Mia Nägeli, 1991, arbeitet nach einer Journalismusausbildung und ein paar Jahren bei verschiedenen Medien heute in der Musikbranche in der Kommunikation, als Tontechnikerin und als Musikerin. Seit Herbst 2024 studiert sie Kunst in Wien.
24/7 Traumacore
2026 will ich mehr Christentum und mehr Knutschen. Bessere Vorsätze als irgendwas mit Gym, right? Derzeit arbeite ich das Dialectical Behavior Therapy Skills Workbook durch, eine enge Freundin von mir macht The Artist's Way, und hie und da landen ihre Suche nach Kreativität und meine nach…
Weihnachten bringt für mich immer den Tod. Und natürlich auch Schlemmerfilet, geschmolzenen Käse und Weihnachtslieder, aber eben auch den Tod. Meine Familie geht kaum auf den Friedhof, nur zu Heiligabend, wenn alle von Prosecco und Wein und Kirschschnaps und einem schlecht gesungenen…
Das Teilen und Tauschen von Medikation hat in der trans Community Tradition. Weil Ärzt:innen auch mal aufgrund des Aussehens oder Verhaltens (zu weiblich? zu wenig weiblich?) die Behandlung verbieten, weil die Wartezeit auf einen Ersttermin auch mal Jahre dauern kann, weil mehr und mehr…
I’m bad with birthdays. Diese Kolumne schreibe ich an meinem Geburtstag, am ersten Tag meiner ersten Ferien seit Jahren – ich bin ebenso schlecht mit Ferien wie mit Geburtstagen. Deshalb fahre ich seit ein paar Jahren an meinem Geburtstag weg, auch dieses Jahr, und am Morgen, nachdem…
Ich habe meine gesamte Jugend der Ostschweizer Provinz gewidmet, bin nie weggezogen, habe dies oder jenes romantisiert: kurze Wege zu Kulturgeld, kleine Szenen oder die Chance, etwas zu verändern, weil man selbst den rechtsextremen Politiker:innen beim lokalen Kulturfest über den Weg läuft…
Goethe fucked me up. Natürlich nicht nur Goethe, sondern auch The Kooks’ You Don’t Love Me, Ethel Cains Crush, natürlich Twilight und besonders Lordes Writer In The Dark: «I am my mother’s child / I’ll love you till my breathing stops / I’ll love you till you call the cops on me». Klingt…
Kolumne Traumacore 24/7
Kürzlich sass ich stundenlang am Tisch des Infoladens einer Hausbesetzung und hab irgendwelchen Punks Sticker, Zines oder Kalender angedreht. Don’t ask, es war ein Versehen, Soli-Fest für irgendwas, keine Ahnung, und ich war da eigentlich nur, um mit meinem neuen Crush zu flirten. Aber…
Die Armen werden immer ärmer und die Reichen werden immer reicher, aber sonst wird im Allgemeinen alles immer gleicher. Mein neues Bücherregal zum Beispiel, ich habe es von Ikea und die Fächer sind alle gleich gross und gleich weiss und die meisten haben nicht mal einen Einsatz oder eine Tür.…
Seit zwei Jahren nenne ich mich Mia, nennen mich meine Freundinnen Mia. Seit eineinhalb Jahren steht das auch in meinem Pass, und seit ich aus der Schweiz in ein anderes Land gezogen bin, bin ich nur noch Mia, und weder Staat noch Mensch hier wissen, wie man mich davor genannt hat. Ich kenne…
Als ich die letzte Kolumne schrieb, stand keine einzige Pflanze in meiner Wohnung. Jetzt stehen da acht: zwei auf dem Tisch und eine auf der Kommode, vier auf dem Bücherregal und eine kleine auf dem Fenstersims. Ich habe mir vorgenommen, so lange Pflanze um Pflanze zu mir nach Hause zu…