoren der städtischen Museen, Kinokleiterin Sandra Meier, Schauspieldirektor Jonas Knecht und zahlreiche Kulturschaffende und Kulturinteressierte aus allen Sparten.
Inzwischen umfasst die Liste der Unterzeichnenden bereits rund 200 Personen. Unterzeichnet werden kann der Aufruf auf kulturappell.ch.
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