Dass Vanja Vukelic ein Mensch voller Energie ist, spürt man sofort. Und diese Energie steckt die 27-jährige seit Jahren fast vollständig in die Musik. Mit Schlagzeuger Mattia Ferrari und Gitarrist Silvan Gerhard, zwei guten Freunden, hat die Bassistin vor zwei Jahren die Trash-Rock-Band Mama Jefferson gegründet.
Morgen Donnerstag spielt das Trio am Openair St.Gallen. «Dort einmal auf der Bühne zu stehen, habe ich mir immer gewünscht», sagt Vanja, die in Uzwil aufgewachsen ist und heute in Winterthur lebt. Dass das nun mit der eigenen Band möglich ist, sei natürlich super. «Ein Traum geht in Erfüllung».
Zum Glück gabs Stromausfall
Angefangen hat alles in Kroatien. Dort hat Vanja bis zu ihrem achten Lebensjahr gewohnt. «Es gab viele Stromausfälle bei uns», erinnert sie sich. Weil es ihr in solchen Momenten langweilig wurde, habe sie angefangen Musik zu machen – Handörgeli, Gitarre, Ukulele und Schlagzeug probierte sie aus. «Ich war fasziniert von Instrumenten und wollte immer wieder neue ausprobieren.» Später hat sie Klavierstunden genommen und kam zufällig zum Bass – und war gleich hin und weg. So ist er bis heute an Vanjas Seite geblieben.
Nach dem Gymnasium hat Vanja verschiedene Jobs gemacht, die nichts mit Musik zu tun hatten. Sie habe schnell gemerkt, dass «nine to five» nichts für sie sei. «Eine Band zu gründen und auf Welttournee zu gehen», sei ihr grosser Kindheitstraum gewesen. «Mein Bauch wusste schon immer, dass die Musik das Richtige für mich ist. Ich musste einfach noch lernen, auf meinen Bauch zu hören», sagt Vanja und lacht.
Mama Jefferson live: 28. Juni, 19:45 Uhr, Musig uf de Gass & Startrampe, Openair St.Gallen
openairsg.ch, mamajefferson.com
Seither hat sie in mehreren Bands gespielt, nimmt als Bassistin regelmässig Aufträge an und ist etwa zwei Monate im Jahr in der Band des Zirkus Ohlala engagiert. Ausserdem schliesst sie im Sommer an der ZHdK ihren Master of Arts in EBass Pop ab. Ihr Herzensprojekt sei aber die Band Mama Jefferson – für diese stellt sich Vanja sogar vors Mikrofon. Das sei anfangs nicht geplant gewesen. «Ich bin eigent lich keine Sängerin», sagt sie selbstkritisch. Mittlerweile gilt ihr Sprechgesang als Markenzeichen der Band.
Eines der Highlights in ihrer Musikkarriere sei gewesen, als sie 2016 ihre erste Platte aufgenommen hat. «Ich durfte dabei einfach ich sein», erzählt Vanja begeistert. Mit guten Freunden eine Vision umzusetzen, sei ein schönes Gefühl. Denn im Alltag sei das Musikbusiness ein hartes, raues Pflaster – und als Frau da drin zu sein wohl noch schwieriger. Es gibt weniger Vorbilder, erklärt Vanja. Egal, ob Mann oder Frau: «Es braucht viel Selbstbewusstsein!» Aber: «Man ist nur dort verletzbar, wo man sich verletzen lässt.» Sie selbst habe gelernt, dazu zu stehen, was sie macht. Das ist: lauter, lärmiger Rock mit vielen Trash-Elementen. Und das bedeutet, auch mal hässlich zu sein. Was aber nicht heisst, dass Vanja immer mit einer rotzigen Attitüde auftritt.
Die Musik urteilt nicht
Ein Job mit unsicherem Einkommen zu haben, stört Vanja nicht. «Ich habe einen ‹Grundoptimismus› und deshalb keine Existenzängste.» Auch habe sie gemerkt, dass sie Dinge, bei denen sie «nur» 100 Prozent bei der Sache ist, nicht lange durchzieht. «Es müssen schon 150 Prozent sein», sagt sie, und das sei bei der Musik der Fall.
Woher das kommt? Vanja überlegt. «Die Musik macht etwas mit den Menschen, wogegen man sich nicht wehren kann», so ihr Erklärungsversuch. «Sie ist emotional authentisch und urteilt nicht.» Ausserdem mag Vanja die Begegnungen mit Menschen.
Ob die Musik auch in den nächsten 20 Jahren der Mittelpunkt von Vanjas Leben ist, kann und will sie nicht voraussagen. «Ich weiss nicht, wohin mein Weg mich führt», sagt sie lachend. Auch ob die Musikrichtung ihrer Band wechselt, weiss sie noch nicht. Nur eines sei klar: «Ich will nie Schlager machen!» Obwohl Vanja nicht viel über die Zukunft nachdenkt, hat sie einen Traum. «Ich habe meinen Bandkollegen versprochen, dass wir irgendwann in einem Stadion auftreten!»
Dieser Beitrag erschien im Juniheft von Saiten.
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