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Marktplatz: Parkiert wird noch lange

Das Stadtparlament hat am Dienstag zwar der Marktplatz-Vorlage zugestimmt. Doch die Parkplätze sollen noch lange nicht aufgehoben werden. Wegen der Gewerbler.

Von  Andreas Kneubühler

Am Schluss war im St.Galler Stadtparlament die Zustimmung zur Neugestaltung des Marktplatzes praktisch einhellig. Debattiert wurde am Dienstagabend eigentlich nur über die Frage, wann die Parkplätze aufgehoben werden sollen. SP und Grüne verlangten: so rasch als möglich. Für CVP, FDP und SVP sollen hingegen die Parkflächen bleiben, bis die Umgestaltungsarbeiten beginnen. Und das kann noch lange dauern.

Doch davon später. Denn diese Frage war gar nicht Teil der Vorlage.

Es ging  in Kürze darum: Die Calatravahalle bleibt. Es gibt aber eine neue Haltestelle für die Busse in Richtung Osten beim Marktplatz. Geplant ist eine bessere Infrastruktur für die periodischen Märkte. Unter dem Blumenmarkt wird es eine bediente WC-Anlage geben. Die Fussgängerbereiche werden gestaltet. Und natürlich werden die Parkplätze aufgehoben.

Kosten? 21 Mio. Franken.

Die Ausgaben waren im Stadtparlament kein Thema.

Nicht inklusive ist eine Markthalle. Ob es sie braucht, wie sie aussehen soll und was dies für den Baumbestand bedeuten würde, wird später entschieden.

Deshalb waren mit der restlichen Vorlage auch alle einverstanden.

Unstimmigkeiten gibt es über den zeitlichen Ablauf. Der Stadtrat wollte erst 2018 beginnen. Dies würde eine Einweihung des neugestalteten Marktplatzes etwa 2021 bedeuten. Alle Parteien forderten aber, dass vorwärts gemacht wird.

Das Geld war immer noch kein Thema.

Dafür ging es wie gesagt um die Parkflächen. Thomas Schwager (Grüne) schlug vor, sie möglichst bald aufzuheben. Damit würde man einen Platz gewinnen, ohne dafür Geld ausgeben zu müssen.

Nicht mit diesem Stadtrat. Dies macht kurz darauf Nino Cozzio klar.

Den Takt hatte einige Tage zuvor der Hauseigentümverband (HEV) vorgegeben. Er hatte in Inseraten, unter anderem im «Tagblatt», die «Hauseigentümer, Geschäftsinhaber und Bewohner in der mittleren und nördlichen Altstadt» dazu aufgefordert, Einsprachen gegen die Aufhebung der Parkplätze einzureichen.

Cozzio sagt also an der Stadtparlamentssitzung: Das Gewerbe in der Altstadt werde sicher nicht «hintangestellt». Die Parkplätze würden nach Ablauf der Rechtsverfahren nicht sofort aufgehoben. Man werde eine dem Gewerbe entgegenkommende Lösung finden. Man wolle «die Kirche im Dorf lassen».

Schöner kann man es nicht sagen.

Wie dies in anderen Dörfern mit anderen Kirchen – bzw. einer links-grünen Regierung – so läuft, konnte man kürzlich in Zürich beobachten. Dort hat der Stadtrat per Medienmitteilung angekündigt, dass beim Hauptbahnhof 63 Parkplätze gestrichen werden müssen. Der Grund: Es ist eine neue Velostation für 1700 Fahrräder geplant. Dafür brauche es eine 65 Meter lange Zufahrtsrampe und der sind die Parkflächen im Weg.

Natürlich gab es Proteste der City-Vereinigung.

Genau genommen hatte der Zürcher Stadtrat nur den Velounterstand mit der Rampe angekündigt. Dass dafür Parkfelder verschwinden, wurde in der Medienmitteilung nicht einmal erwähnt. Man konnte dies nur auf einem angefügten Plan herauslesen: Wo sich vorher die Parkplätze befanden, war nun die Velorampe eingezeichnet.

So läuft das im links-grünen Zürich.

 

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Jürg Diggelmann,  

Die gute Nachricht wird im Beitrag von Andreas Kneubühler leider nicht erwähnt: Die Rondelle darf bleiben, zumindest vorläufig. Sie soll nach dem Beschluss des Stadtparlaments im Sinne einer Übergangslösung "einfach" saniert werden. Massgebend für diesen Entscheid war allerdings nicht die Einsicht, dass die Rondelle erhaltenswert ist. Das Ganze war – wie schon so oft – bloss eine Sparübung.

Die Rondelle war 1951 vom späteren Stadtbaumeister Paul Biegger im Auftrag der Stadt erstellt worden. Sie ist ein kleines bauliches Juwel, das auf engstem Raum Platz für acht Verkaufsstellen bietet. Und für Generationen von St. Gallerinnen und St. Galler war sie ein Identifikationspunkt – wer bei der Rondelle abmachte, hat sich gewiss nicht verfehlt.

Die städtische Denkmalpflege hat vor gut zehn Jahren die schützenwerten Bauten der Jahre 1920 bis 1970 inventarisiert. Die Rondelle wurde damals der Kategorie 1 zugeordnet, also der höchsten Schutzkategorie und gleich schutzwürdig wie beispielsweise das Stadttheater, das Geschäftshaus Union, das Sitterviadukt der SBB oder das Hauptgebäude der HSG (heute angeblich Universität).

Nach dem Bau der Rondelle haben mehrere Generationen von Bauvorständen eigentlich nur noch die Längburger-Wurstbraterei im mobilen Verkaufswagen zur "Bereicherung" des früheren Blumenmarktes zustande gebracht. Die Erneuerung der baulichen Infrastruktur auf dem Markplatz wurde hingegen während Jahrzehnten versäumt. Das Ergebnis ist, dass der Markt heute darniederliegt. Konnten wir früher stolz darauf sein, dass unsere Stadt, anders als beispielsweise Zürich, über einen ständigen, jeden Tag stattfindenden Markt verfügte, geht der Trend klar zum Wochenmarkt, wie ihn heute sogar viele Landgemeinden kennen. Dafür sind aber auch veränderte Konsumgewohnheiten verantwortlich.

Erstaunlich war allerdings, dass die hohe Schutzwürdigkeit der Rondelle im Jahr 2008 in den Wettbewerbsunterlagen für die Neugestaltung von Marktplatz /Bohl mit keinem Wort erwähnt wurde. Ob sie bleiben sollte oder nicht, wurde den Teilnehmern des Wettbewerbs frei gestellt. Kein Wunder, dass keiner der in die engere Auswahl gekommenen Vorschläge die Rondelle erhalten wollte. Die städtische Denkmalpflege war bei der Erarbeitung der Wettbewerbsunterlagen offenbar inexistent oder konnte sich wie so oft nicht durchsetzen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die Rondelle überhaupt kein Thema war. Dies illustriert deutlich, welchen Stellenwert die Denkmalpflege und allgemein auch die Baukultur heute in unserer Stadt hat.

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