Kategorie
Autor:innen
Jahr

Kulturkonzept: Schritte statt Sprünge

Keine Grosstaten, aber Verbesserungen im Kleinen bringt das Kulturkonzept 2020 der Stadt St.Gallen. Es kostet knapp eine halbe Million Franken zusätzlich – für Stadtpräsident Thomas Scheitlin «verkraftbar».
Von  Peter Surber
Kulturkonzept leicht bewölkt - die Wortwolke des zweiten Kulturforums.

Das Kulturkonzept 2020 nennt keine Institutionen oder Kultursparten, sondern Ziele und Handlungsfelder. Ein bewusster Entscheid: Nicht am «Wer oder Was», sondern am «Wie» solle sich die Kulturförderung der Stadt im nächsten Jahrzehnt orientieren, sagte Stadtpräsident Thomas Scheitlin am Montag bei der Vorstellung des Kulturkonzepts 2020.

Gut möglich, dass am 19. November, wenn das Konzept ins Stadtparlament kommt, aber doch über das «Wer und Was» diskutiert wird. Konkret: über Krediterhöhungen an sechs Institutionen, jeweils als separate Vorlagen traktandiert.

Sparbefehle korrigiert

Es sind, zum Teil, Korrekturen: Das Palace erhält 10’000 Franken mehr im Jahr, das Sitterwerk 15’000 Franken, also genau jene Beiträge, die der Stadtrat für 2019 gestrichen und sich damit harschen Protest eingehandelt hatte. Ebenfalls eine Wiederauflage sind die 150’000 Franken zusätzlich für das Textilmuseum und dessen Neuausrichtung.

Zwei weitere Subventionserhöhungen, je 15’000 Franken für die Kunsthalle St.Gallen und für die Grabenhalle, sind begründet als Anpassung nach zehn Jahren «eingefrorener» Subvention. Schliesslich soll das Figurentheater für seine Neuausrichtung und Programmerweiterung 60’000 Franken zusätzlich erhalten.

Diese wiederkehrenden Mehrausgaben sind zwar nicht Teil des Konzepts, aber sie lösen gemäss Scheitlin einen Anspruch des Konzepts und der Vision 2030 der Stadt ein: Institutionen oder Veranstaltungen besonders zu fördern, die über die Stadt hinaus «nationale und internationale Ausstrahlung» haben.

Gehör für die «Freien»

Vielfalt pflegen, Verbindungen fördern, Teilhabe stärken, Neues ermöglichen, Kultur kommunizieren und Schnittstellen etablieren: So heissen die sechs Handlungsfelder. Entwickelt wurden sie unter Leitung der städtischen Kulturförderung (Barbara Affolter und Kristin Schmidt) in einem rund zweijährigen Verfahren, unter anderem aus Interviews und in zwei Forumsdiskussionen (hier und hier) mit Kulturschaffenden.

Eine der in den Foren (und seit Jahren) geäusserten Forderungen der städtischen Kulturszene hat nun Eingang ins Konzept gefunden: ein Werk- und Aufführungshaus für die freie Theaterszene. 20’000 Franken sind im nächsten Jahr für erste Erkundungen geplant – damit sei das Haus zwar weder gefunden noch finanziert, «aber wir wollen den Gedanken weiterdenken und nicht von Anfang an sagen: Das kommt nicht in Frage», sagt Scheitlin. Im Konzept ist von einem «Raum mit Intendanz für die freie Szene als Produktions-, Arbeits-, Veranstaltungs- und Ausstellungsort» die Rede.

Zusätzlich will die Stadt freie Theatergruppen künftig mit mehrjährigen Fördervereinbarungen solider als bisher unterstützen. Die Zahl der Werkbeiträge wird von sechs auf acht erhöht, und der Kredit für diverse Projektförderungen steigt um 50’000 auf 290’000 Franken (eine gute Nachricht für Veranstalter, die zunehmend unter den Folgen der Kulturplafonierung des Kantons leiden). Zudem will die Stadt Kooperationsprojekte oder Mentoring-Initiativen besonders berücksichtigen.

Nicht genannt ist hingegen die Idee eines Literaturhauses, wie es eine Gruppe um die Frauenbibliothek Wyborada propagiert. Literarisch sei schon heute viel los mit diversen Akteuren, sagte Scheitlin auf eine entsprechende Frage. Zudem könnte dereinst in einem «Haus der Freien» eventuell auch die Literatur Platz finden.

Wundertüte Soziokultur

Noch wenig konkret bleiben die Pläne unter dem Stichwort der kulturellen Teilhabe und der in einem SVP-Postulat gewünschten Förderung der Laienkultur. Vernetzung, Vermittlung und Soziokultur sind als Ziele im Konzept zwar gross geschrieben – Kriterien und Zuständigkeiten dafür müssten jedoch erst noch definiert werden, unter anderem zusammen mit den Schulbehörden. Stärker gefördert werden soll jedenfalls die Kulturarbeit in den Quartieren. Und bereits aufgegleist ist, zusammen mit dem Kanton und Saiten, das Projekt einer gemeinsamen Veranstaltungsagenda – auch dies einer der vielfach geäusserten Wünsche der Kulturszene.

Hingegen kommen zwei der «Grossbaustellen» im Kulturleben der Stadt nicht vor im Kulturkonzept: die geplante Hauptstadt-Bibliothek und der Umbau des Kunstmuseums. Die Museumsprojektierung sei im Investitionsplan für 2021 vorgesehen – als Bauvorlage jedoch kein Thema für die Kulturförderung, sagt Scheitlin auf Nachfrage. Und die künftige Bibliothek gilt ebenfalls nicht als Aufgabe der Kulturförderung, sondern der Bildung.

Zu viel? Zu wenig?

Das neue Kulturkonzept verspricht keine «Leuchttürme», sondern will gezielter fördern, vernetzen und sichtbar machen, was schon da ist. Die verschiedenen Massnahmen summieren sich auf insgesamt knapp eine halbe Million Franken im Budget 2020.

Ob er dagegen Widerstand erwartet, liess der Stadtpräsident bei der Präsentation offen. Allfälliger Kritik aus der Sparecke hielt er entgegen, die Ausgaben seien sowohl verkraftbar als auch durch die Vision 2030 abgestützt, welche für die Stadt als Kulturzentrum der Ostschweiz ein «reichhaltiges Kulturangebot auf allen Ebenen und in allen Sparten» festschreibe. Und der Vorwuf, dass der «grosse Wurf» fehle? Das Konzept orientiere sich am Machbaren, sagt Scheitlin. Die Ausgaben für Kultur müssten im Verhältnis stehen zu den anderen Staatsaufgaben.

 

 

 

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
Whats App Image 2026 08 26 at 08 36 26

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5