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, 30. April 2018
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Kulturprotest in Vorarlberg

In Vorarlberg macht die Zahl 6 Furore – rund 1000 Menschen protestierten am Samstag gegen die Verschiebung der Radiosendung «Kultur nach 6» in den späteren Abend und für eine qualitätvolle Kulturberichterstattung. von Mirjam Steinbock.

Viel Publikum fand sich bis in den Abend hinein auf dem Dornbirner Marktplatz ein, um das maniFEST zu feiern. Es folgte der Initiative zahlreicher Kulturschaffender, die dazu aufriefen, die Vielfalt der Vorarlberger Kultur sichtbar zu machen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk an seinen Kulturauftrag zu erinnern. Anlass gab die von ORF-Landesdirektor Markus Klement im letzten Jahr veranlasste Verschiebung des Radioformats «Kultur nach 6» auf eine Sendezeit nach 20 Uhr; Einladungen zu einer öffentlichen Diskussion hatte Klement in der Folge mehrfach ausgeschlagen.

«Kultur braucht Öffentlichkeit und Öffentlichkeit braucht Kultur» war die Devise des Abends. Zahlreiche Persönlichkeiten des Landes, Künstlerinnen und Künstler sowie kulturell engagierte Menschen aller Generationen beteiligten sich mit Musik, Performance, Tanz und Poesie und äusserten sich in Statements zum Thema Kulturjournalismus. Moderiert wurde das maniFEST von Manuela Mylonas (Alpinale Nenzing) und Hanno Loewy (Jüdisches Museum).

Das Netzwerk Tanz in Aktion beim ManiFEST. (Bilder: Matthias Rhomberg)

Zu den veranstaltenden Vereinen gehören die IG Kultur Vorarlberg, IG Freie Theater, netzwerkTanz Vorarlberg, der Landesverband für Amateurtheater, das literatur:vorarlberg netzwerk und die Plattform gegen den Kulturabbau im ORF. Sie erstellten in nur acht Wochen ein durchmischtes Programm, das auf insgesamt drei Bühnen stattfand und das Publikum zum Mitwirken anregte. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler aus Vorarlberg, Tirol, der Steiermark, Wien und Deutschland verzichteten auf ihre Honorare und nahmen in ihren Performances immer wieder Bezug auf das Thema des Abends. Mehrfach betonten sie die Wichtigkeit einer ausführlichen Kulturberichterstattung und forderten die Rückverlegung der Sendung auf ihren ursprünglichen Platz.

Dazu gehörten unter anderen der Autor Michael Köhlmeier, der zwar nicht persönlich anwesend war, in einer Grussbotschaft jedoch unter anderem sagte: «Das Beste, was eine Institution wie der ORF leisten kann, ist kritische Öffentlichkeit herzustellen, das Lebenselixier der Demokratie.»

Der Musiker Ulli Troy, der mit Evelyn Fink-Mennel, Andreas Paragioudakis und der Tanzkompanie bewegungsmelder den «Tango Regionale» spielte, gab zu bedenken: «Wenn man etwas mit Gewalt hintertreiben möchte, dann drängt man es an den Rand, und genau das ist mit ‚Kultur nach 6’ geschehen.»

Auch Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen und Autoren aus Wien liess sein über die Kulturzeitschrift veröffentlichtes Statement über die Verlegung der Sendung öffentlich verlesen: «Eine solche demonstrative Brüskierung einer gesamten Landes-Kunst- und Kulturszene muss man erst einmal zustande bringen. Dabei kann es nicht bleiben, so lange es ein ORF Landesstudio Vorarlberg gibt.»

Die Kunsthistorikerin Verena Konrad vom Vorarlberger Architektur Institut betonte die wichtige Arbeit der Kulturjournalistinnen: «Wir haben heute in der Kulturredaktion des ORF das grosse Glück, dass hier nach wie vor Redakteurinnen und Redakteure am Werk sind, die ihr Handwerk verstehen, die klug sind, die sprachmächtig sind und die eine Liebe zur Kultur haben, und ich möchte sie wirklich gern in dieser Arbeit unterstützen.»

Die Theaterschaffende Elke Maria Riedmann bestätigte ebenfalls die ausgezeichnete Arbeit der Kulturredakteur_innen des Landessenders und berichtete von ihren Erfahrungen durch die Verlegung des Radioformats.

Der bildende Künstler Gottfried Bechtold wandte sich direkt an den ORF Landesdirektor und erinnerte an dessen Abwesenheit bei einer öffentlichen Diskussion im Landesmuseum letztes Jahr, die er als «schamlose Frechheit» empfunden habe. «Es ist ja eine öffentliche Diskussion, der ORF Vorarlberg gehört ja nicht dem Herrn Klement.» Mehr über Klement ist in einem aktuellen Bericht in «Der Standard» zu lesen.

Weitere musikalische, tänzerische und literarische Beiträge kamen vom Blechbläser-Ensemble Mixedhorns, Prinz Grizzley and his Beargaroos, Circle-Singer Robert Pakleppa, netzwerkTanz Vorarlberg, Konrad Bönig und Doro Rosenstock, den Poetry Slammern Agnes Maier, Martin Fritz, Sara Bonetti und Ivica Mijajlovic und der Band Rosi Spezial.

 

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