Volle Tribüne für ein Buch: Die Vernissage von Manuel Stahlbergers Typotron-Hefts «Zeug» wurde zur Umarmung von Kultur und Sport.
700 Besucher mindestens, schätzt Richi Zöllig, der SC-Brühl-Vize, ein Gedränge und Volksfest: Das war der Donnerstagabend im Paul-Grüninger-Stadion. Und alle kamen nicht wegen Fussball, sondern für ein dünnes Buch. «Zeug» heisst es, und die Gründe für den Grossandrang heissen: Manuel Stahlberger und Rolf Stehle. An den Stadion-Namensgeber, den St.Galler Polizeikommandanten und Flüchtlingshelfer Paul Grüninger, erinnert Brühl-Präsident René Hungerbühler gleich bei der Begrüssung: «Wir sind stolz darauf, dass wir das Stadion nicht nach einer Firma benennen mussten.»
Ein würdiger Ort also nicht nur für sportliches, sondern auch für kulturelles «Zeug». Stehle hat mit «Zeug» zum 31. und letzten Mal ein Typotron-Heft herausgegeben. Damit endet eine dreissigjährige Tradition privater, leidenschaftlicher Kulturförderung. Festredner Michael Guggenheimer würdigt Stehles Typotron-Reihe als «rundum gut» – nicht weniger als 27 Preise für schöne und schönste Bücher hat sie denn auch insgesamt eingeheimst, die meisten davon gingen 2010 an das brandschwarze Buch-Brikett über die Lokremise. Jedes der 31 Hefte eine Herzenssache – aber am meisten hätten ihn die Hefte über Menschen interessiert, sagt Verleger Stehle: die Porträts von Marktfahrer Josy Schildknecht, Strassenputzer Albert Nufer oder Künstler Max Oertli.
Und jetzt also Manuel Stahlberger. Kein Porträtheft ist es diesmal geworden, sondern ein Bilderbuch mit Stahlberger-Zeichnungen und -Texten. Er stellt sie auf der improvisierten Bühne auf dem grünen Rasen gleich selbst vor und singt dazwischen seine Klassiker, vom liebevollen «Neumarkt» über das bissige «Schadet de Wirtschaft» bis zum himmeltraurigen «Leaving Eggersriet». Stahlberger füllt das Stadion mit seinen lakonischen Zeitdiagnosen locker. Und überrascht mit der allerneusten Piktogramm-Idee: gezeichnete Torszenen aus den legendären WM-, EM- oder FCSG-Spielen. Höhepunkt: das 60-Meter-Goal des Brühl-Brasilianers Sidinei de Oliveira gegen YF Juventus, hier im Stadion einen Tag zuvor erzielt.
Diese letzteren Fussball-Piktos haben es nicht mehr ins Buch geschafft. Es wäre also schon Zeug für eine nächste Publikation vorhanden – bei Typotron wird sie allerdings nicht erscheinen.
Manuel Stahlberger: Zeug, Typotron-Heft 31, Fr. 29.-
Bilder zu diesem Beitrag: Kurt Frischknecht
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