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Neue Museums- und Archivleiter:innen setzen auf Zusammenarbeit

Vier historische Institutionen in St.Gallen haben im Laufe dieses Jahres eine neue Leitung bekommen. Diese waren am Donnerstag vom Historischen Verein und der Ortsbürgergemeinde zum Gespräch geladen.
Von  René Hornung
Historisches und Völkerkundemuseum St.Gallen

Was habt ihr als neue Chefin, als neuer Chef als erstes angepackt, was schon verändert? Das wollte Diskussionsleiter Max Lemmenmeier am Donnerstagabend im vollen Saal des Stadthauses als erstes wissen. Peter Fux, neuer Leiter des Historischen und Völkerkundemuseums (HVM) und damit des grössten an diesem Abend vertretenen Museums, verwies auf das neu eingerichtete Kaffee. Das Haus mit seiner mächtigen, aus seiner Sicht etwas abweisenden Aussentreppe, möchte er gerne noch zugänglicher machen.

Mandana Roozpeikar, die neue Leiterin des Textilmuseums hat als ganz grosses Ziel den Umbau des Hauses mit einer Verdoppelung der Ausstellungsfläche vor Augen – dank eines unterirdischen Ausstellungssaals. Ob der Entwurf von Architekt Christian Kerez aber in den nächsten Jahren umgesetzt, ob er finanziert werden kann, ist auch für die neue Direktorin ungewiss. In St.Gallen gehe es mit Bauprojekten eher langsam voran, stellte sie fest.

Archivalische Perspektiven ergänzen sich

Dorothee Guggenheimer sagte als Leiterin des Stadtarchivs der Ortsbürgergemeinde: «Klar, bei uns ist es staubig – wir sind ja auch ein Archiv und kein Museum.» Sie habe das Privileg, nicht mit möglichst hohen Besucherzahlen den Erfolg ausweisen zu müssen, und doch ist das Archiv als Institution bekannt, auch dank ihren Veranstaltungen. Gerne hätte das Stadtarchiv mehr Geld für eine komfortablere IT-Lösung.

Die kleinste am Abend vertretene Institution, das Archiv für Frauen-, Geschlechter und Sozialgeschichte Ostschweiz, hat mit Judith Grosse ebenfalls eine neue Leiterin. Sie will sich vermehrt der Migrationsgeschichte widmen, denn diese Schicksale würden nirgends sonst dokumentiert. – «Stimmt nicht, aber aus einer anderen Perspektive, jener der Ämter», warf Dorothee Guggenheimer ein. Dank der Zusammenarbeit der beiden Archive lässt sich ein vollständigeres Bild gewinnen, das die Schicksale von zwei Seiten beleuchten kann – das sei Vermittlungstätigkeit, stellten die beiden übereinstimmend fest.

Geschichte ganzheitlicher vermitteln könnten auch Textilmuseum und HVM, etwa wenn es um historische Mode geht. Das HVM besitzt eine historische Kleidersammlung – das Textilmuseum kann dazu unter anderem die technische Herstellung dokumentieren. – Das Fazit: Zusammenarbeit schafft Synergien und die vier Leiter:innen setzen auf Kooperation. Als Museumsbesucher:in oder Archivnutzer:in werden wir dies in den nächsten Jahren erleben, wenn Ausstellungen in verschiedenen Häusern verschiedene Aspekte des Themas zeigen werden.

Bereits gelebte Kooperationen vertiefen

Die Zusammenarbeit funktioniert aber schon heute, auch mit den am Abend nicht auf dem Podium vertretenen Museen, sowie mit dem Theater und den Musikveranstaltern. Und doch sind alle Häuser vor allem mit den jeweils eigenen Problemen konfrontiert: mit zu wenig Geld für eine neue Datenbank, mit zu wenig Platz um angebotene Sammlungen zu übernehmen, mit Fragen zur Nachhaltigkeit ihres eigenen Betriebs.

In diesem Zusammenhang musste Mandana Roozpeikar vom Textilmuseum den Wunsch aus dem Publikum nach einer zweiten jährlichen Museumsnacht abschlägig beantworten. Nachhaltigkeit bedeute auch gute Arbeitsbedingungen anzubieten. Den Aufwand einer zusätzlichen Museumsnacht könne sie den Mitarbeitenden nicht aufbürden – auch wenn das Publikum sicher in Scharen käme.

Bleibt die Frage, ob sich Museen und Archive im digitalen Zeitalter neu erfinden müssen, so wie dies Mandana Roozpeikar in ihrem Begrüssungsvideo erklärt. Peter Fux vom HVM hält davon wenig. Die Digitalisierung sei vor allem von den Tech-Firmen angetrieben. Wichtig bleibt für ihn, ein Original betrachten zu können. Denn diese Artefakte, die aus der Geschichte, der Ethnologie und der Archäologie überliefert sind, erzählten die wahren Geschichten.

Das gilt auch für die Papiere in den Archiven. Allerdings: Vieles, was das Stadtarchiv sammelt, gibt es heute nur noch digital, stellt Dorothee Guggenheimer fest. Diese Daten in die nächsten Jahrhunderte hinüber zu retten, ist eine weitere Herausforderung.

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Hans Fässler,  

Klar, dass die Museen und Archive über die Digitalität nachdenken. Das müssen sie. Denken sie aber auch über Kolonialität nach? Da habe ich meine Bedenken angesichts der jüngsten Ausstellung («Gut») im Textilmuseum zur St.Galler Textilgeschichte und angesichts der Äusserungen von HVKM-Direktor Peter Fux am ersten Museums-Café zu Fragen der Restitution von kolonialen (Raub)Objekten im Allgemeinen und zur Ekeko-Saga im Besonderen.

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