Jürg Diggelmann, 16. Januar 2014 um 00:14 Uhr Die gute Nachricht wird im Beitrag von Andreas Kneubühler leider nicht erwähnt: Die Rondelle darf bleiben, zumindest vorläufig. Sie soll nach dem Beschluss des Stadtparlaments im Sinne einer Übergangslösung "einfach" saniert werden. Massgebend für diesen Entscheid war allerdings nicht die Einsicht, dass die Rondelle erhaltenswert ist. Das Ganze war – wie schon so oft – bloss eine Sparübung. Die Rondelle war 1951 vom späteren Stadtbaumeister Paul Biegger im Auftrag der Stadt erstellt worden. Sie ist ein kleines bauliches Juwel, das auf engstem Raum Platz für acht Verkaufsstellen bietet. Und für Generationen von St. Gallerinnen und St. Galler war sie ein Identifikationspunkt – wer bei der Rondelle abmachte, hat sich gewiss nicht verfehlt. Die städtische Denkmalpflege hat vor gut zehn Jahren die schützenwerten Bauten der Jahre 1920 bis 1970 inventarisiert. Die Rondelle wurde damals der Kategorie 1 zugeordnet, also der höchsten Schutzkategorie und gleich schutzwürdig wie beispielsweise das Stadttheater, das Geschäftshaus Union, das Sitterviadukt der SBB oder das Hauptgebäude der HSG (heute angeblich Universität). Nach dem Bau der Rondelle haben mehrere Generationen von Bauvorständen eigentlich nur noch die Längburger-Wurstbraterei im mobilen Verkaufswagen zur "Bereicherung" des früheren Blumenmarktes zustande gebracht. Die Erneuerung der baulichen Infrastruktur auf dem Markplatz wurde hingegen während Jahrzehnten versäumt. Das Ergebnis ist, dass der Markt heute darniederliegt. Konnten wir früher stolz darauf sein, dass unsere Stadt, anders als beispielsweise Zürich, über einen ständigen, jeden Tag stattfindenden Markt verfügte, geht der Trend klar zum Wochenmarkt, wie ihn heute sogar viele Landgemeinden kennen. Dafür sind aber auch veränderte Konsumgewohnheiten verantwortlich. Erstaunlich war allerdings, dass die hohe Schutzwürdigkeit der Rondelle im Jahr 2008 in den Wettbewerbsunterlagen für die Neugestaltung von Marktplatz /Bohl mit keinem Wort erwähnt wurde. Ob sie bleiben sollte oder nicht, wurde den Teilnehmern des Wettbewerbs frei gestellt. Kein Wunder, dass keiner der in die engere Auswahl gekommenen Vorschläge die Rondelle erhalten wollte. Die städtische Denkmalpflege war bei der Erarbeitung der Wettbewerbsunterlagen offenbar inexistent oder konnte sich wie so oft nicht durchsetzen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die Rondelle überhaupt kein Thema war. Dies illustriert deutlich, welchen Stellenwert die Denkmalpflege und allgemein auch die Baukultur heute in unserer Stadt hat.