Wohl nirgends in der Stadt zeigt sich die Velo-Untauglichkeit städtischer Verkehrsplanung so exemplarisch wie rund um die Leonhardsbrücke. Obwohl gepflastert mit Velosignalen und gepinselt in gelb, fährt man hier gescheiter nicht mit dem Rad – das zeigt die Testfahrt der Medienschule.
«Rund um die Leonhardsbrücke hat der Abfluss der Autos von der Stadtautobahn höchste Priorität», das gibt der städtische Verkehrsplaner Stefan Pfiffner unumwunden zu. Es müsse alles unternommen werden, dass sich der Autoverkehr im Schorentunnel nicht bis auf die Autobahn staue. Dass hier das Velo stiefmütterlich behandelt wird, ist naheliegend. Das zeigt auch eine Testfahrt der Medienschule mit Balz Weber, dem Mountainbike-Weltmeister 2003 und Redaktor beim Velomagazin «Ride». Anhand von vier Beispielen wird aufgezeigt, was Weber einmal so formuliert: «Da haben die Planer wohl nicht viel studiert.»
Beispiel 1 endet am Kebab-Stand Wer von der Kreuzbleiche her kommt und rechts Richtung Leonhardsbrücke fahren will, verliert schnell die Orientierung: Zuerst wird er mit einem Velostreifen auf das Trottoir geführt. Dann soll er am Fussgänger-Lichtsignal nach links abbiegen. Wer aber nach rechts weiter will, muss entweder auf die Strasse ausweichen oder er fährt auf dem Trottoir weiter und landet mit Pech im Kundenstopper eines Kebab-Ladens….
Hier ist das Video mit dem Kommentar des Rad-Profis:
Beispiel 2: Strasse oder Trottoir? Weiter geht es Richtung Leonhardsbrücke. Unser Velofahrer hat sich entschieden auf der Strasse zu fahren (zweispurig, eng und viel Verkehr), denn auf dem Trottoir kann er auch nicht bleiben (schmal und verstellt mit parkierten Autos). Soweit so gut: Doch kurz vor der Brücke soll er nun doch wieder aufs Trottoir wechseln. Was denn nun, liebe Verkehrsplaner?
Hier sehen Sie, wie das ausschaut und was der Profi meint:
Rechts gestrandet im Beispiel 3 Doch eigentlich möchte unser Velofahrer ja Richtung Stadt abbiegen, also links. Wie aber soll er das machen, wo er doch ganz rechts auf dem Trottoir daher kommt. Bei der Kreuzung vor dem Gebäude der Stadtpolizei, wo täglich hunderte von Velos dem Veloweg Richtung Innenstadt folgen, wird das Traversieren der «Autobahn» zum Spiessrutenlauf.
Das passiert nicht nur dem Veloprofi, wie das Video zeigt:
Beispiel 4: Auch in Gegenrichtung nicht besser Doch auch in die andere Richtung ist die Verkehrsführung für Velofahrer alles andere als übersichtlich. Hierzu noch ein letztes Beispiel: Wer von der Stadt her über die Leonhardsbrücke fährt und links Richtung Kreuzbleiche abbiegen will, wird von den Planern arg in Stich gelassen. Der Veloweg führt auf dem Trottoir geradeaus. Wer nach links will, muss entweder absteigen und mit den Fussgängern über den Zebrastreifen gehen (wohin?), oder aber die zweispurige und vielbefahrene Strasse überqueren. Wofür man sich entscheidet, hängt vom persönlichen Wagemut ab.
So nicht, liebe Planer, meint unser Veloprofi:
Wer die vier Videos genau anschaut, stellt fest: Es wurde viel in gelb gepinselt für die Velofahrer rund um die Leonhardsbrücke. Wir kommen zum Schluss: Man hätte es besser sein lassen.
Felix Mätzler (Text und Video), Balz Weber (Testfahrer)
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