, 3. November 2014
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Lebendes Holz im Sittertal

Im März wurden 22 Titel als «Schönste Schweizer Bücher 2013» gekürt. Nun kann man sich ausgiebig in sie vertiefen: Bis zum 23. November sind sie in der Kunstbibliothek Sitterwerk zu Gast.

In der äusserlichen Erscheinungsform lassen sich kaum Gemeinsamkeiten ausmachen: Unter den preisgekrönten Schweizer Büchern 2013 finden sich grosse, dünne und dicke, kleine, bunte oder Grautöne und verschiedenste Einbände, die sich auch inhaltlich stark unterscheiden. Die Publikation zum 100.Geburtstag Meret Oppenheims, Worte nicht in giftige Buchstaben einwickelngewann zudem beim internationalen Wettbewerb «Schönste Bücher aus aller Welt» die Goldene Letter.

Um am Wettbewerb teilzunehmen, müssen die Bücher eingereicht werden; eine fünfköpfige Jury wählt anschliessend die Gewinner aus. Kategorien gibt es keine, einzige Bedingung ist ein Schweiz-Bezug. Dabei schaffen es auch Bücher unter die Besten, bei denen weder die Autorschaft noch das Thema, sondern allein der Verlag schweizerisch ist – darunter ein Produkt aus der Ostschweiz.

Seit 1943

Die Ausstellung im Sitterwerk vermittelt einen inspirierenden, umfangreichen Blick auf zahlreiche Aspekte der zeitgenössischen Buchgestaltung. Roland Früh, Leiter der Kunstbibliothek St.Gallen, schätzt diese Übersicht: «Man kriegt einen interessanten Querschnitt durch die Buchproduktion der Schweiz zu sehen. Da fallen einem plötzlich auch neue Trends und Techniken auf.»

Der Wettbewerb «Die schönsten Schweizer Bücher» feiert dieses Jahr bereits sein 70-jähriges Bestehen. Entstanden 1943 als Branchenauszeichnung des Buchgewerbes (Druckerei, Grafik, Buchbinder und -händler), wurde er in den 90er vom Bundesamt für Kultur übernommen. Damit erlangte der Wettbewerb eine neue Bedeutung und entwickelte sich zu einer Art Spiegel der (buch-)kulturellen Identität der Schweiz.

Am richtigen Ort

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Die prämierten Bücher aus dem Jahr 2013 machen nun auf ihrer Reise Halt im Sittertal, die Kunstbibliothek  ist der passende Ort dafür. Hier sind Stein, Holz, Papier und Worte in einem einzigartigen Fundus vereint; seit 2006 ist die aus der Kunstbuchsammlung Daniel Rohners hervorgegangene Bibliothek öffentlich zugänglich. Mit rund 25’000 Büchern zu Kunst und Produktion und dem im selben Raum untergebrachten Werkstoffarchiv mit unzähligen Materialmustern können Besucher und Besucherinnen die besonderen Sammlungen nutzen.

Einzigartig ist auch das System der dynamischen Ordnung, welches immer wieder neue Möglichkeiten des Suchens und Findens von Büchern und Materialien ermöglicht. Laut Roland Früh unterscheidet sich die Kunstbibliothek von gängigen Bibliotheken: «Wir sind keine reine Fachbibliothek, sondern auch ein Ort des Experiments, wie sich heute mit Büchern arbeiten und forschen lässt. Unser System ist ein Versuch, neue Technologien zu nutzen und die Arbeit mit Büchern neu zu überdenken.»

Beispiel dafür ist das Projekt «Bibliozine – digitale Notizhefte», ein ‚intelligenter‘ Tisch, der es den Nutzern ermöglicht, Inhalte aus der Kunstbibliothek und dem Werkstoffarchiv zusammenzustellen, am Computer durch eigene digitale Materialien zu ergänzen, in Notizheften abzubilden und diese auszudrucken. Für einen ersten Testdurchlauf wurden die Gestalter des diesjährigen Katalogs der schönsten Schweizer Bücher, David Keshavjee und Julien Tavelli (Maximage) eingeladen, zwei Tage im Sitterwerk zu recherchieren. Das Resultat dieser Recherche mit dem neuen Tool wird in einer Präsentation an der Finissage der Ausstellung schönste Bücher am 23. November vorgestellt.

Die Schönsten Schweizer Bücher kaufen: hier.
Kunstbibliothek Sitterwerk: geöffnet Mo bis Fr 9-17 Uhr / So 14-18 Uhr
Mit temporärem Bookshop, zusammengestellt von Georg Rutishauser und Samuel Bänziger
Finissage und Präsentation «Bibliozine – digitale Notizhefte»: 23. November 14 bis 18 Uhr
Öffentliche Führung: Mittwoch 12. November 17.30 Uhr
Titelbild: Katalin Deér

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