Hat da jemand «HSG» gesagt? Kein Abstimmungskampf weit und breit. Keine Opposition – weder im Speziellen noch grundsätzlich. Ist also alles im Lot, die Abstimmung gewonnen und der neue Campus am Platztor am Rand der St.Galler Altstadt schon so gut wie gebaut?
Natürlich nicht. Die fehlende öffentlich organisierte Opposition darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sehr wohl kritische Stimmen gegen eine HSG-Erweiterung gibt. Die Nervosität, die in der Uni-Führung auf dem Rosenberg umgeht, hat berechtigte Gründe.
Es gibt sie, die Gegenstimmen, aber sie werden kaum publik. Natürlich ist da Hans Fässler, der die Uni-Erweiterung schon 1985 bekämpft hat mit Brecht: «Nur die dümmsten Kälber / Erweitern sich ihr Schlachthaus selber.» Fässler schreibt in einem Leserbrief: «Die HSG ist und bleibt eine Kaderschmiede des Kapitals. Um das zu merken, muss man nicht einmal mehr links sein – die jüngsten Skandale haben es allen gezeigt.»
Und Urs C. Eigenmann wandte sich jüngst mit einer Abstimmungsempfehlung an die Medien. «Noch mehr Uni Wirtschaft St.Gallen? NEIN», schreibt er da. Weshalb einen neuen HSG-Campus bauen, wenn man sich gleichzeitig keine kulturellen Ausbildungstätten leistet und junge Kreative so in die Nachbarkantone treibt?
Es ging schon einmal schief
Ein kleines Grüppchen von Platztor-Anwohnern hat einen Flyer erstellt, auf dem sie auffordern, sich vorzustellen, was sonst noch alles aus dem Freiraum auf dem Platztor-Areal und den 160 Millionen Franken gemacht werden könnte. Das Rümpeltum ist hier nur zwischenzeitlich geduldet, die Offene Kirche vorsorglich schon mal aus dem Register schützenswerter Bauten entlassen. Die bevorstehende (und teils schon umgesetzte) Räumung des Platztor-Quartiers ist ein klassisches Gentrifizierungsproblem. Da geht wieder einmal günstiger Wohn- und Kreativraum für ein Prestigeprojekt verloren – vermutlich ersatzlos.
Es sind Mini-Widerstände gegen die HSG-Erweiterungspläne. Das heisst aber noch längst nicht, dass das Wohlwollen gegenüber der Hochschule gewachsen ist. Besonders auf dem Land dürfte sich das Interesse am «Leuchtturm HSG» in Grenzen halten. Und in der Stadt hat sich die Hochschule mit den Schlagzeilen der vergangenen Monate nicht unbedingt mehr Freunde geschaffen.
Bauvorlagen kommen in aller Regel problemlos durch im Kanton St.Gallen. Zu einer überraschenden Ausnahme kam es 1970: Ausgerechnet die HSG-Erweiterung erlitt an der Urne Schiffbruch. Auch damals hatten sich sämtliche Kantonalparteien für den Ausbau ausgesprochen. Die Stimmbevölkerung aber sagte Nein. Das Abstimmungsresultat am kommenden Sonntag darf darum nach wie vor mit Spannung erwartet werden.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.