, 26. Juni 2018
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Neuer Schub für Urheberrecht

Der Historiker und Journalist Stefan Keller ist neuer Präsident der Urheberrechtsgesellschaft Pro Litteris. Pro Litteris zählt rund 11’000 Mitglieder und erzielte 2017 einen Gesamtertrag von 36,4 Mio. Franken. von Urs Oskar Keller

Grosse Aufgaben für den Thurgauer aus Heimenhofen bei Andwil: Eine Revision des Urheberrechts steht an. Die laufende und weitere Aushöhlung des Urheberrechts ist Realität geworden. Die Digitalisierung geschieht rasant und an allen Ecken und Enden. Neue Visionen für die Urheberwelt sind gefragt bei Pro Litteris, wo es vor allem um technische und juristische Fragen geht.

Stefan Keller ist seit 2006 im Vorstand der 1974 gegründeten Schweizerischen Urheberrechtsgesellschaft für Literatur und bildende Kunst Pro Litteris – seit einigen Jahren als Vizepräsident, seit letztem Samstag als Präsident. Bis 2013 präsidierte er zudem die Mediengewerkschaft comedia, Sektor Presse und elektronische Medien (heute syndicom).

Pro Litteris

Die Gesellschaft bewirtschaftet sowohl gesetzliche Lizenzen – wie die Kopiervergütung – als auch vertragliche Lizenzen (insbesondere Bildrechte und Senderecht). Für die Verwendung geschützter veröffentlichter Werke (z.B. Bücher, Zeitungsartikel, Bilder) handelt sie mit den Nutzern (Betrieben, Schulen, Museen etc.) Tarife aus. Darin werden die Vergütungen festgelegt, die ProLitteris treuhänderisch für die Inhaber der Rechte (Urheber, Verlage, Rechtsnachfolger etc.) verwaltet. Nach Abzug der Verwaltungskosten, eines Anteils für die Fürsorge-Stiftung und für die Kulturförderung gehen die Einnahmen nach einem detaillierten Verteilungsreglement an die Inhaber der Rechte.

prolitteris.ch

Das operative Geschäft der Pro Litteris leitet der Rechtsanwalt Philip Kübler mit aktuell 24 Angestellten. In einer 2016 veröffentlichten Untersuchung hatte Pro Litteris einen Brutto-Verwaltungskostensatz von über dreissig Prozent; am besten schnitt die Verwertungsgesellschaft Suisseimage für audiovisuelle Werke mit einem Kostensatz von fünf Prozent ab.

Spannende Zeit

Die Genossenschaft Pro Litteris nimmt für ihre Mitglieder über 32 Millionen Franken pro Jahr ein (2017). In der Schweiz gibt es fünf Verwertungsgesellschaften (neben Pro Litteris: Suisa, Suisseimage, Swissperform und die Société Suisse des Auteurs SSA). Insgesamt ziehen die fünf Organisationen jährlich etwa 250 Mio. Franken an Verwertungsbeiträgen ein.

Braucht es gleich fünf, um diese Gelder nach einem Schlüssel zu verteilen? Wäre nur eine Gesellschaft nicht effizienter, und man könnte in der Administration kostenbewusst arbeiten? Das fragte sich nicht nur Kellers Vorgänger, der Berner Verleger und Jurist Men Haupt. Eine spannende Zeit für die Genossenschaft und ihre zwei Stiftungen ist angebrochen.

Stefan Keller nach der Wahl. (Bild: uok)

Der elfköpfige Vorstand, den Keller jetzt führt, ist eine heterogene und vielsprachige  Gruppe aus Literatur und bildende Kunst. Es muss dabei immer eine Gesamtsicht berücksichtigt werden; zur Tätigkeit gehören beispielsweise Musterverträge für Verlage. Bislang war Stefan Keller zuständig für das Ressort Journalistinnen und Journalisten, wissenschaftliche Autorinnen und Autoren.

«Berührende Momente»

Keller ist Redaktor der Wochenzeitung WOZ, schreibt die Kolumne «Kellers Geschichten» in «Saiten», kuratiert Ausstellungen wie «Schreck & Schraube. Weltindustrie im Thurgau», hat Bücher geschrieben (ua. über den Fall Grüninger) oder wirkt als historischer Berater des Theaterstücks «1918.CH – 100 Jahre Landesstreik» in Olten – das Interview mit Stefan Keller zum Thema Landesstreik ist im diese Woche erscheinenden Sommerheft von Saiten zu lesen.

Auf Facebook postete Stefan Keller nach der Wahl zum Präsidenten: «Berührende Momente übrigens, wenn in der allgemeinen Umfrage plötzlich ein Idol der Kindheit namens Federica de Cesco das Wort ergreift, und wenn auch Franz Hohler und Emil Steinberger bei der Wahl die Stimmkarte hochhalten.»

 

 

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