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Nach dem Rücktritt von Peter Jans: Das Rennen um den vakanten Stadtratssitz ist eröffnet

Der St.Galler Stadtrat in seiner aktuellen Zusammensetzung. (Bild: Stadt St.Gallen) 

Der St.Galler Stadtrat in seiner aktuellen Zusammensetzung. (Bild: Stadt St.Gallen) 

SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.

So be­schei­den-sach­lich (und man­che wür­den sa­gen kno­chen­tro­cken), wie er seit 2015 als Mit­glied der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung auf­ge­tre­ten ist, hat er sei­nen Ab­gang ein­ge­lei­tet: Am ver­gan­ge­nen Frei­tag hat Stadt­rat Pe­ter Jans in ei­ner ge­ra­de ein­mal zehn Zei­len lan­gen Me­di­en­mit­tei­lung sei­nen Rück­tritt auf Mit­te 2027 an­ge­kün­digt. Jans wird bei sei­nem Ab­gang zwölf Jah­re in der städ­ti­schen Exe­ku­ti­ve ge­ses­sen ha­ben. Er stand sei­ne gan­ze Amts­zeit der Di­rek­ti­on der Tech­ni­schen Be­trie­be vor. Er ist al­so bis En­de Ju­ni 2027 zu­stän­dig für Ver­sor­gung, Ent­sor­gung, öV so­wie Um­welt und En­er­gie.

Dass Pe­ter Jans vor­zei­tig zu­rück­tritt und die Amts­zeit 2025 bis 2028 nicht be­en­det, ist kei­ne wirk­li­che Über­ra­schung. Dar­über ge­wer­weisst wur­de un­ter po­li­tisch In­ter­es­sier­ten schon län­ger. Dies zum ei­nen, weil Jans 2027 67 Jah­re alt wird. Der Som­mer 2027 pas­se für sei­nen Rück­tritt aber auch aus an­de­ren Grün­den, heisst es in der Me­di­en­mit­tei­lung: We­sent­li­che Pro­jek­te sei­en auf­ge­gleist. Es sei rich­tig, die Ver­ant­wor­tung «in neue und jün­ge­re Hän­de» zu le­gen. Der Rück­tritt sei zu­dem rich­tig, weil es «ne­ben der er­fül­len­den Ar­beit als Stadt­rat auch noch an­de­re wich­ti­ge Sei­ten im Le­ben» ge­be.

Er­satz­wahl ver­mut­lich im Fe­bru­ar 2027

Der Ter­min für die Er­satz­wahl für Pe­ter Jans wird nach An­ga­ben der St.Gal­ler Stadt­kanz­lei durch den Stadt­rat fest­ge­legt. Dies wird in al­ler­nächs­ter Zeit ge­sche­hen. Vie­les spricht da­für, dass die Er­satz­wahl am 28. Fe­bru­ar 2027 statt­fin­den wird. Für die Ab­stim­mungs­ter­mi­ne vom 27. Sep­tem­ber und 29. No­vem­ber wird es auf­grund der ein­zu­hal­ten­den Fris­ten nicht mehr rei­chen, und der nächs­te Blan­ko­ter­min des Bun­des für Ab­stim­mun­gen ist eben der 28. Fe­bru­ar. Auch wenn man die An­set­zung frü­he­rer Er­satz­wahl­ter­mi­ne als Mass­stab nimmt, passt die­ser Ter­min.

Kei­ne Rol­le bei der An­set­zung der Er­satz­wahl dürf­te spie­len, dass im Ge­gen­satz zu den bei Ge­samt­wah­len üb­li­chen Herbst­ter­mi­nen ein Da­tum En­de Fe­bru­ar für ei­nen Wahl­kampf nicht wirk­lich ide­al ist. Die Zeit von Weih­nach­ten/Neu­jahr bis zum Wahl­ter­min wird durch die Win­ter­fe­ri­en­wo­che und die Fas­nacht ver­kürzt (Schmut­zi­ger Don­ners­tag ist am 4. Fe­bru­ar 2027). Wäh­rend den Fe­ri­en wie in den när­ri­schen Ta­gen ist ernst­haf­ter Wahl­kampf schwie­rig zu be­werk­stel­li­gen, weil vie­le po­li­tisch In­ter­es­sier­te und Ak­ti­ve ab­we­send oder an­der­wei­tig be­schäf­tigt sind.

SP-Wahl­ka­rus­sell nimmt Fahrt auf

Trotz die­ser Er­schwer­nis ist die Wahr­schein­lich­keit hoch, dass es bei der Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge für Pe­ter Jans zu Kampf­wah­len kommt. Da­bei will die SP si­cher ih­ren zwei­ten Sitz in der Stadt­re­gie­rung ne­ben je­nem von Stadt­prä­si­den­tin Ma­ria Pap­pa ver­tei­di­gen. In den nächs­ten Ta­gen wer­den die Mit­glie­der der St.Gal­ler Stadt­par­tei auf­ge­for­dert, sich bei In­ter­es­se am Amt bei der Fin­dungs­kom­mis­si­on zu be­wer­ben. Vor­aus­sicht­lich an ei­ner Mit­glie­der­ver­samm­lung im Ok­to­ber soll der Kan­di­dat oder al­len­falls die Kan­di­da­tin für die Er­satz­wahl von der Par­tei­ba­sis no­mi­niert wer­den.

Da schon län­ge­rer Zeit über den Rück­tritt von Pe­ter Jans spe­ku­liert wur­de, kur­sie­ren auch Na­men von SP-Po­li­ti­ker:in­nen, die sich für ei­ne Nach­fol­ge in­ter­es­sie­ren sol­len. Im­mer wie­der zu hö­ren ist je­ner von Pe­ter Oli­bet, der sich dem Ver­neh­men nach aber noch nicht für oder ge­gen ei­ne Kan­di­da­tur ent­schie­den hat. Oli­bet sitzt seit An­fang 2015 im Stadt­par­la­ment. Von 2015 bis 2025 war er Prä­si­dent und Co-Prä­si­dent der SP-Stadt­par­tei. Er gilt als er­fah­re­ner Lo­kal­po­li­ti­ker und ge­wief­ter Tak­ti­ker, der im Par­la­ment auch im­mer bei Kom­pro­mis­sen über Par­tei­gren­zen hin­aus fe­der­füh­rend war.

SP-Stadtrat Peter Jans tritt Ende Juni 2027 nach zwölf Amtsjahren zurück. (Bild: Stadt St.Gallen)

SP-Stadtrat Peter Jans tritt Ende Juni 2027 nach zwölf Amtsjahren zurück. (Bild: Stadt St.Gallen)

Eben­falls In­ter­es­se am Stadt­rats­amt wer­den Stadt­par­la­men­ta­ri­er Chom­pel Ba­lok so­wie Kan­tons­rä­tin und Ge­werk­schaf­te­rin Alex­an­dra Ake­ret nach­ge­sagt. Ers­te­rer könn­te im SP-No­mi­na­ti­ons­ver­fah­ren die Mi­gra­ti­ons­kar­te spie­len, Zwei­te­re wä­re si­cher ei­ne Kan­di­da­tin, die bei vie­len Frau­en und an so­zia­len Fra­gen In­ter­es­sier­ten gut an­kä­me. Der Nach­teil von Chom­pel Ba­lok ist, dass er öf­fent­lich we­nig be­kannt ist. Der Nach­teil von Alex­an­dra Ake­ret wä­re, dass sie mit ih­ren poin­tier­ten Po­si­tio­nen Wäh­ler:in­nen aus der Mit­te des po­li­ti­schen Spek­trums ab­schre­cken könn­te. 

Ob die drei Ge­nann­ten mit dem Ge­dan­ken spie­len, die Nach­fol­ge von Pe­ter Jans im Stadt­rat an­tre­ten zu wol­len, wis­sen im Mo­ment nur sie sel­ber. Und ob es noch wei­te­re Mit­glie­der aus den Rei­hen der SP gibt, die sich auf das Aben­teu­er «Er­satz­wahl in den Stadt­rat» ein­las­sen wol­len, wird erst der par­tei­in­ter­ne Be­wer­bungs- und No­mi­na­ti­ons­pro­zess zei­gen. Klar ist: Pe­ter Oli­bet wä­re auf­grund sei­ner Be­kannt­heit und Er­fah­rung ein star­ker Kan­di­dat mit bes­ten Wahl­chan­cen. Sol­che hät­ten aber an­ge­sichts der Wäh­ler:in­nen­stär­ke der SP in der Stadt sehr wohl auch an­de­re Be­wer­bun­gen.

Rau­fen sich die Bür­ger­li­chen zu­sam­men?

Ziem­lich si­cher ist, dass die Bür­ger­li­chen die Er­satz­wahl nut­zen wol­len, um ei­nen An­griff auf den SP-Stadt­rats­sitz zu lan­cie­ren. Das tönt ein­fa­cher, als es in Tat und Wahr­heit ist. Klar ist, dass die FDP, die mit Ma­thi­as Ga­ba­t­hul­er den letz­ten bür­ger­li­chen Sitz im St.Gal­ler Stadt­rat hält, der­zeit kaum ei­nen zwei­ten Sitz be­an­spru­chen kann. Blei­ben die Mit­te und die SVP. Ers­te­re hat­te einst zwei Sit­ze in der städ­ti­schen Exe­ku­ti­ve und ist 2017 aus dem Stadt­rat ge­flo­gen, Letz­te­re war­tet seit dem Jahr 2000 und x er­folg­lo­sen Kan­di­da­tu­ren dar­auf, end­lich ein­mal in der Stadt­re­gie­rung Ein­sitz zu neh­men.

Es ist er­klär­tes Ziel der Bür­ger­li­chen, die Aus­rich­tung des Stadt­rats mit heu­te zwei Sit­zen für die SP so­wie je ei­nem Sitz für FDP, Grün­li­be­ra­le (Son­ja Lü­thi) und ei­nen Par­tei­lo­sen (Mar­kus Busch­or) in ih­re po­li­ti­sche Rich­tung zu ver­än­dern. Seit Mit­te der 2010er-Jah­re ist ih­nen das aber nie ge­lun­gen. Ge­schei­tert sind sie un­ter an­de­rem an der ei­ge­nen Zer­strit­ten­heit, die ein ge­mein­sa­mes Wahl­ti­cket bis­her im­mer ver­hin­der­te. Die Ei­gen­in­ter­es­sen stan­den ei­nem wirk­lich ge­schlos­se­nen Auf­tritt je­des Mal im Weg. Als Letz­ter kämpf­te Mit­te-Kan­di­dat Pa­trick An­gehrn 2024 mit die­ser Pro­ble­ma­tik.

Stramm rechts­bür­ger­lich ist in der Stadt chan­cen­los

Läuft das dies­mal an­ders? Rau­fen sich Mit­te, FDP und SVP zu­sam­men? Und mit wem kan­di­die­ren die drei Par­tei­en ge­mein­sam? Der letz­te Punkt ist der mit dem gröss­ten Spreng­po­ten­zi­al. Die Stär­ke­ver­hält­nis­se in der Stadt sind heu­te so, dass ei­ne bür­ger­li­che Kan­di­da­tur nur Er­folg ha­ben kann, wenn sie ge­mäs­sigt oder po­pu­lär ge­nug ist, um auch in der Mit­te und leicht links da­von punk­ten zu kön­nen. Die ge­schei­ter­ten SVP-An­läu­fe zei­gen, dass das städ­ti­sche Stimm­po­ten­zi­al für stramm rechts­bür­ger­li­che Kan­di­da­tu­ren nicht mehr gross ge­nug für ei­nen Sieg bei ei­ner Ma­jorz­wahl ist.

Ei­ne von vorn­her­ein zwin­gen­de Fi­gur, die we­gen ih­res For­mats und ih­rer Po­pu­la­ri­tät als bür­ger­li­cher Al­lein­kan­di­dat ge­setzt wä­re, ist nicht in Sicht. Stadt­par­la­men­ta­ri­er und Kan­tons­rat Fe­lix Kel­ler könn­te als kan­to­na­ler Ge­wer­be­se­kre­tär und er­fah­re­ner Po­li­tik­fuchs al­len­falls so ei­ne Rol­le über­neh­men. Er wur­de lan­ge als po­ten­zi­el­ler Stadt­rats­kan­di­dat ge­han­delt, in­ter­es­siert sich aber wohl nicht für das Amt. Ei­ne von al­len Bür­ger­li­chen oh­ne Wenn und Aber ge­tra­ge­ne Stadt­rats­kan­di­da­tur von Kel­ler wä­re ver­mut­lich auch ge­gen ei­nen sehr star­ken SP-Kan­di­da­ten wie Pe­ter Oli­bet nicht chan­cen­los.

Bei die­ser Aus­gangs­la­ge darf man sich über­ra­schen las­sen, was pas­siert. Vie­les ist jetzt mög­lich. Ein Auf­tritt aus ei­nem bür­ger­li­chen Guss mit ei­nem über­ra­schend star­ken Kan­di­die­ren­den oder ei­ne Al­li­anz, die mit zwei Kan­di­da­tu­ren für ei­nen va­kan­ten Sitz nicht über Lip­pen­be­kennt­nis­se hin­aus­geht, oder ein bür­ger­li­cher Wahl­kampf je­der ge­gen je­den: Das al­les liegt drin. Der Herbst wird zei­gen, ob es den Ver­ant­wort­li­chen von Mit­te, FDP und SVP ge­lingt, über den ei­ge­nen Wahl­kampf­schat­ten zu sprin­gen und ei­ne Al­li­anz zu schmie­den, die die SP wirk­lich auf Au­gen­hö­he her­aus­for­dern kann.

Grü­ne Wahl­hil­fe für ei­ne bür­ger­li­che Al­li­anz?

Auf in­di­rek­te Un­ter­stüt­zung der Grü­nen kön­nen die Bür­ger­li­chen bei der Er­satz­wahl für Pe­ter Jans wohl nicht hof­fen. Wür­den die Grü­nen bei die­ser Ei­ner­va­kanz ei­ne ei­ge­ne Kan­di­da­tur ins Ren­nen schi­cken, wür­de das im links­grü­nen Block zu ei­ner Stim­men­zer­split­te­rung füh­ren, die ei­ner bür­ger­li­chen Al­li­anz hel­fen könn­te, min­des­tens ei­nen zwei­ten Wahl­gang zu er­zwin­gen. Der grü­ne Stadt­par­tei­prä­si­dent Chris­ti­an Hu­ber wä­re ein mög­li­cher Kan­di­dat. Das «St.Gal­ler Tag­blatt» zi­tiert ihn aber da­hin­ge­hend, dass die Grü­nen im Fe­bru­ar 2027 wohl eher nicht an­tre­ten wer­den.

Die­ser tak­ti­sche Schach­zug könn­te sich aus­zah­len. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass es bei den nächs­ten Ge­samt­erneue­rungs­wah­len zu ei­ner wei­te­ren Va­kanz kom­men wird. Wahr­schein­lich ist, dass Bau­di­rek­tor Mar­kus Busch­or im Herbst 2028 nicht mehr für ei­ne wei­te­re Amts­zeit an­tre­ten wird. Der Par­tei­lo­se wird in je­nem Jahr 67 und hat dann ins­ge­samt 16 Amts­jah­re im Stadt­rat auf dem Bu­ckel. Und bei die­ser Va­kanz am Wahl­ter­min, bei dem sich auch al­le Bis­he­ri­gen der Wäh­ler­schaft stel­len müs­sen, sind die Chan­cen für ei­ne grü­ne Kan­di­da­tur bes­ser als bei der jet­zi­gen Ei­ner­va­kanz. 

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

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2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

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Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

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Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

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