, 31. Januar 2018
keine Kommentare

Nazi-Gaswagen «Modell Saurer»

Der Abgasskandal in der deutschen Autoindustrie weckt böse Erinnerungen. Vor allem im Euthanasie-Programm mordeten die Nazis mit fahrbaren, dieselbetriebenen Gaskammern. Dabei sind auch LKWs und Busse von Saurer aus Arbon eingesetzt worden.

Saurer-Touristenbus aus dem Berlin der 1930er-Jahre. (Bild: Tourismus Berlin)

Die SS-Aktion «T4» setzte die fahrbaren Gaskammern in den 1930er-Jahren zur Vernichtung «lebensunwerten Lebens» ein. Opfer waren Menschen mit geistigen und körperlichen Handicaps aus den Irren- und Heilanstalten des Deutschen Reichs und später auch aus den besetzten Gebieten Osteuropas. Während des Krieges sind zudem Insassinnen und Insassen von Konzentrationslagern mobil vergast worden.

In der Literatur über die Euthanasie in Nazi-Deutschland werden die Gaswagen als Möbelwagen mit luftdichten Aufbauten beschrieben. Mit einem Schlauch am Fahrzeugauspuff werden die CO-Abgase in den Laderaum geleitet. Zuvor sind die Handicapierten verladen und die Türen verschlossen worden. Um die Opfer zu beruhigen, sind die Lampen im Wageninneren eingeschaltet. Den Opfern wird gesagt, sie würden entlaust und nachher wieder ins Freie entlassen.

Langsamer Tod im Leerlauf

Der Fahrer startet den Motor und lässt ihn etwa zehn Minuten im Leerlauf. In dieser Zeit wird so viel Kohlenmonoxid produziert, dass die eingesperrten Menschen auf der Ladefläche ersticken. Das geht langsam. Sie schreien und trommeln gegen die Wände des Wagenaufbaus. Sobald sie verstummt sind, fährt der Todeswagen zum Krematorium, wo seine Fracht entladen und eingeäschert wird.

Verantwortlich für die Gaswagen war SS-Obersturmbannführer Walter Rauff, der nach seiner Flucht aus Deutschland 1984 in Santiago de Chile verstarb. In einem Interview sagte er über die Gaswagen: «Ob ich damals Bedenken gegen den Einsatz der Gaswagen hatte, kann ich nicht sagen. Für mich stand im Vordergrund, dass die Erschiessungen für die Männer, die damit befasst wurden, eine erhebliche Belastung darstellten und dass diese Belastung durch den Einsatz der Gaswagen entfiel.»

Saurer wusste von nichts

Die Aufbauten der Gaswagen sind von der Firma Gaubschat Fahrzeugwerke GmbH konstruiert worden. Die Mörder, von denen die Aufträge kamen, gaben an, sie würden die Wagen für den Transport von Seuchentoten gebrauchen.

Als Gaswagen kamen Fahrzeuge der Marken Diamond, Opel Blitz, Magirus, Renault und Saurer aus Arbon zum Einsatz. Auf den Ladeflächen der Schweizer LKWs hatten laut Unterlagen der SS-Aktion «T4» rund 70 Opfer Platz, auf den anderen zwischen 30 und 50. Das CO aus den Arboner Dieselmotoren soll auch am effizientesten getötet haben.

Saurer-Gasbus. (Bild: G. Flatz, Bregenz)

Nach dem Zusammenbruch von Nazideutschland kam die Firma Saurer in Erklärungsnotstand. Sie konnte aber nachweisen, dass sie von der Zweckentfremdung ihrer Fahrzeuge keine Ahnung hatte. Die LKWs und Busse sind in den 1920er- und 1930er-Jahren an verschiedene Transportunternehmen in Deutschland verkauft worden.

Ob es ein «Nazi-Gen» bei Volkswagen, BMW und Daimler gibt, das immun gegen die Nazi-Verbrechen macht, kann nicht bewiesen werden. Ein Gen für Geschichtsvergesslichkeit gibt es aber bei den deutschen Autobauern ganz bestimmt. Daher erscheinen sie auch besonders skrupellos, wenn sie jetzt das Auslaufmodell Dieselmotor retten wollen, indem sie in einer Testreihe Affen und Menschen deren Abgase einatmen lassen um den fraglichen Beweis zu erbringen, dass diese Schadstoffe dank verbesserter Technologie unbedenklich seien.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Impressum

Herausgeber:

 

Verein Saiten
Frongartenstrasse 9
Postfach 556
9004 St. Gallen

 

Telefon: +41 71 222 30 66

 

Redaktion

Corinne Riedener, Peter Surber, Roman Hertler

redaktion@saiten.ch

 

Verlag/Anzeigen

Marc Jenny, Philip Stuber

verlag@saiten.ch

 

Anzeigentarife

siehe Mediadaten

 

Sekretariat

Irene Brodbeck

sekretariat@saiten.ch

 

Kalender

Michael Felix Grieder

kalender@saiten.ch

 

Gestaltung

Samuel Bänziger, Larissa Kasper, Rosario Florio
grafik@saiten.ch

Saiten unterstützen

 

Saiten steht seit über 20 Jahren für kritischen und unabhängigen Journalismus – unterstütze uns dabei.

 

Spenden auf das Postkonto IBAN:

CH87 0900 0000 9016 8856 1

 

Herzlichen Dank!