War das Absicht? Sein Künstlername passt auf 2020 wie Arsch auf Eimer. Marc Frischknecht alias Yes I’m Very Tired Now bezeichnet wohl den Kollektivzustand unserer Gesellschaft seit Beginn der Pandemie im März. Heute, fünf Tage – pardon – fünf Monate nach den ersten Lockdown-Massnahmen ist das Album 100 Years schauerlich aktuell.
Mit eingängigen Beats, Stromgitarren und Synthesizern versteht Frischknecht beim Zuhörer eine gewisse Art von süsser Melancholie hervorzurufen. Die Passage «Am I happy or do I need some help» aus dem Song It’s OK ist wohl eine der zentralen Fragen, die man sich in den letzten Monaten gestellt hat.
Marc Frischknecht alias Yes I’m Very Tired Now.
Dieses Album ist kein Sommeralbum, passt aber so gut in den August wie in den März und könnte hie und da auch aus den 80er-Jahren stammen.
Es beginnt mit Hold on relativ langsam, um nicht zu sagen langweilig, lässt aber sofort auf mehr hoffen. Und das Mehr kommt: Highlight auf der Scheibe ist definitiv das aufbauende I Tried A Summer, das viel Tanzfreude und Rastlosigkeit aufkommen lässt. Es erinnert an Rooftop-Partys und Sommerhitze, verbunden mit viel Nachdenklichkeit.
Yes I’m Very Tired Now: 100 Years
Live: 11. September, Grabenhalle St.Gallen und 4. Dezember, Treppenhaus Rorschach
Gleichermassen ist das Teil aber auch kritisch, schreibt der Künstler: «Die Kehrseite vom heissen Sommer wird an den klimatischen Veränderungen und Herausforderungen gespiegelt.
Mit dieser Vergänglichkeit des Seins beschäftigt sich der zweifache Vater auch im Song Geronimo: «How many sunday mornings are left for me – How many kisses will I get from the hearts of my children». Auch der Albumtitel selber spielt mit dieser Flüchtigkeit der Existenz, sagt der Künstler: «Ist es nicht das Alter, welches wir alle erreichen möchten?» Den Abschluss macht schliesslich ein eindrückliches Electro- Cover von David Bowies The Man Who Sold The World, das auch schon Nirvana gecovert haben.
Alles in Allem ist 100 Years ein ziemlich gelungener Parcours an Emotionen, Melancholie, Freude, Zukunftsangst und Aufbruchsstimmung. Qualität der Musik und das Songwriting überzeugen durchs Band und fegen gelegentliche Makel beim Gesang weg. Das Album macht Lust auf mehr – und auf bessere Zeiten.
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Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
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«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
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