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Nachtkälber, Wolkenpferde

Wortspielereien und starke Bilder aus nächtlichen Traumregionen: Die St.Galler Journalistin Brigitte Schmid-Gugler publiziert erstmals einen Gedichtband. «Aller Liebe eigen» hat am Mittwoch Buchpremiere.
Von  Peter Surber , 

«Es kann aus jeder Richtung kommen»: Das ist ein Satz, der Räume aufmacht und vielleicht auch Unannehmlichkeiten ankündigt. Der Satz steht als Übertitel über dem letzten, vierten Teil des Gedichtbands Aller Liebe eigen von Brigitte Schmid.

Die St.Galler Journalistin, lange Jahre beim «Tagblatt» tätig, hat bisher unter anderem eine Sammlung Wahre Geschichten veröffentlicht, eine Biografie des St.Galler Domkapellmeisters Johannes Fuchs unter dem Titel Die Fuchsens oder eine Spurensuche rund um eine Skulptur im Toggenburg, Das Geheimnis der Heie. Jetzt tritt sie erstmals als Lyrikerin hervor.

Heucheln und Meucheln

Der neue Spielraum ist, insbesondere in diesem vierten Teil, auch ein Wortspiel-Raum. «Die Baumwipfel / treibens / mit den Wolken // Ein Flirt / von schleierhaftem Charme» heisst einer der listigen Verse, ein anderer sieht in «Heucheln und Meucheln» heimliche Verwandte. Jemand fragt, «ob es in Herzkammern / gemütliche Ecken gibt / fürs Stricken von Wollsocken», oder man lernt ungeahnte Künste wie «Scheinnähte hexenstickeln», «Südtangenten bereisen» und «Stoppelfelder anhimmeln». Was Brigitte Schmid-Gugler hier anrichtet, ist mit dem Titel eines weiteren Gedichts: «Wortgemachtes».

Eine der Illustrationen im Buch. (Bild: Brigitte Schmid-Gugler)

Ihre Wortfantasie macht auch vor den lieben Mitmenschen nicht halt. «Runterputzer» oder «Heimlichtuer» kommen an die Reihe, «Lümmeltüten» oder «Versprecher ihrer selbst», «Sternenstanzer», «Eckenschneider», «Querstreicher» und andere «Aberzähler», «Irrlichter» oder solche, denen schlicht «ihr Dasein peinlich» ist. Manchmal fühlt man sich, nicht unfreundlich, aber mit scharfem Blick mitgemeint.

Tage wie Eselsohren

Im Kapitel davor knicken Einzeiler ein – jeweils das letzte Wort fällt vertikal hinunter, mein Favorit sind die «Tage wie Eselsohren, umgeknickt am Blattrand», die der Abteilung auch den Titel geben. Je weiter vorn im Buch man dann ist, desto anspielungsreicher und vertrackter sind die Bilder, noch verstärkt durchs Schmids Flair für Wortraritäten wie «zirbengrüne» Bäume, «Hundsrosenfrüchte», «Flidhais» oder «Equiden»; Fremdlinge, auf die man sich beim Lesen einlassen und für die man eigene Kopfinnenbilder finden müsse, wie es im Vorwort heisst.

Brigitte Schmid-Gugler: Aller Liebe eigen, Gedichte, Klaus Isele Editor 2020, Fr. 34.90

Buchvernissage: Mi 25. November 19 Uhr, Raum für Literatur St.Gallen, Musik Marc Jenny. Wenige freie Plätze. Info und Anmeldung: schmid.brigitte@sunrise.ch

Durch die Gedichte spuken mystische Wesen, archaische Gestalten, düstere oder «mild gestimmte» Geister, die «scheinheiligen Engel», die «nach verdrifteter Saat» jagen, die «neunäugige Agathe», «Nachtkälber» und «Wolkenpferde» und «Fichtenschlängler»: All das findet man im «Tarngebirge» dieser Lyrik. Eine Türe öffnet sich ins «Nimmerbare», anderswo blüht eine «Nimmerblume», jemand will «des Andern Tier sein».

Lyrik sei Literatur zum «Kauen», schreibt Rainer Stöckli, der die Arbeit an den Texten begleitet und das Vorwort geschrieben hat  – und hebt den Reichtum an «Sprachgebärden» hervor, dazwischen aber auch die Leichtigkeit wie ein Augenaufschlag. Es ist eine sprachmächtige und bildstarke, auch rätselhafte Gegend, in die uns Brigitte Schmid-Guglers Gedichte mitnehmen. Kostbar wie ein «Traumflaummond» oder andere nächtliche Fundstücke:

Und bring mir

Was Klitzekleines aus deinen Träumen mit
legs in die Apfelhurde oder
daneben zu den Rinden 

Sacht gewickelt
in Seidenpapier
denn wer weiss
wie zerbrechlich es ist

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Senf

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Kanton sparmassnahme

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Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

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Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover