Peter Fux, mit einer Peruanerin verheiratet, Spezialist für die südamerikanischen Andenkulturen und die Archäologie Bhutans: Mit der Wahl des 45jährigen Zürcher Archäologen und Ethnologen stärkt das St.Galler Museum seinen völkerkundlichen Part. Dass der Fokus des bisherigen Direktors Daniel Studer allzu einseitig auf der Kunstgeschichte lag, ist verschiedentlich auch in Saiten, hier oder im Interview mit Studer, diskutiert worden.
Obwohl «mit Leib und Seele» Archäologe und Museumsmensch, interessierten in nicht in erster Linie Tonscherben und Objekte, sondern die Menschen und die Lebensbedingungen dahinter, betonte Peter Fux an der Medienorientierung vom Dienstag im Museum. Auf diesem «menschlichen» Weg war auch sein Interesse an der Archäologie wach geworden: auf einer Veloreise in Südamerika.
Sie gab den Ausschlag, dass ihn sein «nicht ganz gradliniger» Lebenslauf nach einer Ausbildung als Hochbauzeichner und längerer Banktätigkeit zum Studium der Archäologie und Philosophie brachte. Seit 2008 arbeitet Fux am Rietberg Museum Zürich als wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann als Kurator für die Kunst Amerikas und seit 2016 als Leiter Sonderausstellungen. Er realisierte unter anderem die erfolgreichen Ausstellungen «Nasca. Peru – Auf Spurensuche in der Wüste» und «Chavin – Perus geheimnisvoller Andentempel».
«Philosophische Anthropologie»
Als Kurator, Restaurator und Ausstellungsmacher war Fux auch in Peru selber tätig. In Bhutan wirkte er mehrere Jahre beim Bhutan-Swiss Archeology Project mit. Dieses Arbeiten vor Ort und die Erfahrungen einer «echten Kulturzusammenarbeit» seien für ihn prägend. Archäologie und Museumsarbeit sieht Fux als Teil einer «philosophischen Anthropologie» mit dem Interesse, den Menschen in seinem Wirken in der Welt ganzheitlich kennenzulernen.
Der paternalistische Blick des Westens auf andere Kulturen, wie er die Völkerkunde lange Zeit geprägt hat, sei heute veraltet. Von unreflektierter Restitution der Sammlungsobjekte an die Herkunftsländer grenzt er sich aber ebenso ab. «Dekolonisierung», wie sie heute in den ethnographischen Museen diskutiert wird (intensiv zum Beispiel in Genf, mehr dazu hier), müsse ein gemeinsamer Prozess sein. «Restitutionen sind dann eine Chance, wenn geklärt wird, wohin die Objekte gehen, und die Voraussetzungen in den Ländern dafür geschaffen werden.» Aktuelles Beispiel dafür ist die Benin-Initiative von acht Museen, darunter Rietberg und St.Gallen.
Peter Fux. (Bild: pd)
An St.Gallen reizt Peter Fux das Mehrspartenhaus, das interdisziplinäres Denken und Arbeiten möglich mache. Spartenübergreifend habe er seit jeher gearbeitet – unter anderem entstand zur Ausstellung über den Chavin-Tempel eine Jazzoper. Kulturvermittlung brauche neue Formen, ist Fux überzeugt. Eine erste Ausstellung unter seiner Regie, lange vor der Wahl initiiert, wird es diesen Oktober geben: eine Archäologie-Schau «Mittelalter am Bodensee», die in St.Gallen erarbeitet und auch in einer Reihe anderer Museen gezeigt wird. Künftige Ausstellungspläne wollte sich Fux nicht entlocken lassen.
Wenig Berührung zur Stadtgeschichte
Mit der St.Galler Stadtgeschichte, dem anderen wichtigen Standbein des Historischen Museums, ist der neue Direktor nach seinen Auskünften wenig vertraut. Er werde als Direktor auch nicht alle Themen selber abdecken können. Mit der neuen Strategie des Museums, «Stadtgeschichte als Weltgeschichte» zu zeigen, habe man mit Peter Fux aber das richtige Knowhow im Haus, sagte Arno Noger, Präsident des Stiftungsrats des Museums.
Ende Mai feiert das HVM sein hundertjähriges Bestehen mit einer Sonderschau. Bereits am 27. März öffnet die Ausstellung «Klimt und Freunde», kuratiert von Daniel Studer. Und dieses Wochenende geht die Ausstellung «Klug und kühn – Frauen schreiben Geschichte» zum 50-Jahr-Jubiläum des Frauenstimmrechts und zur Ostschweizer Frauengeschichte vom 19. Jahrhundert bis heute auf.
hvmsg.ch
Noger hob im weiteren die Verdienste des abtretenden Direktors hervor. Daniel Studer habe in den 19 Jahren im Amt das Museum «zu dem gemacht, was es heute ist». Die Sammlungen seien geordnet und inventarisiert, das Haus sei organisatorisch und technisch auf einem perfekten Stand, und «schöne und hochwertig gestaltete Ausstellungen» seien Studers Markenzeichen gewesen.
Mit Peter Fux habe man einen erfahrenen Museumsmann als Nachfolger gefunden – im Rennen seien aber auch Frauenkandidaturen gewesen. Zu seinen ersten Aufgaben wird laut Noger die Neubesetzung der Stelle des verstorbenen Sammlungsleiters und Vizedirektors Achim Schäfer gehören. Eine Reihe von Ausstellungen sind noch von seinem Vorgänger aufgegleist; ein Museum sei «ein grosser Tanker», der keine sofortigen Richtungsänderungen erlaube. Fux hat damit Erfahrung: Fünf Jahre Vorlauf seien die Regel bei Ausstellungen im Rietberg Museum.
Vom steinzeitlichen Feuerstein bis zum spätmittelalterlichen Lederschuh: Der Kanton St.Gallen hat erstmals eine professionelle archäologische Ausstellung. Am Donnerstag wurde sie eröffnet.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.