Eine digitale Schnitzeljagd per App durch die Ausstellung «Transportweg Bodensee» in Kreuzlingen? Eine Diskussionsrunde zu Ethik im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen, unter dem Titel «Darf man eine Mumie ausstellen?» Ins St.Galler Figurentheater zum Mäusedichter Frederick? Oder zur Brückenkunde ins Zeughaus Teufen? Die Angebote sind da, für Schulklassen unterschiedlichen Alters, und man findet sie auf einen Klick: Sie sind gesammelt auf der Vermittlungsplattform kklick.ch.
Seit fünf Jahren gibt es kklick. Zwar ist noch immer umstritten, wie man das Wort aussprechen soll – k-klick oder bloss klick? Im übrigen aber herrscht Einigkeit: Die Plattform ist ein Erfolg. Quasi «auf der grünen Wiese» habe man angefangen, sagt Stefanie Kasper, die den Thurgau betreut: Man musste erst einmal die Anbieter finden, die Angebote überprüfen, die Schulen erreichen.
Heute sind auf kklick.ch mehr als 300 Angebote fürs Kindergartenalter bis zur Sekundarstufe aufgeführt und einheitlich präsentiert, mit andern Worten: auch vergleichbar. «Ich wäre froh gewesen, wenn es das schon früher gegeben hätte», sagt Danièle Florence Perrin, langjährige Sekundarlehrerin und seit diesem Sommer für kklick im Kanton Glarus zuständig. Die drei Gründerkantone St.Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden haben damit Verstärkung bekommen; Kunsthaus Glarus, Freulerpalast, Zirkus Mugg und andere Anbieter sind jetzt ebenfalls digital verklickt.
Das Ziel heisst Chancengleichheit
Die von den Kantonen getragene Plattform verdient an den Angeboten selber nichts. «kklick ist kein Geschäftsmodell wie etwa booking.com», betont Richi Küttel, Mann der ersten Stunde bei kklick. Den Nutzen sollen vielmehr die Lehrerinnen und Lehrer und die Kinder direkt haben. Die Angebote sind überprüft, werden regelmässig visitiert, sie müssen auf die Lernziele im Lehrplan 21 abgestimmt und gut vermittelt sein. «Nur» ein Konzert für Kinder zu spielen, reiche nicht, um in die Plattform aufgenommen zu werden. Die Hauptkriterien heissen: Professionalität, pädagogisch-didaktische Aufbereitung, Stufengerechtigkeit und möglichst aktive Beteiligung der Kinder.
Das Ziel ist ehrgeizig. Bildung und Kultur sollen näher als bisher zusammenrücken, sagt Stefanie Kasper. Und man will alle Kinder erreichen – nicht nur jene aus bildungsinteressierten Milieus. Darum gibt es zwar auch vereinzelt Aktivitäten in der Freizeit; der Schwerpunkt sind aber Angebote für Klassen. «So wird die Chancengleichheit gewährleistet.»
Ob sie auch nachhaltig ist, sei schwieriger zu beantworten. Von den Autorenlesungen, die er schon in der Zeit vor kklick organisiert hatte, weiss Richi Küttel: Bücher von Autorinnen und Autoren, die zu Lesungen in die Klasse kommen, sind danach in der Schulbibliothek über Monate ausgebucht. Und auch ohne solche direkte Reaktion ist er überzeugt: «Etwas bleibt. Kulturerlebnisse geben Impulse, selber aktiv zu werden, Theater zu spielen, zu zeichnen und so weiter.»
Stefanie Kasper pflichtet bei. Es gehe darum, Kindern neue Erfahrungen zu vermitteln und zu zeigen: Diese Welt gibt es auch, du kannst sie entdecken. «Und wenn es dann Klick macht bei den Kindern, kommen sie wieder, mit Eltern, Geschwistern oder Grosseltern.»
Was ist mit der «Schere» zwischen Kulturinteressierten und Kulturabwesenden? Mit der oft beklagten Zweidrittel-Gesellschaft, in der alle Förderanstrengungen und Beschwörungen der «Teilhabe für alle» bisher wenig gefruchtet haben? «Es gibt irgendwann, beim Erwachsenwerden, einen Bruch», vermutet Richi Küttel. Darauf habe die Schule dann kaum noch Einfluss – «aber zumindest soll niemand sagen müssen, er habe von all den kulturellen Angeboten als Kind nichts mitbekommen».
«Platz im Lehrplan gibt es immer»
Die Breitenwirkung ist da – im Kanton St.Gallen etwa haben rund 40 Prozent der Schulen bis heute eine kulturverantwortliche Lehrperson bestimmt. Zudem arbeitet kklick mit den Pädagogischen Hochschulen intensiv zusammen, unter anderem beim jährlichen Kulturtag der PH St.Gallen für die neuen Studentinnen und Studenten: Am nächsten Mittwoch, 4. September finden Workshops in 22 Ateliers in Kulturinstitutionen statt, kklick und das kantonale Amt für Kultur organisieren mit.
Und Platz im Lehrplan bleibe immer, ist Kati Michalk, Co-Geschäftsführerin der St.Galler Stelle, überzeugt. «Unser Anliegen ist es, Kulturangebote nicht als Zusatzaufwand zu verstehen, sondern als selbstverständlichen Teil des Unterrichts.» Englisch zu üben zum Beispiel gehe im Museum je nach Thema wunderbar – und Mathematik könne man auch beim Brückenberechnen in der Grubenmannsammlung in Teufen betreiben.
Warum kein Gratis-öV für den Trip zur Kultur?
Was bleibt an Wünschen nach den ersten fünf Jahren? Mit der Frage landet man schnell beim Geld. Wenn Schulen auf Kultur-Exkursionen verzichteten, dann oft aus finanziellen Gründen – genauer: wegen der Kosten für Bahn und Bus. Warum also kein Gratis-öV für den Trip zur Kultur, zumindest ein- oder zweimal im Jahr? Ein solches System kenne man im Vorarlberg, die Ostschweiz könnte sich daran ein Vorbild nehmen, sagt Küttel. Überhaupt wäre sein Wunsch, dass jedes Kind auf jeder Stufe einmal (oder auch zweimal) jährlich ein Kulturvermittlungsangebot erlebe. «An diesem Punkt sind wir noch lange nicht.»
Auch Saiten ist auf kklick.ch präsent. Die Medienwerkstatt zum Thema Nachrichtenkompetenz bietet Einblick in die journalistische Arbeit und schärft einen kritischen Blick auf redaktionelle Inhalte. Sie ist für Schulen ab dem 8. bis zum 12. Schuljahr, aber auch für Fachhochschulen, Berufsschulen, Unternehmen und Organisationen geeignet.
Dieser Beitrag erschien im Septemberheft von Saiten.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
Der Musiker und Künstler Nicolaj Ésteban veröffentlicht ein neues Album seiner Band Loveboy And His Imaginary Friends. Es führt in eine faszinierende Welt – und in sein Inneres, wo es manchmal dunkel ist.
Nach vierzig Jahren kehrt Guido R. von Stürler in die Kunsthalle nach Wil zurück. Der Künstler, mit einem Faible für Fliegen, zeigt in «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» eine Werkübersicht, die Organisches und Digitales vereint.
Eine halbe Million weniger von Kanton und Stadt – trotzdem machen Konzert und Theater St.Gallen vorläufig keine Abstriche beim Programm. Die Spielzeit 26/27 kündigt «Grenzgänge» an, sehr zeitgemässe insbesondere im Schauspiel.
Die Kritik an der Einladung des extremistischen und techno-libertären US-Bloggers Curtis Yarvin ans St. Gallen Symposium war gross – und berechtigt. Trotzdem war sein Auftritt am Ende vor allem eines: entlarvend. Selten traten die Widersprüche, die Selbstüberschätzung und die intellektuelle Leere der Neuen Rechten so öffentlich zutage.
In eigener Sache
Historische Überlieferungen sagen oft mehr über die Geisteshaltung der Verfasser aus als über geschichtliche Tatsachen. Was lässt sich also gesichert über die historische Person Wiborada sagen? Eine quellenkritische Spurensuche.
Ein Jahrhundert nach Thomas Manns Roman greifen Karl Kave & Durian das Motiv neu auf und erzählen mit Zauberberg ein vielschichtiges Konzeptalbum über Pflege, Perspektiven und gut betuchte Damen.
Paris, New York, Shanghai, Ittingen: Mit Fabrice Hyber gastiert mal wieder ein international renommierter Künstler im Kunstmuseum Thurgau. Eine Begegnung.
Treueprobe, Verkleidungsspuk, Partner:innentausch: Così fan tutte scheint definitiv von vorgestern. Trotzdem lohnt sich Mozarts Oper auch jetzt wieder am Theater St.Gallen. Am Samstag war Premiere.
Das Kunstzeughaus Rapperswil-Jona zeigt seit dem 26. April die aktuelle Sammlungsausstellung «wohin – woher – womit». Mitgestaltet von Menschen aus der Region untersucht sie, wie Teilhabe in Museen künftig aussehen kann.
St.Gallen verliert das Spiel gegen Sion und macht so Thun zum Meister. Doch in St.Gallen denken längst alle an den anderen Titel, der dann in drei Wochen vergeben wird. Das Spiel gegen Sion zum Nachlesen gibt es trotzdem im SENF-Ticker.
Filmfestival in Frauenfeld
Buch zur Migration in die Ostschweiz
In diesem Jahr feiert St.Gallen den 1100. Todestag Wiboradas. Obwohl die Inklusin einen grossen Einfluss auf die Stadt hatte, ist sie den wenigsten ein Begriff. Das soll sich ändern. Wie dies gelingen soll und welche Bedeutung Wiborada heute noch hat, erzählen Jolanda Schärli und Hildegard Aepli vom Verein Wiborada-Jubiläum 2026 sowie Karin K. Bühler von der feministischen Bibliothek Wyborada im Gespräch mit Saiten.
Doppeltes Jubiläum: Im Mai jährt sich das Martyrium der St.Galler Stadtheiligen Wiborada zum 1100. Mal. Und der Verein Wyborada, der 1987 die gleichnamige feministische Bibliothek eröffnete, feiert sein 40-Jahr-Jubiläum. Ausserdem im Mai-Heft: Das Gespräch zwischen Florian Vetsch und dem St.Galler Autor Christoph Keller über dessen neuen Roman.
Abbau von über 46 Vollzeitstellen in der Verwaltung, Schliessung des Volksbades, zusätzliche Blitzer für die Stadtpolizei: Mit solchen Massnahmen will die St.Galler Stadtregierung bis 2029 das jährliche Loch in der Stadtkasse um 17,1 Millionen Franken reduzieren.
Die Ostschweizer Band Team Negroni hat eine Vinyl-Platte mit Coversongs herausgebracht. Am 7. Mai wird Don't Drag Me Down in der st.gallischen Grabenhalle getauft.