Kategorie
Autor:innen
Jahr

Kulturgeld: Scheitlins Antworten

Der Sparbefehl des St.Galler Stadtrats für Sitterwerk und Palace wirft weitere Wellen. Eine dringliche Interpellation der SP-Fraktion will ihn rückgängig machen. Stadtpräsident Thomas Scheitlin verteidigt den Entscheid: Hier seine Antworten auf die Saiten-Fragen.
Von  Peter Surber , 
Stadtpräsident Thomas Scheitlin bei der ersten Forumsveranstaltung für das neue Kulturkonzept im August 2018 in der Lokremise. (Bild: Simon Netzle)

«Wir verlangen, dass der Stadtrat die Kürzung der für 2019 bewilligten Betriebsbeiträge von Palace und Sitterwerk sofort korrigiert und den ursprünglichen Betrag ausrichtet.» So steht es in der Medienmitteilung der SP-Fraktion zur dringlichen Interpellation, die sie morgen Dienstag im Stadtparlament einreicht. Der Protest gilt dem Entscheid des Stadtrats, den beiden Kulturinstitutionen die beantragten Subventionserhöhungen zu streichen. Bereits zuvor war eine Petition mit dem gleichen Anliegen lanciert worden.

Die SP sieht im Stadtratsentscheid zum einen eine Brüskierung des Parlaments. Und zum andern stellt sie grundsätzlich fest: «Die Stadt St.Gallen muss als Arbeits- und Lebensort attraktiv bleiben. Dazu gehört ein aktives Kulturleben, das unterschiedliche Bedürfnisse der St.Gallerinnen und St.Galler berücksichtigt. Wir sind überzeugt, dass der Stadtrat spätestens bei der Behandlung des neuen Kulturkonzepts erkennen wird, welche Ausstrahlung Palace und Sitterwerk weit über die Stadtgrenzen hinaus haben.»

Bereits vor Bekanntwerden der Interpellation hat Saiten sechs Fragen an Stadtpräsident Thomas Scheitlin zum Thema gestellt. Hier sind seine Antworten. Sie lassen nicht unbedingt auf viel Musikgehör für das Anliegen der Interpellation schliessen – aber diese wird erst an der morgigen Parlamentssitzung eingereicht und voraussichtlich im Februar vom Stadtrat beantwortet.

 

Herr Scheitlin, wie passt die Einsparung von 25’000 Franken zur gleichzeitigen Erarbeitung des neuen Kulturkonzepts, mit der die Stadt gemäss Ihrer Aussage die kulturelle «Glut am Glühen» erhalten und neue Bereiche erschliessen will?

Thomas Scheitlin: Ich muss vorausschicken, dass es sich nicht um eine Kürzung handelt. Das Palace erhält weiterhin eine Subvention von jährlich 200’000 Franken, das Sitterwerk eine solche von 70’000 Franken. Diese Beiträge sind unbestritten. Es ging also nicht um eine Streichung sondern um die Ablehnung einer Erhöhung der Beiträge. Das Kulturkonzept ist ein auf Langfristigkeit ausgelegtes Strategiepapier. Es definiert die kulturpolitische Ausrichtung für die kommenden Jahre. Es ist damit die Basis für die zukünftige Allokation der Kulturgelder. Glut am Glühen halten heisst nicht einfach mehr Geld ausgeben. Es kann auch heissen, Geld anders ausgeben. Wie das dann schlussendlich aussieht, wird sich im Verlaufe dieses Jahres nach Erarbeitung des Kulturkonzeptes zeigen.

Die beantragten Beitragserhöhungen für Palace und Sitterwerk waren gut begründet, deren Leistungen unbestritten. Warum dann trotzdem das Nein des Stadtrats?

Für den Stadtrat sind die Leistungen der beiden Institutionen wichtig und unbestritten. Er hat deshalb die bestehenden Subventionen nicht gekürzt. Es ist aber die Aufgabe des Stadtrates, eine nachhaltige, langfristige Finanzpolitik sicherzustellen. Ausgehend vom Budget 2019 zeigt die Finanzplanung 2020 bis 2022 stark steigende Aufwandüberschüsse, die sich durch die Steuerfussenkung noch verstärkt haben. Auslöser für die steigenden Aufwandüberschüsse sind Megatrends wie die Demografie (Pflegefinanzierung), gesellschaftliche Entwicklungen mit Folgen im Ausbau des flächendeckenden Betreuungsangebotes, Kinderkrippenangebotes, Sozialhilfekosten, Sicherheit (24-Stundengesellschaft), Mobilität, um nur die Wichtigsten zu nennen. Andererseits steht seitens Bund und Kanton eine Steuergesetzrevision an, die direkte Auswirkungen auf die Erträge haben wird. Sollten die in der Finanzplanung aufgezeigten Defizite, vermehrt um den Betrag der Steuerfusssenkung, eintreffen, so wäre das Eigenkapital der Stadt in drei Jahren, also 2022 aufgebraucht. In der Folge müssten harte Massnahmen ergriffen werden. Es gehört deshalb zu den Aufgaben des Stadtrates, Massnahmen zur langfristigen Abstimmung von Aufwand und Ertrag zu prüfen und wenn notwendig auch umzusetzen. Dabei wird sicher das Ausgabenwachstum im Fokus sein und der Stadtrat wird Massnahmen zur Begrenzung des Aufwandwachstum in Betracht zu ziehen haben. Er hat festgehalten, dass er jetzt mit Blick auf die noch erhöhten Defizite der Folgejahre, für das Jahr 2019 alle Erhöhungen von Ausgaben noch einmal kritisch hinterfragen wird.

Entscheidet der Stadtrat wie im Fall Palace/Sitterwerk auch künftig von Mal zu Mal über Kürzungen, oder gibt es ein Gesamtpaket oder Sparpakete nach Direktionen?

Ausgabenbeschlüsse jeder Art, die in der Kompetenz des Stadtrates liegen, müssen mit einem Stadtratsbeschluss beantragt und bewilligt werden. Das ist der gängige Prozess. Dabei kommt es immer wieder vor, dass ein Antrag aus einer Direktion vom Gremium abgelehnt oder gekürzt wird. Im Zuge der langfristigen Finanzpolitik steht für den Stadtrat generell die Ausgabenseite im Fokus. Ein Beschluss über das Vorgehen hat der Stadtrat noch nicht gefasst.

Wie hoch ist die Finanzkompetenz des Stadtrats bei solchen Ad-hoc-Entscheiden?

Es handelt sich nicht um Ad-hoc-Entscheide. Die beiden Erhöhungen lagen in der Kompetenz des Stadtrates. Der Budgetbeschluss des Stadtparlamentes ist eine Ermächtigung, die gesprochenen Gelder auszugeben. Es ist aber noch kein Beschluss, dass diese Gelder ausgegeben werden müssen. Der Stadtrat kann in jedem Fall entscheiden, dass er einen bestimmten Betrag nicht ausgeben will. Zu den Finanzkompetenzen des Stadtrates sei auf den Anhang zur Gemeindeordnung verwiesen.

Sind weitere Kürzungen im Bereich Kultur zu erwarten – zum Beispiel bei Institutionen, die bis zum 20. Dezember ihr Jahresprogramm einreichen mussten?

Es handelte sich wie gesagt nicht um Kürzungen. Die Subvention ist in ihrer ursprünglichen Höhe bestehen geblieben. Der Stadtrat wird mit Blick auf die erhöhten Defizite sämtlich Aufwanderhöhungen, die eine langfristige Auswirkung haben, kritisch hinterfragen. Bei Institutionen, die jeweils jährlich ihr Programm einreichen, wird der Beitrag zuerst in der Kulturkommission geprüft und anschliessend durch die Direktion Inneres und Finanzen dem Stadtrat zum Entscheid vorgelegt. Die Festlegung des Beitrages basiert immer auf dem Programm.

Die rund 5 Millionen an Einsparungen sind voraussichtlich nur über Stellenreduktionen möglich – wo gibt es da «Luft nach oben», wie zum Beispiel die SVP an der Budgetsitzung gesagt hat?

Wenn mit Luft nach oben Einnahmenerhöhungen gemeint sind, so sehe ich derzeit kein Potenzial, das 5 Millionen Franken zu kompensieren vermag. Die Kompensation der erhöhten zukünftigen Defizite wird also schwergewichtig über die Aufwandseite zu erfolgen haben. In einem Dienstleistungsbetrieb wie der Stadtverwaltung erfolgt die Leistungserstellung durch Mitarbeitende. Dass deshalb auch die Beurteilung des Personalbestandes als grösster Kostenblock nicht ausgeschlossen bleiben darf, ist offensichtlich. Im Mittelpunkt stehen aber die Leistungen und Art deren Erbringung.

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover