, 18. Januar 2019
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Melancholische Bartträger, laute Frauen und ein Popsternchen

Das Nordklang-Festival ist sich auch bei der 13. Ausgabe treu geblieben: Mit vielen (noch) unbekannten Bands holt es für zwei Tage die Vielfalt der nordischen Musikkultur nach St.Gallen – und wagt weitere Experimente. von Marion Loher

Velvet Volume spielen am Nordklang-Samstag in der Grabenhalle. (Bilder: pd)

Man muss sich in der nordischen Musikszene ziemlich gut auskennen, um von den Bands, die am Nordklang-Festival auftreten, schon einmal etwas gehört zu haben. Die meisten Musikerinnen und Musiker sind vor allem in ihrer Heimat Island, Dänemark, Schweden, Norwegen oder Grönland bekannt, die wenigsten bislang in den hiesigen Gefilden aufgetreten. Kein Grund jedoch, das Festival am 15. und 16. Februar zu meiden. Im Gegenteil. «90 Prozent der Besucherinnen und Besucher kennen die Bands vorher nicht», sagt Sandro Büchler vom Festival-OK. «Sie kommen, weil sie Lust haben, sich auf etwas Neues einzulassen.»

Und genau das ist es, was das Nordklang ausmacht, und zwar seit 13 Jahren: Es bringt unbekannte Bands aus dem hohen Norden nach St.Gallen und lässt die Besucherinnen und Besucher in intimer Atmosphäre die unterschiedlichsten Facetten der nordischen Musik entdecken. Ein Konzept mit Erfolg: Das Festival war in den vergangenen Jahren immer sehr gut besucht.

Von rockig über düster bis melancholisch

Das musikalische Spektrum ist gewohnt breit. 13 Bands und Singer/Songwriter und ein DJ treten am Samstagabend auf fünf Bühnen zwischen Grabenhalle und Kellerbühne auf. Unter den Musikerinnen und Musikern finden sich drei dänische Rock-Schwestern (Velvet Volume) mit «Stil und Benzin im Blut» wie der «Rolling Stone» schrieb und eine eigenwillige, tiefgründige Folk-Pop-Band aus Schweden (Small Feet), ein finnisches Volksmusik-Ensemble (Tallari) und eine düster-schrille schwedische Synthie-Band (Agent Side Grinder), ein selbstironisches bärtiges Männertrio aus Dänemark (The White Album), ein 21-jähriges, norwegisches Popsternchen (Amanda Tenfjord) und der «Mani Matter von Grönland» (Ulf Fleischer). Letzterer war bereits für das Nordklang-Festival im vergangenen Jahr gebucht. Damals musste er seinen Auftritt allerdings krankheitsbedingt absagen. Die Organisatoren hoffen, dass es dieses Jahr klappt. Seine Lieder gehören zum Grundinventar der grönländischen Kultur, ganze Generationen singen sie mit, heisst es auf dem Programm-Flyer.

Auf welche Musikerinnen und Musiker freuen sich die Festival-Macher besonders? «Auf Kajsa Vala», sagt Vereinspräsidentin Larissa Bissegger. Die dänische Singer/Songwriterin mit isländischen Wurzeln ist Folk-, Blues- und Rock-Musikerin mit Leib und Seele und trumpft mit ihrer Gitarre auf der Bühne gross auf. «Ich habe mich bereits mehrmals von ihren Live-Qualitäten überzeugen können, letztmals am SPOT-Festival in Aarhus.»

 

Ihr Kollege Sandro Büchler wird sich den Auftritt der isländischen Band Árstídir nicht entgehen lassen. «Ich habe die Band vor gut sieben Jahren am Iceland Airwaves Festival in einem Bücherladen erlebt und fand sie genial.» Die Musik ist ein Mix aus Indie-Rock, Folk und Klassik. Mit ihren Stimmen und Streichern, mit Klavier und Gitarre schaffen die Musiker aus Reykjavik eine wunderbar melancholisch-orchestrale Atmosphäre.

Jodel trifft auf Joik

Eröffnet wird das Festival am Freitagabend, 19 Uhr, mit einem aussergewöhnlichen Aufeinandertreffen. Der Schwede Simon Issát Marainen ist Dichter, Rentierhirt und Joiker. Er und die Naturjodelgruppe Stein AR werden in der Kirche St.Laurenzen ihre beiden traditionellen Gesangsformen in Einklang bringen. Simon Issát Marainen wird bereits am Dienstag anreisen und mit den Appenzeller Jodlern proben. «Wir wissen nicht was passiert, wir lassen uns überraschen», sagt Larissa Bissegger. Visuell umrahmt werden die Gesänge mit Bildern der einheimischen Fotografen Cyrill Schlauri und Jan Ruckstuhl aus dem Alpstein und dem hohen Norden.

Ein Experiment ist auch die Podiumsdiskussion am Samstagnachmittag, 13 Uhr. «Seit den Anfängen des Nordklang-Festivals sind wir immer wieder gefragt worden, was die nordische Musiklandschaft ausmacht», sagt Sandro Büchler. Aus diesem Grunde hat man sich entschieden, diese Frage in einem grösseren Kontext zu diskutieren. Teilnehmen am Podium, das im Textilmuseum stattfindet, werden Gunnar Madsen, Chef des dänischen SPOT-Festivals, sowie Vertreterinnen und Vertreter der norwegischen Band Falkevik, der Festivalleitung sowie des Sinfonieorchesters St.Gallen. Dass das Thema aktueller denn je ist, zeigt auch: Am Wochenende vor dem «Nordklang» blickt das Sinfonieorchester St.Gallen an seinen Konzerten ebenfalls nordwärts.

15. Februar:
Eröffnungsabend in der Kirche St.Laurenzen mit Simon Issát Marainen aus Schweden und der Naturjodelgruppe Stein AR; Türöffnung ist um 19 Uhr, Konzertbeginn um 19.30 Uhr.

16. Februar:
Grabenhalle: 20.30 Uhr Velvet Volume; 22 Uhr Shatter Hands Live; 23.15 Uhr Agent Side Grinder; 00.45 Uhr DJ-Set Shatter Hands

Palace: 20.30 Uhr The White Album; 22 Uhr Amanda Tenfjord; 23.15 Uhr Kajsa Vala

Pfalzkeller: 19.30 Uhr Tallari; 21 Uhr Jacob Bellens Solo; 22.30 Uhr Árstídir;

Hofkeller: 19.30 Uhr Small Feet; 21 Uhr Ane Monsrud

Kellerbühne: 19.30 Uhr Heídrik; 21 Uhr Ulf Fleischer; 22.30 Uhr Falkevik

Vorverkauf: Transa St.Gallen, Bahnhofstrasse 10, und online unter nordklang.ch

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