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«Musik ist auch eine politische Sache»

Martina Berther ist eine der umtriebigsten Bassistinnen der Schweiz. Ein Gespräch über die Lust am Experiment, Frauen in der Musikszene und was der Vaterschaftsurlaub damit zu tun hat.
Von  Corinne Riedener
Martina Berther im Progr in Bern. (Bild: Nathalie Jufer)

Saiten: Du sitzt gerade im Zug nach Linz.


Martina Berther: Ja, ich bin unterwegs zum Konzert mit Sophie Hunger. Heute Abend sind wir in
 Linz, morgen in Salzburg und am Freitag in Berlin.

Die Zusammenarbeit mit Sophie Hunger ist nur eines deiner vielen Engagements. Warum so umtriebig?

Weil es mir viel Freude bereitet und die Musik offenbar meine Berufung ist. Ich arbeite bei vielen tollen Projekten mit, die mir alle die Möglichkeit geben, mich kreativ auszudrücken und mich weiterzuentwickeln. Aber klar, es ist auch eine Art Sucht: dieser Austausch mit dem Publikum, diese intimen Momente, die man teilt.

Du bist oft auf Tour. Wie wichtig ist dir das Konzert, die Bühne?

Ich brauche beides. Früher war ich viel am Proben
 und weniger oft auf der Bühne. Damals war mein Ziel, möglichst viel live zu spielen. Heute bin ich zeitweise mehr auf der Bühne als im Proberaum. Dann vermisse ich manchmal die Probearbeit, da diese wichtig ist, um in die Tiefe gehen zu können. Heute spiele ich aber nicht mehr jeden Gig um jeden Preis. Spüre ich keine Wertschätzung, verzichte ich lieber. Generell bin ich sehr gerne unterwegs, bereise andere Länder, lerne neue Kulturen kennen. Das mit der Musik kombinieren zu können, ist ein absolutes Privileg.

Was gibt dir das Experimentieren?


Es ist mir extrem wichtig, ist meine Inspirationsquelle. Ich entwickle dabei meine eigene Sprache, die
 ich dann in den verschiedenen Projekten einbringen kann. Wenn ich zu wenig experimentieren kann, komme ich zum Stillstand, dann wird die Musik zum Job. Das reicht mir nicht.

Ester Poly live:
6. April, 19.30 Uhr, am Saitenfest im EXREX St.Gallen.

Das ganze Programm: hier.

Frauen am Bass: Warum gibt es nicht mehr?


Ich bin keine Genderforscherin… Meiner Meinung nach fehlen die Role Models, die weiblichen Vorbilder. Das heisst, weniger Mädchen werden inspiriert, ein Instrument im Pop/Rock/Jazz-Bereich
 zu spielen. Zudem gelten einige Instrumente als stereotyp weiblich oder männlich. Es braucht dann
 je nach persönlicher Sozialisierung Mut, sich gegen diesen Strom zu entscheiden und ein Instrument wie den Bass zu erlernen. Viele junge Frauen hängen auch mit 13 oder 14 Jahren ihr Instrument an den Nagel. Das ist eine Zeit, in der man beginnt, in Bands zu spielen und gerne mit Gleichaltrigen abhängt. Diese Möglichkeit fehlt dann den Mädchen, weil es weniger gibt, die ein Instrument spielen. Spielen
 sie doch in einer Band, sind es oft männlich dominierte Band-Konstrukte. Als Frau muss man dann lernen, anders zu kommunizieren und sich durchzusetzen. Oft entstehen da Unsicherheiten und Selbstzweifel. So war zumindest meine Erfahrung.

Was muss passieren, dass es in der Musikszene mehr Frauen hat?

Frauen müssen generell sichtbarer werden. Die Musik ist nur ein Spiegel unserer Gesellschaft.
Das Problem ist vielschichtig. Es beginnt bereits in jungen Jahren, wo Mädchen und Jungs die gleichen Chancen haben sollten. Ein Mädchen soll Schlagzeug spielen dürfen und ein Junge Querflöte, wenn sie das wollen. Wir würden einen grossen Schritt weiterkommen, wenn wir uns von diesem stereotypen Denken befreien könnten. Viele Musikerinnen verlieren zudem ihre Sichtbarkeit, wenn sie Mütter werden. Gerade in der Schweiz, wo wir sozusagen keinen Vaterschaftsurlaub haben, sind viele Musikerinnen gezwungen, mit dem Konzertieren zu pausieren. Im Moment ist in der Musikszene die Genderdiskussion allgegenwärtig. Eine wichtige Sensibilisierung findet statt. Einiges ist schon passiert, vieles bleibt aber noch zu tun.

Kannst du denn damit leben, wenn man dich als Quotenfrau engagiert?


Damit musste ich lernen umzugehen. Musik ist auch eine politische Sache. So gehört es im Moment 
dazu, mal Quotenfrau zu sein und zum Beispiel in Interviews auch zum Genderthema befragt zu
werden, statt nur zu meiner Musik. Aber klar möchte ich grundsätzlich gebucht werden, weil ich eine
 gute Bassistin und eine spannende Musikerin bin und nicht weil ich eine Frau bin, die Bass spielt. Da
ich mittlerweile mein Können einschätzen kann, kann ich auch besser mit diesem Quotenfrau-Dasein umgehen. Böse Stimmen behaupten natürlich nur bei tollen Engagements, dass ich diesen Job erhalten habe, weil ich eine Frau bin. Solche Aussagen
sind oft mit Neid verbunden. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich solche meist subtil injizierten Aussagen immer locker wegstecken kann. Das kommt auch auf meine mentale Verfassung drauf an.

Gehen dir diese Frauenfragen auf den Geist?


Ich finde das Thema wichtig und bin froh, dass die dritte Welle des Feminismus auch vor der Musikszene keinen Halt macht. Mir ist bewusst, wie wichtig Role Models sind, darum tausche ich mich 
oft aus, rede über meine Erfahrungen und gebe unter anderem auch Female Band Workshops. Was mich wirklich nervt, sind Menschen, die ernsthaft immer noch das Gefühl haben, ich hätte einen Vorteil als Frau in der Musikbranche. Da verliere ich schonmal die Geduld und mag mich nicht mehr erklären.

Zurück zur Musik: Was macht Ester Poly, dein Duo mit Béatrice Graf, aus?

Drums und Bass, das ist eine interessante Besetzung. Ester Poly hat eine einzigartige Energie, musikalisch, aber auch in der Kombination von Béatrice und mir. Wir haben diesen Generationenunterschied, wir haben einen super Austausch, und wir haben uns so ein ganz eigenes Universum geschaffen.

Was habt ihr geplant für den 6. April?


Weiss noch nicht… Sollen wir euch unsere Version von Happy Birthday spielen?

Dieser Beitrag erschien im Aprilheft von Saiten.

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

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Bachtage ki und musik 1

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Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

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Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

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Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
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In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
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«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
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Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
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Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi