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Lieder übers Loslassen

Die Band Anna (Bild: pd)

Die Band Anna (Bild: pd)

Feministische Texte, viel Bass, viel Schlagzeug und Melodien zum Mitsingen. Die Musik der St.Galler Band Anna reflektiert Widersprüche, kürzlich ist ihre erste EP Loslassen erschienen.

«Schau mich nicht an, bin schlecht ge­launt.» Die ers­te EP der St.Gal­ler Band An­na be­ginnt mit trau­ri­gen und un­ver­söhn­li­chen Wor­ten. Nie wie­der se­hen heisst der ers­te Song: ei­ne mit Wut, Sehn­sucht, Rat­lo­sig­keit, Weh­mut und Lust auf Frei­heit ge­la­de­ne Ver­ab­schie­dung. Ne­ben der Freu­de sei die Wut manch­mal noch ein nütz­li­ches Ge­fühl fürs Rein­hau­en, meint Schlag­zeu­ger:in Ja­el Al­len­spach. They hat dank der Band ge­lernt zu drum­men. «Mit Wut as­so­zi­ie­re ich aber auch Ohn­macht – und wenn wir uns so füh­len wür­den, wür­den wir kei­ne Mu­sik zu­sam­men ma­chen.» Flu­ri­na Lü­chin­ger und Lia Al­len­spach ma­chen das Band­trio kom­plett. Auch wenn im­mer wie­der Wut zu hö­ren ist: Ta­ten­drang und der Wil­le zur Ver­än­de­rung do­mi­nie­ren.  

Seit nun drei­ein­halb Jah­ren macht die Band ge­mein­sam Mu­sik. Ihr Na­me, An­na, ist nicht wirk­lich ei­ne such­ma­schi­nen­op­ti­mier­te Wahl. In Zei­ten von In­sta­gram und Spo­ti­fy er­staunt das, doch sol­che Ge­dan­ken ha­ben sich die drei gar nicht ge­macht. Viel­mehr ist der Na­me ei­ne Hom­mage an ih­re Gross­müt­ter: Al­le drei ha­ben min­des­tens ei­ne, die so heisst. «Gross­müt­ter neh­men eh schon oft zu Un­recht we­nig Raum ein», so Lia. Die Band soll die An­na-Li­nie wei­ter­füh­ren – und zwar laut.

 Ein Ti­tel mit vie­len Ge­stal­ten

Die EP mit dem Na­men Los­las­sen er­schien An­fang des Jah­res und wur­de be­reits im vol­len Gra­ben­hal­len­foy­er bei ei­nem Bull­au­gen­kon­zert ge­tauft. Der Al­bum­ti­tel be­schreibt ei­nen Pro­zess, der die drei im­mer wie­der be­schäf­tigt. Es geht um Be­frei­ung, Er­leich­te­rung und Trans­for­ma­ti­on. «Los­las­sen ist ein Le­bens­the­ma, das im­mer wie­der schwie­rig ist», meint Lia. Un­mit­tel­bar vor der Auf­nah­me des Al­bums ver­lor Flu­ri­na ih­ren Bru­der durch ei­nen Sui­zid. Er war auch ein Freund von Lia und Ja­el. «Los­las­sen be­kam in die­ser Zeit ei­ne neue Be­deu­tung. Doch die Tex­te – die ja al­le von Los­las­sen er­zäh­len – ha­ben wir schon da­vor ge­schrie­ben», sagt Flu­ri­na.

Im Song Care­ar­beit im ei­ge­nen Be­d­room be­schreibt An­na ei­nen Ty­pus Mann, der un­ter Fe­mi­nist:in­nen in letz­ter Zeit ver­mehrt in der Kri­tik steht. Der «Ma­cker, ders nicht checkt», nen­nen ihn An­na, ei­ner, der ger­ne high ist, sei­ne Fin­ger­nä­gel schwarz la­ckiert und lie­ber die Welt als sich selbst er­klärt. Der Song könn­te für ei­nen spe­zi­fi­schen Ty­pen ge­schrie­ben sein. Doch ge­meint sind all die­se Ty­pen, die sich durch ihr pro­ble­ma­ti­sches Ver­hal­ten längst zum Me­me ge­macht ha­ben.

«Ich ha­be ge­nug In­spi­ra­ti­on von sol­chen Ma­ckern. Vie­le Fin­ta-Per­so­nen über­neh­men un­ver­hält­nis­mäs­sig viel Care­ar­beit für Du­des – sei es in Be­zie­hun­gen oder Freund:in­nen­schaf­ten», er­klärt Lia. «Ge­ra­de in der que­er-fe­mi­nis­ti­schen Sze­ne, in der wir uns be­we­gen, nervt es mich, weil sich sol­che Män­ner trotz­dem ger­ne als fe­mi­nis­tisch be­zeich­nen.»

Zwie­spalt und Spass

Der drit­te Track der EP spielt auf zwei Songs der Band Heiss­kalt an: De­zem­ber­luft und Eu­pho­riehan­deln von zwei ge­gen­sätz­li­chen Ge­füh­len: von in­tro­spek­ti­ver Me­lan­cho­lie ei­ner­seits und von, na­ja, Eu­pho­rie an­de­rer­seits. An­na sucht nach Ge­füh­len da­zwi­schen: Die, die Gleich­zei­tig­keit über­for­dert. Der rech­te Back­lash, der macht Angst. Trotz­dem sei es wich­tig, ja es­sen­zi­ell, Freu­de zu spü­ren und em­powern­de Mo­men­te zu er­le­ben. 

Um Zwie­spalt geht es auch im vier­ten und letz­ten Song Lass jetzt los. In ei­ner Welt, die aus den Fu­gen ge­rät, in der Fa­schis­mus auf­blüht und der Wi­der­stand da­ge­gen mü­de macht, wird ver­sucht, trotz­dem ei­ne gu­te Zeit zu ha­ben. 

Wers ver­passt hat: An der EP-Tau­fe in der Gra­ben­hal­le wa­ren die drei als Prin­zes­sin­nen ver­klei­det und tanz­ten zur Flö­ten­mu­sik aus Drei Ha­sel­nüs­se für Aschen­brö­del. Das Mot­to von An­na ist «ein­fach ma­chen»: Ob Kon­zer­te, neue Mu­sik, Ex­pe­ri­men­te – Haupt­sa­che, es macht Spass und manch­mal auch Sinn.

Trans­pa­renz­hin­weis: Der Au­tor An­di Gi­ger ist mit dem Band­trio be­freun­det.

An­na: Los­las­sen: er­schien im Ja­nu­ar 2026, ver­füg­bar auf gän­gi­gen Strea­ming­platt­for­men.

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Bachtage ki und musik 1

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Arthur Stobete nah

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Transluzent Saiten 5