, 12. Dezember 2013
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Kunst kommt von Käse

Ein Jahr haben sie uns warten lassen und zeigen drei Tage lang, warum wir sie vermisst haben: Die Guerilla-Galeristinnen Nadia Veronese und Kathrin Dörig haben den Künstler Markus Kummer in die ehemalige Käsehalle eingeladen. Ein passgenauer Auftritt.

Markus Kummer in der Käsehalle

«Was da ist, ist da.» Markus Kummer nimmt den Raum so, wie er ist. Und wenn er so ist, wie die ehemalige Käsehalle in Magnihalden, umso besser: Mit grauen Streifen an der gelben Wand, dort, wo früher die Tablare hingen, mit Fehlstellen im Novilon, wo früher die Käsetheke stand, mit roten Dübeln in der Wand, wo früher die Appenzeller Käsewerbung hing.

Hätten wir das alles auch gesehen ohne Markus Kummers Arbeiten?

Vermutlich nicht. Der Zürcher Künstler setzt seine Werke so, dass nun alles miteinander zusammenhängt: die Kunst und der Raum, das Licht und die Leitung, das Ober- und das Untergeschoss. Beispielsweise hat Kummer zwei kleine Löcher durch den Boden gebohrt für einen folgenreichen Eingriff: Eine der beiden Neonröhren, die den Raum beleuchteten, ist soweit abgesenkt, dass sie nun den Naturkeller erhellt. Dessen anstehende Sanierung bewog die Käsehändler vor zwei Jahren, den Standort aufzugeben. Das eine hat mit dem anderen zu tun. Genauso verschränken sich die beiden Stockwerke in der Arbeit Kummers. Er schafft reale und gedankliche Verbindungen.

Wenn der Künstler spricht, kommt er von Gilles Deleuzes Schrift «Die Falte. Leibniz und der Barock» über die Tanzschritte beim klassischen Ballett, den Körper eines Schwimmers und seine Bewegungen im Wasser bis zu den Konventionen der zeitgenössischen Architektur. Immer geht es darum, wie Raum erlebt und so gestaltet werden kann, dass sich die inneren und äusseren Verhältnisse entsprechen: der Mensch und das Gebaute als Dualität.

Kummer braucht dazu wenig. Er verzichtet auf hochglanzpolierte Ästhetik und setzt stattdessen Material mit Gebrauchspuren ein. Jene beiden Stofffragmente beispielsweise, das eine in die Wand gegipst, das andere mit einem Betonblock verbunden. Sie sind alt, graubraun und fallen kaum auf inmitten des staubigen Interieurs. Aber sie zeigen deutlich, worum es Kummer geht: Ein Textil ist eine flexible Fläche, es ist Ding und Konstrukt, es ist selbst sichtbar und kann etwas anderes verhüllen, es ist Form und Nichtform, es ist offen für Impulse. Es ist da und führt von A zu B zu Ypsilon.

«Was da ist, ist da» – endlich ist es auch die Guerilla Galerie wieder einmal.

12. bis 14. Dezember. Vernissage Do 18 Uhr, Ausstellung Fr 18-21 Uhr, Sa 14-17 Uhr. Magnihalden 13 St.Gallen

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