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Mit einem Klick zur Kultur

Seit fünf Jahren vermittelt die Plattform kklick Schulbesuche im Museum, im Konzert, Theater oder Atelier. Kulturelle «Teilhabe für alle»: Wie gut funktioniert das?
Von  Peter Surber , 
Das kklick-Team: Kati Michalk, Danièle Florence Perrin, Richi Küttel und Stefanie Kasper. (Bild: Ueli Steingruber)

Eine digitale Schnitzeljagd per App durch die Ausstellung «Transportweg Bodensee» in Kreuzlingen? Eine Diskussionsrunde zu Ethik im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen, unter dem Titel «Darf man eine Mumie ausstellen?» Ins St.Galler Figurentheater zum Mäusedichter Frederick? Oder zur Brückenkunde ins Zeughaus Teufen? Die Angebote sind da, für Schulklassen unterschiedlichen Alters, und man findet sie auf einen Klick: Sie sind gesammelt auf der Vermittlungsplattform kklick.ch.

Seit fünf Jahren gibt es kklick. Zwar ist noch immer umstritten, wie man das Wort aussprechen soll – k-klick oder bloss klick? Im übrigen aber herrscht Einigkeit: Die Plattform ist ein Erfolg. Quasi «auf der grünen Wiese» habe man angefangen, sagt Stefanie Kasper, die den Thurgau betreut: Man musste erst einmal die Anbieter finden, die Angebote überprüfen, die Schulen erreichen.

Heute sind auf kklick.ch mehr als 300 Angebote fürs Kindergartenalter bis zur Sekundarstufe aufgeführt und einheitlich präsentiert, mit andern Worten: auch vergleichbar. «Ich wäre froh gewesen, wenn es das schon früher gegeben hätte», sagt Danièle Florence Perrin, langjährige Sekundarlehrerin und seit diesem Sommer für kklick im Kanton Glarus zuständig. Die drei Gründerkantone St.Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden haben damit Verstärkung bekommen; Kunsthaus Glarus, Freulerpalast, Zirkus Mugg und andere Anbieter sind jetzt ebenfalls digital verklickt.

Das Ziel heisst Chancengleichheit

Die von den Kantonen getragene Plattform verdient an den Angeboten selber nichts. «kklick ist kein Geschäftsmodell wie etwa booking.com», betont Richi Küttel, Mann der ersten Stunde bei kklick. Den Nutzen sollen vielmehr die Lehrerinnen und Lehrer und die Kinder direkt haben. Die Angebote sind überprüft, werden regelmässig visitiert, sie müssen auf die Lernziele im Lehrplan 21 abgestimmt und gut vermittelt sein. «Nur» ein Konzert für Kinder zu spielen, reiche nicht, um in die Plattform aufgenommen zu werden. Die Hauptkriterien heissen: Professionalität, pädagogisch-didaktische Aufbereitung, Stufengerechtigkeit und möglichst aktive Beteiligung der Kinder.

Das Ziel ist ehrgeizig. Bildung und Kultur sollen näher als bisher zusammenrücken, sagt Stefanie Kasper. Und man will alle Kinder erreichen – nicht nur jene aus bildungsinteressierten Milieus. Darum gibt es zwar auch vereinzelt Aktivitäten in der Freizeit; der Schwerpunkt sind aber Angebote für Klassen. «So wird die Chancengleichheit gewährleistet.»

Ob sie auch nachhaltig ist, sei schwieriger zu beantworten. Von den Autorenlesungen, die er schon in der Zeit vor kklick organisiert hatte, weiss Richi Küttel: Bücher von Autorinnen und Autoren, die zu Lesungen in die Klasse kommen, sind danach in der Schulbibliothek über Monate ausgebucht. Und auch ohne solche direkte Reaktion ist er überzeugt: «Etwas bleibt. Kulturerlebnisse geben Impulse, selber aktiv zu werden, Theater zu spielen, zu zeichnen und so weiter.»

Stefanie Kasper pflichtet bei. Es gehe darum, Kindern neue Erfahrungen zu vermitteln und zu zeigen: Diese Welt gibt es auch, du kannst sie entdecken. «Und wenn es dann Klick macht bei den Kindern, kommen sie wieder, mit Eltern, Geschwistern oder Grosseltern.»

Was ist mit der «Schere» zwischen Kulturinteressierten und Kulturabwesenden? Mit der oft beklagten Zweidrittel-Gesellschaft, in der alle Förderanstrengungen und Beschwörungen der «Teilhabe für alle» bisher wenig gefruchtet haben? «Es gibt irgendwann, beim Erwachsenwerden, einen Bruch», vermutet Richi Küttel. Darauf habe die Schule dann kaum noch Einfluss – «aber zumindest soll niemand sagen müssen, er habe von all den kulturellen Angeboten als Kind nichts mitbekommen».

«Platz im Lehrplan gibt es immer»

Die Breitenwirkung ist da – im Kanton St.Gallen etwa haben rund 40 Prozent der Schulen bis heute eine kulturverantwortliche Lehrperson bestimmt. Zudem arbeitet kklick mit den Pädagogischen Hochschulen intensiv zusammen, unter anderem beim jährlichen Kulturtag der PH St.Gallen für die neuen Studentinnen und Studenten: Am nächsten Mittwoch, 4. September finden Workshops in 22 Ateliers in Kulturinstitutionen statt, kklick und das kantonale Amt für Kultur organisieren mit.

Und Platz im Lehrplan bleibe immer, ist Kati Michalk, Co-Geschäftsführerin der St.Galler Stelle, überzeugt. «Unser Anliegen ist es, Kulturangebote nicht als Zusatzaufwand zu verstehen, sondern als selbstverständlichen Teil des Unterrichts.» Englisch zu üben zum Beispiel gehe im Museum je nach Thema wunderbar – und Mathematik könne man auch beim Brückenberechnen in der Grubenmannsammlung in Teufen betreiben.

Warum kein Gratis-öV für den Trip zur Kultur?

Was bleibt an Wünschen nach den ersten fünf Jahren? Mit der Frage landet man schnell beim Geld. Wenn Schulen auf Kultur-Exkursionen verzichteten, dann oft aus finanziellen Gründen – genauer: wegen der Kosten für Bahn und Bus. Warum also kein Gratis-öV für den Trip zur Kultur, zumindest ein- oder zweimal im Jahr? Ein solches System kenne man im Vorarlberg, die Ostschweiz könnte sich daran ein Vorbild nehmen, sagt Küttel. Überhaupt wäre sein Wunsch, dass jedes Kind auf jeder Stufe einmal (oder auch zweimal) jährlich ein Kulturvermittlungsangebot erlebe. «An diesem Punkt sind wir noch lange nicht.»

Auch Saiten ist auf kklick.ch präsent. Die Medienwerkstatt zum Thema Nachrichtenkompetenz bietet Einblick in die journalistische Arbeit und schärft einen kritischen Blick auf redaktionelle Inhalte. Sie ist für Schulen ab dem 8. bis zum 12. Schuljahr, aber auch für Fachhochschulen, Berufsschulen, Unternehmen und Organisationen geeignet.

Dieser Beitrag erschien im Septemberheft von Saiten.

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

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01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

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Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

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24/7 Traumacore

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Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
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«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von Lilli Kim Schreiber,
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von Vera Zatti,
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto