, 4. Oktober 2012
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Kulturpreis-Extreme

Soll Kultur sperrig oder mehrheitsfähig sein, soll sie unterhalten oder verstören? Die Diskussion ist alt, neu entfacht wurde sie durch das Buch „Kulturinfarkt“, und wie ein Abbild dieser Diskussionen wirkt, wie die St.Gallische Kulturstiftung diesmal ihren jährlichen Kulturpreis vergibt: nämlich doppelt. An zwei Kulturschaffende, deren Werk nicht gegensätzlicher sein könnte. Filmemacher Michael Steiner steht mit […]

Soll Kultur sperrig oder mehrheitsfähig sein, soll sie unterhalten oder verstören? Die Diskussion ist alt, neu entfacht wurde sie durch das Buch „Kulturinfarkt“, und wie ein Abbild dieser Diskussionen wirkt, wie die St.Gallische Kulturstiftung diesmal ihren jährlichen Kulturpreis vergibt: nämlich doppelt. An zwei Kulturschaffende, deren Werk nicht gegensätzlicher sein könnte.

Filmemacher Michael Steiner steht mit Filmen wie „Mein Name ist Eugen“, „Grounding“ oder „Sennentuntschi“ für ein helvetisches Kino, das die populären Stoffe und damit das breite Publikum sucht – und zumeist auch findet, sieht man vom jüngsten Steiner-Misserfolg „Das Missen-Massaker“ ab. Komponist und Pianist Alfons K. Zwicker hat zuletzt mit der kontroversen Oper „Der Tod und das Mädchen“ in Dresden und St.Gallen Aufsehen erregt; die St.Galler Inszenierung gibt es inzwischen auch auf CD. Zwicker komponiert kompromisslos bis zur Grenze des Aufführbaren jene Klänge, die für ihn die richtigen und notwendigen sind – und findet damit ein in der Regel handverlesenes Spezialistenpublikum.

Beides ist Kultur, beides hat seine Legitimation, sagt die St.Gallische Kulturstiftung mit ihrem Doppel-Anerkennungspreis zu Recht. Bleibt ein weiterer Unterschied: Zwicker ist in der Stadt und Region verankert, hier tätig und in Konzerten immer wieder präsent. Steiner hat man bisher kaum als St.Galler wahrgenommen – aber die Papierform stimmt,der Regisseur stammt aus Rapperswil-Jona.

Die Preise sind mit je 20000 Franken dotiert, und hier berühren sich die beiden Extreme vermutlich doch noch: Beide werden das Geld gut brauchen können, denn weder mit helvetischem Kino noch mit neuer Klassik wird man reich.

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