«Meine Schwester sieht besser aus als deine Freundin!» – «Wie ist deine Einstellung zur Arbeit?» – «Ich habe Durchfall und ich schwitze.» – «Hast du Zeit für einen Kaffee?» Solche und ähnliche Sätze hat Frédéric Zwicker aus einem über 30 Jahre alten Büchlein namens Die 1000 wichtigsten Sätze Deutsch-Kroatisch entnommen und daraus Liedertexte verfasst.
«Die Sätze sind zum Teil recht absurd», sagt der Musiker und Schriftsteller (und ehemalige Saiten-Redaktor) aus Rapperswil. Das textliche Resultat auf dem Album Jeste li za ploču s plesnom glazbom? (Deutsch: Soll ich eine Tanzmusik-Platte auflegen?) sei «ziemlich dadaistisch, aber grundsätzlich machen die Songs schon Sinn», sagt Zwicker. Kroatische Freunde kontrollierten zudem, ob die Texte grammatikalisch korrekt sind.
Knutov Kofer: Jeste li za ploču s plesnom glazbom? Digital erhältlich oder als limitierte Vinyl-Auflage beim Label Flimmerplatten knutskoffer.ch
Sinn macht auch der Albumtitel, denn es ist tatsächlich ungewohnt tanzbar, was Knuts Koffer da raushaut. Ungewohnt, weil die seit 2006 in wechselnden Formationen um Frontmann Zwicker spielende Band eher durch ihre Texte bekannt wurde: Die Band entstand einst, um Zwickers Poetry-Slams zu vertonen.
«Bei unserem fünften Album wollten wir, dass die Musik im Zentrum steht», sagt er. «Schliesslich hatte ich die Idee, die Texte auf Kroatisch zu verfassen – denn bei einer Sprache, die kaum jemand von unserem heimischen Publikum spricht, werden die Zuhörer sich nicht auf die Texte konzentrieren.» Die Idee wurde geboren aus Zwickers langjähriger Beziehung zu Kroatien, aber auch zum Balkan allgemein.
Bier statt Bratsche
2003 war Zwicker erstmals in der kroatischen Hauptstadt Zagreb, um dort mit dem Kantiorchester Wattwil ein Konzert zu geben. «Weil in Ungarn aber meine Bratsche vergessen ging, konnte ich nicht mitspielen», erklärt er. «Stattdessen ging ich mit jungen kroatischen Musikern ein paar Bier trinken.»
Daraus entwickelte sich eine enge Freundschaft zum heutigen Profigeiger Daniel Kuzmin; die beiden besuchten sich über die Jahre regelmässig in ihren jeweiligen Ländern. Kuzmin liefert nun auf Knutov Kofers Album ein paar ausgeklügelte Geigenparts. Ein weiterer kroatischer Gastmusiker ist der Punkrocksänger Marin Šulentić und auch der Albumproduzent ist aus Zagreb. Das zeigt: Knutov Kofer ist mittlerweile gut vernetzt in der kroatischen Musikszene.
Im Herbst 2017 war Zwicker mit dem Velo nach Zagreb gefahren, wo er dann ein halbes Jahr blieb. Dank seinen bestehenden Kontakten wurde er schnell in die Kulturszene der Metropole eingeführt und besuchte viele Konzerte. «Die Gastfreundschaft der Menschen in Kroatien und auf dem ganzen Balkan ist der Wahnsinn», sagt Zwicker, der mehrfach durch verschiedene Balkanländer gereist ist. Der musikalische Einfluss ist nicht zu überhören: Die Anleihen aus dem «Yugo-Rock», der Rocksparte, die im Jugoslawien der 1970er- und 1980er-Jahre sehr populär war, sind breit gestreut: rau verzerrte Gitarren, treibende Rhythmen, wilde Vocals.
Plattentaufe: 13. Dezember, Exil Zürich, Support: Killed a Fox aus Kroatien
«Es ist sicher unser härtestes und schnellstes Album geworden», sagt Gitarrist und Sänger Zwicker. Es ist ein wilder Stilmix, wie es sich für den Balkan ja gehört: Jebote (Fick dich) ist fast schon Crossover à la 1990er, Četiri Brata (Vier Brüder) ist geschmeidiger Funk, Još Jedan (Noch eins) ein fröhliches Trinklied. Eine Entdeckung für Fans wird die kroatische Version des Band-Kulthits Muskatnuss (neu: Muškatni Oraščić) sein. Und ja: Zum Album dazu gibts ein Booklet mit Originaltexten und den deutschen Übersetzungen.
Balkan-Tour im nächsten Frühling
Aus dem Wagnis – es gab von aussen auch Unverständnis für das Projekt – ist mittlerweile eine fruchtbare Beziehung zwischen den beiden Ländern entstanden. Die erste Plattentaufe in Zagreb fand bereits Ende Oktober statt, zuvor hatte Knutov Kofer im Sommer am Festival Ferragosto Jam in Zagreb gespielt. Bei der Plattentaufe Mitte Dezember in Zürich wird wiederum eine kroatische Supportband vor Ort sein. Und im Frühling 2019 geht Knutov Kofer auf Balkan-Tour. Konzerte in Montenegro, Kroatien und Serbien sind fix, weitere in Planung.
«Dass das Projekt eine solche Dynamik angenommen hat, freut mich sehr», sagt Zwicker. Es gehe ihm auch darum, eine Brücke zwischen den Regionen zu schlagen und eine in der Schweiz noch oft unbekannte Seite der «Jugos» zu zeigen.
Dieser Beitrag erschien im Dezemberheft von Saiten.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»